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”Ich kann ernsthaft behaupten, dass Kenhub meine Lernzeit halbiert hat.” – Mehr lesen. Kim Bengochea Kim Bengochea, Regis University, Denver

Nervenbahnen

Rückenmark - Übersicht

Auf dieser Seite wird es um die Nervenbahnen im zentralen Nervensystem gehen. Hast du dich schon einmal gefragt, wie ein sensibler Reiz von den Fingerspitzen bis hinauf ins Gehirn gelangt, wenn du etwas berührst? Oder anders herum: wie eine reflexartige Bewegung (zum Beispiel das Wegziehen der Hand) blitzschnell ausgeführt werden kann? Geschieht das automatisch oder müssen dafür mehrere Stationen im Nervensystem passiert werden? Verlaufen die unterschiedlichen Impulse auf denselben nervalen Routen?

Mit einigen Ausnahmen müssen beinahe alle Nerven, die ins Gehirn ziehen oder aus ihm herauskommen, zuerst durch das Rückenmark. Das Rückenmark scheint demnach also eine entscheidende Struktur des zentralen Nervensystems zu sein.

Und das scheint nicht nur so! In der gesamten Länge des Rückenmarks verlaufen vielerlei Nervenbahnen hoch und runter: die Tractus. Die Tractus des Rückenmarks sind Nervenfasergruppen, die einen gemeinsamen Verlauf haben. Man könnte auch sagen, sie sind die Autobahnen des zentralen Nervensystems (ZNS). Im Gegensatz zu den Tractus des Rückenmarks gibt es im Gehirn zahlreiche Nervenbahnen, die Strukturen innerhalb des Gehirns miteinander verbinden und zu funktionellen Systemen zusammenfassen (zum Beispiel das limbische System oder die Basalganglien).

Im Folgenden schauen wir uns jede dieser Strukturen einmal genauer an. Dabei wird es zunächst um Nervenbahnen im Allgemeinen gehen. Anschließend widmen wir uns den Rückenmarksbahnen und schließlich einigen intrazerebralen Fasersystemen.

Bedeutung von Nervenbahnen und spinalen Tractus

Zuallererst möchten wir auf die Begrifflichkeiten und grundlegenden Konzepte eingehen. Eine Nervenbahn beschreibt ein Bündel aus Nervenfasern - oder Axonen - die zwei oder mehr Neurone miteinander verbinden. Dadurch erleichtern diese Leitungsbahnen die Kommunikation dieser miteinander verbundenen Nervenzellen.

Im peripheren Nervensystem nennt man solch eine Nervenbahn schlichtweg Nerv. Im zentralen Nervensystem spricht man von einem Tractus. Die Tractus sind also Nervenbahnen, die im Gehirn und im Rückenmark (zentralen Nervensystem) verlaufen. Die Nomenklatur ist allerdings nicht immer eindeutig. Denn es gibt Tractus, die lemniscus, pedunculus oder fasciculus genannt werden, je nachdem wo sie verlaufen oder wohin sie projizieren.

Tractus entstehen, wenn zwei oder mehr Neurone miteinander verschaltet werden. Dabei können diese Neurone je nach ihrer Lokalisation innerhalb des Tractus als Neurone erster, zweiter und dritter Ordnung klassifiziert werden. Die verschiedenen Tractus werden in der Regel nach ihrem Ursprung (erster Teil des Namens) und ihrem Zielort (zweiter Teil des Namens) benannt.Zum Beispiel beginnt der Tractus spinothalamicus seinen Verlauf in der Medulla spinalis, also dem Rückenmark, und endet im Thalamus. Der Tractus corticospinalis dagegen hat seinen Ursprung im Cortex und zieht hinab ins Rückenmark. Du merkst also: Wenn du die Terminologie verstehst, musst du dir nicht alle Namen merken. Praktisch oder?!

Die verschiedenen Nervenbahnen sind ein beliebtes Prüfungsthema, deshalb haben wir dir dieses individuelle Quiz zusammengestellt. Probier es aus und teste dein Wissen!

