Du siehst gerade eine Vorschau. Werde Premium-Mitglied, um das ganze Video zu sehen: Überblick über das vegetative Nervensystem, das der Aufrechterhaltung der Homöostase dient, indem es unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und die Regulation der Pupillen steuert.
Das vegetative Nervensystem ist wie ein Superheld, der hinter den Kulissen deines Körpers arbeitet. Es ist immer im Einsatz und regelt still und leise Dinge, über die wir nie nachdenken müssen: ...
Mehr lesenDas vegetative Nervensystem ist wie ein Superheld, der hinter den Kulissen deines Körpers arbeitet. Es ist immer im Einsatz und regelt still und leise Dinge, über die wir nie nachdenken müssen: dabei sorgt es dafür, dass dein Herz schlägt, dass deine Lungen frei atmen können, dein Lieblingsessen richtig verdaut wird oder dass sich deine Pupillen an die Lichtverhältnisse anpassen. All das geschieht automatisch, ohne dass du dafür einen Finger krümmen musst. Dieses reibungslose Zusammenspiel bezeichnen wir als Homöostase, also die Fähigkeit deines Körpers, sein inneres Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, ganz egal was um dich herum geschieht.
Stell dir vor: Du gehst abends allein durch eine dunkle Straße und hörst plötzlich ein lautes Geräusch hinter dir. Dein Herz schlägt schneller, deine Atmung beschleunigt sich, deine Muskeln spannen sich an und deine Pupillen weiten sich. Das ist der Sympathikus, der deinen Körper auf den Kampf oder die Flucht vorbereitet
Am nächsten Morgen sieht die Situation bereits ganz anders aus. Du sitzt entspannt in deinem Lieblingscafé, trinkst ein warmes Getränk und genießt ein Stück Kuchen. Deine Atmung ist ruhig, dein Herz schlägt langsam, und an deinen Magengeräuschen hörst du, wie langsam die Verdauung einsetzt. Dieser Chill-Modus wird vom Parasympathikus vermittelt, dem Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Erholung und Regeneration zuständig ist. Dein persönlicher Reset-Button, wenn man so will.
Diese beiden Anteile, Sympathikus und Parasympathikus, arbeiten wie ein eingespieltes Team: Der eine bereitet den Körper auf Aktivität vor, der andere führt ihn wieder in seinen Ruhezustand zurück. In diesem Video schauen wir uns den Aufbau des vegetativen Nervensystems an, wie es Signale überträgt und wie es die Funktion unserer Organe präzise aufeinander abstimmt. Werfen wir also einen genaueren Blick auf die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems.
Um zu verstehen, wie das vegetative Nervensystem das innere Gleichgewicht des Körpers aufrechterhält, müssen wir einen genaueren Blick auf seinen Aufbau und seine Organisation werfen.
Das vegetative Nervensystem besteht wie gesagt aus zwei Hauptteilen: dem Sympathikus und dem Parasympatorhikus. Beide haben unterschiedliche Ursprünge, sind unterschiedlich verschaltet und erfüllen verschiedene Aufgaben, dienen aber gemeinsam der Kontrolle, Kommunikation und Koordination unserer inneren Organe. Beginnen wir mit dem Sympathikus, dem funktionellen „Gaspedal“ unseres Körpers.
Der Sympathikus entspringt dem thorakalen und lumbalen Rückenmark und wird vor allem in Belastungs- und Stresssituationen aktiviert. Seine kurzen präganglionären Neurone verlassen das Rückenmark und werden ziemlich schnell direkt in Ganglien nahe der Wirbelsäule verschaltet, die zusammen den sympathischen Grenzstrang bilden. Vielleicht hast du davon schon einmal gehört. Von dort aus ziehen lange postganglionäre Neurone zu den Zielorganen. Diese setzen überwiegend Noradrenalin frei, das an adrenerge Rezeptoren bindet und so unter anderem die Herzfrequenz steigert, die Bronchien erweitert und die Verdauung hemmt.
Der Parasympathikus ist das funktionelle Gegenstück. Er entspringt dem Hirnstamm sowie den sakralen Rückenmarkssegmenten. Seine präganglionären Neurone sind lang und ziehen fast bis zum Zielorgan, wo sie in organnahen oder intramuralen Ganglien verschaltet werden. Die postganglionären Neurone sind entsprechend kurz und setzen Acetylcholin frei, das an muskarinerge Rezeptoren bindet. Dadurch wird die Herzfrequenz gesenkt, die Verdauungssekretion angeregt und ein ruhiger, energiesparender Zustand gefördert.
Eine besondere Rolle innerhalb des Sympathikus nimmt das Nebennierenmark ein. Man kann es sich als eine Art direkte Verstärkungsstation des vegetativen Nervensystems vorstellen. Hier verschalten präganglionäre sympathische Neurone nicht auf ein postganglionäres Neuron, sondern stimulieren direkt die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin in den Blutkreislauf. So kann der Körper besonders schnell und effektiv auf Stress reagieren.
Gemeinsam sorgen Sympathikus und Parasympathikus dafür, dass der Körper bei Bedarf aktiviert werden kann und anschließend wieder in einen Ruhezustand zurückkehrt. Ihre strukturellen Unterschiede, insbesondere die Länge der neuronalen Bahnen, die Lage der Ganglien und die verwendeten Neurotransmitter, sind entscheidend für ihre effiziente Funktionsweise. Schauen wir uns diese Signalübertragung mal genauer an.
