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Lemniscus medialis

Inhalt

Übersicht

Der Lemniscus medialis (mediale Schleifenbahn) ist eine im Mittelhirn gelegene Sammlung von Fasersystemen. Dabei handelt es sich vorwiegend um aufsteigende Bahnen der exterozeptiven Sensibilität aus Rückenmark und Hirnstamm. Die Fasern sind ganz überwiegend somatotop angeordnet.


Aufbau und Verlauf 

Das gesamte Bündel wird in zwei Anteile gegliedert:

  • Lemniscus spinalis
  • Lemniscus trigeminalis

Der Lemniscus spinalis fasst die Bahnen zusammen, deren Fasern sensible Impulse aus Rumpf und Extremitäten liefern. Diese Bahnen werden von vier einzelnen Faserbündeln gebildet.
 
Im engeren Sinne wird der Lemniscus medialis durch den Tractus bulbothalamicus, der Fortsetzung der sensiblen Fasern der Ncll. gracilis und cuneatus (epikritische Sensibilität), gebildet. Sie überkreuzen sich als bogenförmige Nervenfasern (Fibrae arcuatae) in der Schleifenkreuzung (Decussatio lemnisci) und laufen zum Thalamus.

Protopathische Fasern, die am Hinterhorn des Rückenmarks umgeschaltet werden, laufen im Tractus spinothalamicus anterior und lateralis in Richtung Mittelhirn und schließen sich dort dem Lemniscus medialis an. Eine spezielle Population an Schmerzfasern aus der Peripherie zieht als Tractus spinotectalis gemeinsam mit dem Tractus spinothalamicus lateralis. Im Mittelhirn verlaufen sie mit dem Lemniscus medialis, enden jedoch bereits in den Colliculi superiores.
 
Neben den von peripher ankommenden Fasern gibt es ein weiteres Bündel, das epikritische und protopathische Information des Gesichts weiterleitet: der Fasciculus tegmentalis ventralis (Spitzer-Bündel). Von den Ncll. spinalis nervi trigemini und pontinus nervi trigemini ziehen Fasern zur Gegenseite und verlaufen als Lemniscus trigeminalis (Trigeminusschleife). Sie schließen sich in Höhe des Pons dem Lemniscus medialis an und enden im Thalamus.
 
Des Weiteren wird ein noch kleinerer Teil sekundärer Geschmacksfasern zum Lemniscus medialis gezählt. Mit ihrem Ursprung im rostralen Teil des Ncl. solitarius und ihrem Ende im Thalamus nehmen sie den medialen Rand des Lemniscus ein. 

Funktion und diagnostische Bedeutung

Der Lemniscus medialis ist eine Durchgangsstraße, die gebündelt verschiedene sensible Fasern führt.
Für die Diagnostik bedeutet dies, wenn in der Peripherie einzelne Qualitäten (epikritisch, protopathisch) ausfallen, muss die verursachende Läsion entweder unterhalb des Lemniscus oder oberhalb des Thalamus liegen muss. Würde die Läsion dagegen innerhalb des Bündels liegen, würden alle Qualitäten betroffen sein. 
 
Eine diagnostische Besonderheit stellt der Tractus spinotectalis dar. Die speziell zu den Colliculi superiores laufenden Fasern stellen eine Verbindung zwischen den, auf Nozisensoren wirkenden, Reizen und der Muskulatur der Pupille dar. Bei Schmerzen auf Grund von pathologischen Veränderungen an inneren Organen, kommt es daher häufig zu einer homolateralen Mydriasis (schmerzbedingte Pupillenreaktion).

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Quellen anzeigen

Autor: Andreas Rheinländerr

Illustrator:

  • Paul Kim: Lemniscus medialis / mediale Schleifbahn - Querschnitt
  • Paul Kim: Tractus spinothalamicus / spinothalamische Bahn - Querschnitt

Quellen:

  • W. Kahle, M. Frotscher: Nervensystem und Sinnesorgane – Taschenatlas Anatomie, 10. Auflage, Thieme (2009), S. 140 f.
  • R. S. Snell: Clinical Neuroanatomy, 7. Auflage, Lippincott Williams & Wilkins (2009)

 

 

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