Spinale Leitungsbahnen

Aufsteigende Bahnen

Das Rückenmark besteht aus einer Vielzahl von aufsteigenden und absteigenden Leitungsbahnen. Die aufsteigenden spinalen Leitungsbahnen sind die sensiblen Bahnen, die innerhalb der weißen Substanz des Rückenmarks nach kranial ziehen. Sie tragen die somatosensiblen Informationen ins Gehirn. Nur wenn sie funktionieren, können wir äußere (Exterozeption) und innere (Interozeption) Einflüsse auf den Körper bewusst wahrnehmen.

Man unterscheidet außerdem die protopathische von der epikritischen Sensibilität. Zur protopathischen Sensibilität zählt die Wahrnehmung von Schmerz, Temperatur und die grobe Druck- und Tastwahrnehmung. Zur epikritischen Sensibilität zählt der feine Berührungs- und Vibrationssinn und die Propriozeption, also die Tiefensensibilität.

Jede dieser aufsteigenden Bahnen folgt demselben Prinzip der Reizweiterleitung vom ersten bis zum dritten sensiblen Neuron. Das erste Neuron - oder Neuron erster Ordnung - ist ein primär sensibles Neuron. Mit seinen Fortsätzen erhält es sensible Reize direkt von den peripheren Sinnesrezeptoren und leitet sie an das zweite Neuron im Hinterhorn des jeweiligen Rückenmarkssegments weiter.

Das zweite Neuron zieht innerhalb der weißen Substanz des Rückenmarks weiter nach kranial und projiziert innerhalb des Gehirns auf das dritte Neuron. Das dritte Neuron liegt in subkortikalen Strukturen wie zum Beispiel dem Thalamus. Sie empfangen den Impuls von peripher und leiten ihn weiter an die Großhirnrinde, den Cortex cerebri.

Insgesamt gibt es elf aufsteigende spinale Leitungsbahnen: das Hinterstrangbahnsystem (Fasciculus gracilis, Fasciculus cuneatus), das Vorderseitenstrangsystem (Tractus spinothalamicus anterior und lateralis), das Kleinhirnseitenstrangsystem (Tractus spinocerebellaris anterior, posterior, superior und die Fibrae cuneocerebellares), der Tractus spinotectalis, der Tractus spinoreticularis und der Tractus spinoolivaris.

IMAGE: Spinal cord tracts - axial view - Aufsteigende spinale Leitungsbahnen

Als nächstes schauen wir uns jede dieser spinalen Leitungsbahnen etwas genauer an. Die Fasciculi gracilis und cuneatus werden auch als Hinterstrangbahnen zusammengefasst. Sie befinden sich direkt nebeneinander im Funiculus posterior. Sie enthalten Fasern für die fein diskriminatorische Sensibilität von Berührungen und die Propriozeption. Zusammen mit dem Fasciculus longitudinalis medialis bilden die Hinterstrangbahnen das mediale Lemniskussystem.

Das erste (pseudounipolare) Neuron der Hinterstrangbahn projiziert mit seinem aufsteigenden Axon auf ipsilateraler Seite des Rückenmarks hoch bis in die Medulla oblongata. In der Medulla oblongata bildet das Axon des ersten Neurons dann Synapsen mit dem zweiten Neuron in den Hinterstrangkernen: dem Nucleus gracilis oder dem Nucleus cuneatus.

Die Fasern des zweiten Neurons kreuzen an der Decussatio lemnisci medialis nach kontralateral und verlaufen weiter nach kranial als Lemniscus medialis bis zum Thalamus. Dort findet die Verschaltung des zweiten mit dem dritten Neuron statt. Die Fasern des dritten Neurons wiederum projizieren bis in den primären somatosensorischen Cortex. Erst dort im somatosensorischen Cortex wird die bewusste Wahrnehmung zugeordnet und interpretiert.