Wie übermitteln Sympathikus und Parasympathikus also ihre Signale? Die Antwort liegt in den Neurotransmittern, also den chemischen Botenstoffen, die Informationen von Neuronen auf ihre Zielgewebe übertragen. Jeder Anteil des vegetativen Nervensystems verwendet dabei seine eigenen Neurotransmitter und Rezeptoren, die wie eine verschlüsselte Sprache funktionieren, die der Körper sofort versteht.
Der Sympathikus verwendet überwiegend Noradrenalin, das von postganglionären Neuronen freigesetzt wird und an adrenerge Rezeptoren der Zielorgane bindet. Diese Rezeptoren werden in Alpha- und Beta-Rezeptoren unterteilt.
Alpha-1-Rezeptoren bewirken eine Vasokonstriktion und einen Anstieg des Blutdrucks. Beta-1-Rezeptoren steigern die Herzfrequenz und die Kontraktilität des Herzmuskels, während Beta-2-Rezeptoren eine Bronchodilatation bewirken und so den Luftstrom in Belastungssituationen verbessern.
Der Parasympathikus nutzt hingegen hauptsächlich Acetylcholin. Dieses wirkt an muskarinergen Rezeptoren, die unter anderem im Herzen, in der Lunge und in Verdauungsorganen zu finden sind. M2-Rezeptoren verlangsamen die Herzfrequenz, indem sie die elektrische Leitfähigkeit reduzieren, während M3-Rezeptoren die Kontraktion der glatten Muskulatur fördern und die Drüsensekretion, beispielsweise im Magen-Darm-Trakt, steigern.
Diese rezeptorspezifischen Effekte erklären, wie ein und dasselbe System in unterschiedlichen Organen sehr verschiedene Reaktionen auslösen kann. Entscheidend ist also nicht nur, welcher Teil des vegetativen Nervensystems aktiv ist, sondern auch welcher Subtyp der Rezeptoren angesprochen wird. Genau diese Spezifität macht das vegetative Nervensystem so präzise und anpassungsfähig.
Schauen wir uns deswegen jetzt einmal an, wie Sympathikus und Parasympathikus in der Praxis zusammenwirken. Die meisten Organe werden von beiden Systemen innerviert. Das bedeutet, dass sie sowohl Signale vom Sympathikus als auch vom Parasympathikus erhalten
Ein gutes Beispiel ist das Herz. Eine sympathische Aktivierung über Beta-1-Rezeptoren führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz, während der parasympathische Einfluss über M2-Rezeptoren den Herzschlag verlangsamt. Es ist wie ein eingebautes Gaspedal beziehungsweise eine Bremse, die es ermöglicht, dass die Herzfunktion kontinuierlich und fein abgestimmt reguliert werden kann.
In der Lunge erweitern sympathische Nervenfasern über die Beta-2-Rezeptoren die Atemwege und verbessern so den Luftstrom bei Stress oder bei körperlicher Belastung. Der parasympathische Einfluss über M3-Rezeptoren führt dagegen zu einer leichten Verengung der Bronchien, wenn der Sauerstoffbedarf sinkt.
Auch im Verdauungssystem zeigt sich dieses Zusammenspiel. Die sympathische Aktivität hemmt die Darmbeweglichkeit und -sekretion, während die parasympathische Aktivität die Verdauungsfunktion fördert, sobald der Körper sich im Ruhezustand befindet. Dieses dynamische Gleichgewicht ermöglicht es dem vegetativen Nervensystem, das innere Milieu kontinuierlich und situationsabhängig zu regulieren, je nachdem, was wir gerade tun oder wie wir uns fühlen
Das Verständnis des vegetativen Nervensystems ist nicht nur für das Bestehen deiner Anatomie- und Physiologie-Kurse wichtig, sondern hat auch eine hohe klinische Relevanz. Beispielsweise sind Betablocker häufig verschriebene Medikamente, die Beta-1-Rezeptoren hemmen, um die Herzfrequenz zu verlangsamen und den Blutdruck bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Medikamente, die muskarinerge Rezeptoren blockieren, sogenannte Anticholinergika, werden eingesetzt, um die Drüsensekretionen zu vermindern, die Harnblase zu entspannen oder Asthma-Symptome zu lindern, indem sie eine Bronchokonstriktion verhindern.
Erkrankungen des vegetativen Nervensystems, etwa bei Diabetes mellitus oder autonomen Neuropathien, können zu Schwindel, Herzrhythmusstörungen oder Verdauungsproblemen führen. Das Erkennen dieser Zusammenhänge hilft Ärztinnen und Ärzten, Symptome gezielt zu behandeln und Therapien besser anzupassen.
Kurz gesagt: Das vegetative Nervensystem ist der eingebaute Regulator des Körpers und steuert viele Prozesse ohne große „Show“ unauffällig im Hintergrund. Der Sympathikus bereitet den Körper auf Aktivität vor, während der Parasympathikus für Ruhe und Erholung sorgt. Über eine präzise „Sprache“ aus Neurotransmittern und Rezeptoren halten diese beiden Anteile das Gleichgewicht im gesamten Körper aufrecht. Von der Regulation der Herzfrequenz bis zur Unterstützung der Verdauung ist das vegetative Nervensystem für den Alltag unverzichtbar und sowohl für die Gesundheit als auch für die Medizin von zentraler Bedeutung.
Vielen Dank, dass du uns auf dieser Reise durch das vegetative Nervensystem begleitet hast. Wenn du dein Wissen vertiefen oder überprüfen möchtest, nutze unser Quiz und die weiteren Lernangebote, die unten verlinkt sind. Tschüß und bis zum nächsten Mal!