Makroskopische Anatomie der Leber

Die Leber befindet sich als größte Verdauungsdrüse des menschlichen Organismus zum größten Teil im rechten Oberbauch unter der rechten Zwerchfellkuppel und ist an deren Form angepasst und teilweise mit ihr verwachsen.  Ihre Konsistenz ist weich und gleichmäßig strukturiert. Die Leber hat eine braun-rote Farbe und ist durch den Peritonealüberzug spiegelnd glatt.  Der kranialwärts gerichtete Teil der Leber (Pars superior) ist in der Umgebung mit dem Zwerchfell verwachsen, also frei von Peritoneum viscerale.

Die Leber ist ventral in zwei unterschiedlich große Lappen geteilt, den größeren rechten Leberlappen  (Lobus hepatis dexter) und den kleineren linken Leberlappen (Lobus hepatis sinister). Der Unterrand des Lobus hepatis dexter schließt mit dem rechten Rippenbogen ab und ist bei Vergrößerungen (s. Pathologie) ebendort tastbar. Der Lobus hepatis sinister reicht bis vor den Magen und die Milzloge.

Linker und rechter Leberlappen werden von einer bandartigen Struktur oberflächlich unterteilt: dem Lig. falciforme hepatis. Es handelt sich um eine sagittal gestellte Bauchfellduplikatur. Das Ligamentum falciforme hepatis ist die Verbindung mit dem Peritoneum parietale der vorderen Bauchwand. Es markiert zwar grob die Trennlinie zwischen rechtem und linkem Leberlappen. Die exakte anatomische Trennung bestimmt aber das Verzweigungsmuster der Lebergefäße.

Die Leberpforte (Porta hepatis) hat ihren Namen von den ein- und austretenden Gefäßen (Pfortader, Leberarterie = eintretend, Gallengang, Lymphgefäße = austretend) und Nerven. Die Bindegewebskapsel der Leber und die Peritonealschicht werden vom Nervensystem sensibel innerviert (schmerzempfindlich).

Zwischen rechtem und linkem Leberlappen liegen Gallenblase und untere Hohlvene.

Mikroskopische Anatomie

Das Lebergewebe ist in eine riesige Zahl von 1-2 mm großen Leberläppchen (Lobuli hepatici) unterteilt. Unter der derben Leberkapsel (Tunica fibrosa) liegt ein schwammartiges Gerüst aus Bindegewebe, welches mit Blutgefäßen durchsetzt ist. Diese ziehen in das Organinnere.

Histologisch erscheinen diese Leberläppchen ähnlich wie sechseckige Bienenwaben. In der Mitte des Leberläppchens liegt jeweils eine Zentralvene, weshalb die Leberläppchen auch Zentralvenenläppchen genannt werden. Das Leberläppchen ist polygonal und von wenig Bindegewebe umgeben. Dieses verdichtet sich in den Ecken zu dreieckigen Feldern (Periportalfelder) in den jeweils ein feiner Ast der Pfortader, ein Ast der Leberarterie und ein kleiner ableitender Gallengang verlaufen. Dieses Versorgungssystem bezeichnet man auch als Glisson-Trias.

Die Hepatozyten (Leberzellen) ordnen sich sternförmig um die Zentralvene in Form unregelmäßiger Säulen an. Auf diese Weise entstehen zwischen den Säulen Hohlräume (Sinusoide) in denen Blut aus der Peripherie des Leberläppchens zur Zentralvene fließt. Bei diesem Blut handelt sich um eine Mischung aus Blut der Leberarterie und der Pfortader, die Verästelungen beider zuführenden Gefäße vereinigen sich unmittelbar vor Eintritt des Blutes in das Leberläppchen. Die abfließenden Zentralvenen aller Leberläppchen sammeln das Blut in immer größer werdenden Venen. Über die drei großen Lebervenen (Vv. hepaticae) fließt dieses Blut dicht unter dem  Zwerchfell in die untere Hohlvene (V. cava inferior) ab.

Die Hepatozyten der Leber sezernieren außerdem die Gallenflüssigkeit. Diese fließt in umgekehrter Richtung in die Peripherie der Leberläppchen und wird dort von den Ductuli biliferi gesammelt und münden in den Ductus hepaticus.

Erst die parallele Anordnung Millionen von Leberläppchen ermöglicht die Wahrnehmung der komplexen Funktionen der Leberzellen.

Funktion

Die Leber hat als exkretorische Drüse sehr vielfältige Funktionen zu erfüllen: Syntheseleistungen: Gluconeogenese, Cholesterin und Gallensäuren, Albumin, Globuline, Gerinnungsfaktoren, Entzündungsproteine (Akute-Phase-Proteine).

  • Speicherleistung: Speicherung von Glukose (als Glykogen), Fett (Lipoproteine), einigen Vitamine.
  • Gallebildung.
  • Abbau und Entgiftung alter Erythrozyten, Bilirubin, Ammoniak (zu Harnstoff) und Medikamenten.
  • Regulierung von Vitamin- und Spurenelementstoffwechsel.

Die Leber ist somit Entgiftungs- und Ausscheidungsorgan. Sie verfügt über zahlreiche Enzyme (Eiweiße), welche in anderen Körperzellen nicht oder nur in geringerem Ausmaß vorhanden sind (GOT = AST = ASAT = Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (Aspartat-Amino-Transferase), GPT = ALT = ALAT = Glutamat-Pyruvat-Transaminase = Alanin-Amino-Transferase), y-GT = Gamma- Glutamyl-Transferase, Alkalische Phosphatase (AP).

Der laborchemisch empfindlichste Parameter („Leberwert“) ist die y-GT. Eine Erhöhung der y-GT zeigt relativ früh eine Schädigung der Leberzellen bzw. des Gallengangsystems an.

Informationen zu Erkrankungen der Leber finden sich hier.

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Quellen:

  • A.Faller/ M. Schünke: Der Körper des Menschen, 14. Auflage, Thieme Verlag
  • Silbernagl/Despopoulos: Taschenatlas Physiologie, 6. Auflage, Thieme Verlag
  • Tittel K.: Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen, Urban & Fischer Verlag
  • H.Fritsch/ W.Kühnel: Taschenatlas der Anatomie, 7. Auflage, Thieme Verlag
  • R.Huch, Ch.Bauer (Hrsg.): Mensch, Körper, Krankheit, 4. Auflage, Urban & Fischer Verlag
Autor & Layout:
 
  • Christopher A. Becker