Wenn du mehr über die Propriozeption und die fein diskriminatorische Mechanosensorik lernen willst, dann schau doch mal unter folgenden Links nach:

Tractus spinothalamicus

Es gibt zwei Tractus spinothalamici: einen Tractus spinothalamicus anterior und einen Tractus spinothalamicus posterior. Sie werden auch als Vorderseitenstrangbahnen zusammengefasst. Der Tractus spinothalamicus anterior übermittelt die Reize grober Mechanosensoren nach zentral. Er befindet sich im Funiculus anterior.

Die Fasern des ersten Neurons ziehen aus der Peripherie (vom jeweiligen sensiblen Rezeptor) ins Hinterhorn des Rückenmarks. Dort schalten sie auf das zweite Neuron um und ziehen innerhalb des ipsilateralen Funiculus anterior (dem Vorderstrang) ungefähr sieben Segmente nach oben. Dort kreuzen sie in der Commissura alba auf die kontralaterale Seite und ziehen im kontralateralen Funiculus anterior bis in den Thalamus.

Die Endstrecke ist ab hier wie bei der Hinterstrangbahn: Im Thalamus folgt eine Verschaltung mit dem dritten Neuron, was dann bis in den primär somatosensorischen Cortex projiziert.

Der Tractus spinothalamicus lateralis verläuft im Funiculus lateralis (dem Seitenstrang) und ist für die Weiterleitung von Schmerz- und Temperatur-Reizen verantwortlich. Wie sein Namensvetter (der Tractus spinothalamicus anterior) kreuzt auch der Tractus spinothalamicus lateralis bereits auf Rückenmarksebene; allerdings viel früher. Nach zwei bis drei Segmenten kreuzen die Fasern des zweiten Neurons auf die kontralaterale Seite. Dort verlaufen sie im Funiculus lateralis ebenfalls bis in den Thalamus.

Im Hirnstamm nennt man die Fortsetzung des Vorderseitenstrangs (Tractus spinothalamicus anterior und posterior) Lemniscus spinalis. Einige Quellen zählen überdies den Tractus spinotectalis auch noch zum Lemniscus spinalis. Vom Thalamus aus ziehen die Fasern des dritten Neurons auch hier wieder bis in den primär somatosensorischen Cortex.

Tractus spinocerebellaris

Bisher haben wir lediglich über die spinalen Leitungsbahnen gesprochen, die eine sensible Wahrnehmung möglich machen. Aber auf welche Art und Weise haben diese Informationen Einfluss auf unsere Bewegungen oder Bewegungskoordination?! Stell dir vor, du fährst mit deinem Finger am Rand eines Weinglases entlang oder du balancierst auf einer schmalen Mauer. Mithilfe der Tractus spinocerebellaris ist das möglich.

Der Tractus spinocerebellaris (posterior und anterior) leitet die Fasern der Spannungs- und Dehnungssensoren aus Muskeln, Sehnen und Gelenken ins Kleinhirn. Damit ist er vor allem für die Propriozeption verantwortlich. Im Kleinhirn werden die Informationen interpretiert und muskuläre Antwortsignale werden in die Peripherie zurückgeschickt. Eine ständige Korrektur der Haltung und der Bewegungen aufgrund der propriozeptiven Informationen machen einige Aktionen (wie zum Beispiel auf einem Bein stehen) erst möglich.

Der Tractus spinocerebellaris posterior enthält Nervenfasern aus der unteren Körperhälfte. Sie kommen aus dem Hinterhorn des Rückenmarks und verlaufen posterolateral innerhalb der weißen Substanz auf der ipsilateralen Rückenmarksseite nach kranial. Sie ziehen über den Pedunculus cerebellaris inferior zur Kleinhirnrinde. Das Äquivalent zum Tractus spinocerebellaris posterior für die obere Körperhälfte bilden die Fibrae cuneocerebellares. Zu letzteren gehören die Fibrae arcuatae externae posteriores, die ebenfalls ipsilateral bleiben und sich dem Tractus spinocerebellaris posterior anschließen.

Der Tractus spinocerebellaris anterior dagegen ist etwas komplexer. Der Großteil der zweiten Neurone des Tractus spinocerebellaris anterior kreuzt nach kontralateral und zieht über den Pedunculus cerebellaris superior ins Kleinhirn. Dort kreuzen sie noch einmal und landen schließlich wieder ipsilateral in der Kleinhirnrinde. Die Mehrzahl der Fasern des Tractus spinocerebellaris anterior kreuzt also zweimal in seinem Verlauf.  

Tractus spinotectalis

Damit haben wir die großen aufsteigenden spinalen Leitungsbahnen abgedeckt. Im Folgenden gehen wir noch kurz auf die drei kleinen verbleibenden aufsteigenden Leitungsbahnen ein. Der Tractus spinotectalis (auch als Tractus spinomesencephalicus bekannt) ist für gewisse spinovisuelle Reflexe verantwortlich. Dazu unten (unter Tractus tectospinalis) mehr. Die Fasern des Tractus spinotectalis kreuzen ebenfalls auf die kontralaterale Seite und verlaufen im Vorderstrang nach kranial. Sie enden im Colliculus superior, einem Teil des Tectums im Mittelhirn (Mesencephalon).

Tractus spinoreticularis

Der Tractus spinoreticularis spielt eine Rolle bei der Regulation der Aufmerksamkeit. Seine Fasern verlaufen im lateralen Rückenmark ohne zu kreuzen nach kranial und enden in der Formatio reticularis des Hirnstamms.

Tractus spinoolivaris

Der Tractus spinoolivaris übermittelt propriozeptive und mechanosensorisch-kutane Informationen. Die Fasern des Tractus spinoolivaris kreuzen nach kontralateral und verlaufen im anterolateralen Rückenmark nach kranial. Dort enden sie in den Nuclei olivares inferiores der Medulla oblongata. Von dort aus kreuzen sie erneut, passieren den Pedunculus cerebellaris inferior und enden im ipsilateralen Kleinhirn.

Die aufsteigenden spinalen Leitungsbahnen können echt verwirrend sein. Leider wird in den Prüfungen immer wieder nach ihnen gefragt. Teste daher dein Wissen in einem unserer Quizze!

Absteigende Bahnen

Bisher haben wir uns lediglich die Nervenbahnen angeschaut, die Informationen durch das Rückenmark hinauf ins Gehirn leiten. Selbstverständlich gibt es aber auch Nervenbahnen, die Informationen in entgegengesetzter Richtung übermitteln. Das sind nämlich die absteigenden spinalen Leitungsbahnen. Diese motorischen Leitungsbahnen verlaufen - wie auch die aufsteigenden Bahnen - durch die weiße Substanz des Rückenmarks. Allerdings ziehen sie von ihrem Ursprung im Gehirn durch das Rückenmarks hinab zu den peripheren Zielorganen.

Diese motorischen Leitungsbahnen spielen eine wichtige Rolle bei der willkürlichen und unwillkürlichen Steuerung und Koordination von Bewegungen, Reflexen, der Regulation des Muskeltonus und diversen viszeralen Funktionen.

Der allgemeine Aufbau der absteigenden Bahnen ist dem der aufsteigenden Bahnen sehr ähnlich, nur umgekehrt. Das erste Neuron (1. Motoneuron) verläuft vom Cortex cerebri oder vom Hirnstamm aus das Rückenmark hinab und verschaltet sich dort im Vorderhorn auf das zweite Neuron (2. Motoneuron). Gegebenenfalls liegt da noch ein kurzes Interneuron dazwischen. Das Axon des zweiten Neurons verläuft anschließend aus dem Vorderhorn heraus in den Spinalnerven des jeweiligen Rückenmarksegments. Mit ihm zieht es dann zur glatten Muskulatur und zur Skelettmuskulatur der Zielorgane, um sie zu innervieren.

Zu den absteigenden Bahnen zählen der Tractus corticospinalis, der Tractus corticobulbaris (oder Tractus corticonuclearis), der Tractus reticulospinalis, der Tractus tectospinalis, der Tractus rubrospinalis und der Tractus vestibulospinalis. Der Tractus corticospinalis und der Tractus corticobulbaris bilden den Tractus pyramidalis, die Pyramidenbahn. Die Pyramidenbahn übermittelt ausschließlich willkürliche Motorik. Alle anderen absteigenden Bahnen gehören zum extrapyramidalmotorischen System, das einer unwillkürlichen Kontrolle unterliegt.

Tractus corticospinalis

Der Tractus corticospinalis macht schnelle und zielgerichtete willkürliche Bewegungen möglich. Jede einzelne Bahn des gesamten Tractus corticospinalis hat ihren Ursprung im primär motorischen Cortex (Motorcortex) des Gyrus praecentralis (Brodmann-Areal 4). Von dort aus verläuft das erste Motoneuron zur Medulla oblongata, wo circa 90% von ihnen auf die kontralaterale Seite kreuzen.

Von dort bilden die Fasern den Tractus corticospinalis lateralis. Der Rest kreuzt erst einmal nicht und verläuft als Tractus corticospinalis anterior ipsilateral nach kaudal. Erst auf Segmenthöhe (kurz vor ihrem Austritt aus dem Rückenmark) kreuzen auch sie auf die gegenüberliegende Seite. Der Tractus corticospinalis anterior verläuft im Funiculus anterior, dem Vorderstrang, des Rückenmarks, während der Tractus corticospinalis lateralis durch den Funiculus lateralis, den Seitenstrang, zieht.

Kurz vor Austritt aus dem Rückenmark verschalten sich die ersten (oberen) Motoneurone also das erste Mal mit den zweiten (unteren) Motoneuronen im Vorderhorn. Diese zweiten Motoneurone innervieren schließlich die periphere Muskulatur. Es kommt zu einer willkürlichen Bewegung.

Tractus corticospinalis

Der Tractus corticospinalis wird häufig schlicht als Pyramidenbahn bezeichnet, weil er aufgrund seiner Passage durch die Medulla oblongata vom Cortex her spitz zusammenläuft. Dieser Verlauf ähnelt von außen einer Pyramide.  

Wenn du das erste Mal von den Tractus corticospinales hörst, dann kann das echt verwirrend sein. Lies doch noch einmal den folgenden Artikel an und teste dein Wissen in dem unten aufgeführten Quiz:

Tractus corticobulbaris

Der Tractus corticobulbaris (auch als Tractus corticonuclearis bekannt) reguliert die Aktivität motorischer Hirnnervenkerne. Folglich können über ihn sämtliche motorische (Nervus oculomotorius, Nervus trochlearis, Nervus abducens, Nervus accessorius, Nervus hypoglossus) und Anteile der gemischten Hirnnerven (Nervus trigeminus, Nervus facialis, Nervus glossopharyngeus, Nervus vagus) willkürlich gesteuert werden. Das wiederum heißt schlicht, dass Bewegungen des Kopfes und des Halses sowie die Mimik durch Fasern des Tractus corticobulbaris initiiert und kontrolliert werden.

Der Tractus corticobulbaris verbindet das Gehirn mit der Medulla oblongata, die auch Bulbärhirn genannt wird. Daher der Name. Auch zum Tractus corticobulbaris gehören nur zwei Neurone. Das erste Motoneuron des Tractus corticobulbaris verläuft vom primär motorischen Cortex, vom frontalen Augenfeld oder vom somatosensorischen Cortex zu den Hirnnervenkernen im Hirnstamm. Dort findet dann die Verschaltung auf das zweite Motoneuron statt. Der Tractus corticobulbaris ist ein Teil der Pyramidenbahn.

Tractus reticulospinalis

Es gibt also diverse absteigende spinale Leitungsbahnen, die für die Initiierung einer Bewegung verantwortlich sind. Natürlich müssen solche Bewegungen aber auch danach noch reguliert und kontrolliert werden. Der Tractus reticulospinalis hilft dabei, indem er (antagonistische) Bewegungen und Reflexe verstärkt oder inhibiert, damit die eigentliche Bewegung kontrollierter und zielgerichteter wird. Beispielsweise inhibiert er die Flexoren und verstärkt die Innervation der Extensoren, damit du deine aufrechte Haltung beibehalten kannst.

Die Fasern des Tractus reticulospinalis stammen aus der Formatio reticularis im Hirnstamm. Sie verlaufen ungekreuzt als der mediale Tractus pontoreticulospinalis durch den Funiculus anterior und als lateraler Tractus bulboreticulospinalis durch den Funiculus lateralis des Rückenmarks Richtung kaudal. Auf Segmenthöhe verschalten sich die ersten Motoneurone schließlich wieder mit den zweiten Motoneuronen im Vorderhorn des Rückenmarks und ziehen zu den jeweiligen Zielmuskeln.

Tractus tectospinalis

Dank des Tractus tectospinalis ist es dir möglich, deinen Kopf reflexartig zu einem plötzlich auftauchenden visuellen Stimulus hinzudrehen. Der Ursprung der efferenten Fasern des Tractus tectospinalis liegt im Colliculus superior des Mesencephalons. Von dort aus kreuzen sie auf die kontralaterale Seite und verlaufen hinab als Fasciculus longitudinalis medialis. Sie ziehen also hinab im Funiculus anterior, um sich in den Vorderhörnern der zervikalen Rückenmarkssegmente auf die zweiten Motoneurone zu verschalten.

Tractus rubrospinalis

Hast du dich jemals gefragt, wie bestimmte Bewegungen anatomisch funktionieren können? Wie kannst du zum Beispiel eine Tasse mit der Hand aufnehmen und an den Mund führen? Das kann nur funktionieren, wenn die Extensoren der oberen Extremität gut abgestimmt gehemmt und die Flexoren gleichzeitig aktiviert werden. Bei dieser wichtigen Feinabstimmung kommt der Tractus rubrospinalis ins Spiel.

Die Fasern des Tractus rubrospinalis haben ihren Ursprung im Nucleus ruber, der im Tegmentum mesencephali liegt. Auch sie kreuzen ziemlich bald die Mittellinie nach kontralateral und verlaufen im Funiculus lateralis bis ins zervikale Rückenmark. Dort findet im Vorderhorn des jeweiligen Rückenmarkssegments eine Verschaltung auf diverse Interneurone statt. Diese Interneurone machen es erst möglich, dass manche Motoneurone gehemmt werden, während andere gleichzeitig aktiviert werden. Da der Tractus rubrospinalis aber nur bis ins zervikale Rückenmark projiziert, ist er nur für die Innervation der oberen Extremitäten zuständig.

Tractus vestibulospinalis

Eine weitere wichtige Leitungsbahn für die Balance ist der Tractus vestibulospinalis. In Abhängigkeit von Afferenzen aus den Bogengängen des Innenohrs kann der Tractus vestibulospinalis mit einer Aktivierung der Extensoren und einer Inhibition der Flexoren reagieren. Seine Fasern beginnen ihren Verlauf in den Nuclei vestibulares im Hirnstamm. Auf ipsilateraler Seite ziehen sie im Funiculus anterior des Rückenmarks hinab und verschalten sich im Vorderhorn des jeweiligen Segments.

Auch die absteigenden spinalen Leitungsbahnen scheinen am Anfang kompliziert, nicht wahr?! Neuroanatomie ist eben nicht einfach! Aber mit ein bisschen Übung wirst du merken, dass auch diese Inhalte in dein Gedächtnis verankert werden können. Fang doch mal mit dem folgenden Quiz an.

Intrazerebrale Fasersysteme

Wir haben uns bisher also den wichtigsten spinalen Nervenbahnen gewidmet. Wenn wir uns aber die Nervenbahnen des gesamten zentralen Nervensystems anschauen wollen, dann fehlen uns noch ganz schön viele Leitungsbahnen innerhalb des Gehirns. Alle diese intrazerebralen Nervenbahnen zu besprechen, würde den Rahmen dieser Seite sprengen.

Aus diesem Grund haben wir zwei der bekanntesten und wichtigsten Fasersysteme für dich herausgesucht: das limbische System und die Basalganglien. Im Folgenden werden wir dir eine kurze Einführung in diese beiden komplexen neuroanatomischen Strukturen geben.  

Limbisches System

Limbus ist Latein und bedeutet Saum. Das limbische System wird deshalb so genannt, weil es an der Grenze zwischen Cortex cerebri und Hypothalamus quasi wie ein Saum liegt. Das limbische System steuert Gefühle und Verhalten wie zum Beispiel Hunger, Sättigung, sexuelle Erregung oder auch das Gedächtnis. Da sich das limbische System genau zwischen dem Cortex und den subcorticalen Strukturen befindet, können seine Bestandteile jeweils einem der beiden Bereiche zugeteilt werden:

  • Corticale Bestandteile: Orbitofrontaler Cortex, Hippocampus, Insula, Gyrus cinguli und der Gyrus parahippocampalis
  • Subcorticale Bestandteile: Amygdala, Bulbus olfactorius, Hypothalamus, Nuclei anteriores thalami und die Nuclei septales.

Damit das limbische System als System funktionieren kann, müssen seine Bestandteile in ständigem Austausch miteinander stehen. Dafür gibt es einige intrazerebrale Nervenbahnen, die all die Strukturen des limbischen Systems miteinander verbinden: Alveus, Fimbria hippocampi, Fornix, Fasciculus mammillothalamicus und die Stria terminalis.

Basalganglien

Die Basalganglien, die man auch Nuclei basales oder Stammganglien nennt, sind Kerngebiete (Gebiete aus grauer Substanz) in der weißen Substanz unterhalb der Großhirnhemisphären. Es gibt vier Hauptganglien:

  • den Nucleus caudatus,
  • den Nucleus lentiformis (Putamen und Globus pallidus),
  • das Corpus amygdaloideum (Amygdala) und
  • das Claustrum.

Der Nucleus lentiformis und der Nucleus caudatus kann als Corpus striatum zusammengefasst werden.

Basalganglien

Auch die Basalganglien benötigen eine Vielzahl von Leitungsbahnen, die alle ihre Strukturen miteinander verbinden. Nur so können sie fehlerfrei funktionieren. Input erhalten der Nucleus caudatus und das Putamen direkt vom Cortex cerebri, vom Thalamus, Subthalamus und von der Substantia nigra. Von dort aus werden die Informationen auf direkten und indirekten Wegen an den globus pallidus weitergeleitet.

Jeglicher Output muss durch den Globus pallidus, der die Signale integriert und analysiert und wieder zurück zu einer der höheren Strukturen sendet. Vom Globus pallidus gehen die Informationen also über den Thalamus oder diverse andere subcorticale Strukturen wieder zurück zum Cortex. Diesen Verlauf nennt man auch die Basalganglienschleife. Diese Schleife aus Leitungsbahnen zwischen den Basalganglien moduliert und kontrolliert komplexe Handlungsmuster. Ist sie gestört, kommt es vor allem zu motorisch auffälligen klinischen Zeichen.

Bist du neugierig geworden? Willst du mehr zu den Basalganglien herauszufinden? Dann haben wir unter den folgenden Links noch einiges an ergänzendem Material für dich. Schau doch mal rein!

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Quellen anzeigen

Text, Übersetzung, Review, Upload:

  • Adrian Rad
  • Marc Mißmahl
  • Claudia Bednarek
  • Marie Hohensee

Illustration:

  • Rückenmark - Übersicht - Begoña Rodriguez
  •  - Paul Kim
  • Tractus corticospinalis - Paul Kim
  • Basalganglien - Paul Kim
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