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”Ich kann ernsthaft behaupten, dass Kenhub meine Lernzeit halbiert hat.” – Mehr lesen. Kim Bengochea Kim Bengochea, Regis University, Denver

Wie man Anatomie mithilfe eines Erinnerungspalastes lernt

“Die Gewölbe des Appledore Hauses sind mein Erinnerungspalast. Es geht nur um Wissen, Wissen ist alles. Wissen ist Besitzen.” Charles Augustus Magnussen

Dies waren die Worte von Sherlock Holmes Erzfeind Magnussen, während er in einem schwarzen Stuhl in einem großen, leeren Raum saß. Er lockte Sherlock zu diesem Ort, um ihm seine Geheimwaffe zu zeigen: Seine Bibliothek des Wissens. Doch statt Regalen voll mit alten und staubigen Büchern, enthüllte Magnussen, dass sich alles Wissen in seinem Kopf befände.

Das war seine Waffe, sein Erinnerungspalast.

Ein Erinnerungs- oder Gedankenpalast ist eine wirkungsvolle Methode, um sich Dinge zu merken. Dabei wird visuelle Vorstellungskraft mit dem räumlichen Gedächtnis kombiniert. Häufig findet man diese Technik auch unter dem Namen Loci-Methode und schon die Römer und Griechen bedienten sich dieser Lerntechnik.

Dieser Artikel wird dir erklären, warum du dir ebenfalls einen Erinnerungspalast erschaffen solltest, wie du dabei vorgehen musst und auf welche Schwierigkeiten du treffen könntest. Kurz gesagt, wir erklären dir, wie du dein eigenes Schloss aus anatomischem Wissen erschaffst.

Was ist ein Erinnerungspalast?

Ein Erinnerungspalast ist, wie der Name schon sagt, ein geistiger Raum oder Ort, den du sehr gut kennst und in dem eine große Menge Wissen aufbewahrt wird. Das Besondere dabei ist, dass die Informationen nicht wie flüchtige Gedankenströme herum schwirren, die du nicht konkret fassen kannst, sondern sind ganz gezielt an bestimmte Objekte oder Besonderheiten des Raumes gebunden.

"Palace of Versailles"

Die potenzielle Größe oder Anzahl deiner Paläste ist unbegrenzt. Warum? Weil nur deine Vorstellungskraft eine Grenze setzt und wie du weißt, hat die Vorstellung keine Grenzen. Dein Palast kann sich auf einen ganz realen Ort beziehen oder ein Bauwerk deiner Gedanken sein. Wichtig ist nur, dass du dich darin auskennst wie in deiner Westentasche.

Die zwei Prinzipien, die hinter der Erschaffung eines Gedankenpalastes stehen, sind Visualisierung und das räumliches Gedächtnis. Visualisierung, auch bildliche Vorstellung genannt, meint das Sehen von Objekten, Szenen oder Ereignissen vor deinem inneren Auge. Diese Spiegelbilder können sensorische Informationen hervorrufen, ohne dass ein direkter oder damit verbundener externer Stimulus vorhanden sein muss. Grob gesagt geht es darum, etwas vor deinem geistigen Auge zu sehen.

Das räumliche Gedächtnis beschreibt wiederum unsere Fähigkeit, uns in der Umwelt zurechtzufinden, indem wir uns bekannte Orte einprägen. Diese beiden Prinzipien bilden ein perfektes Paar, denn jedes trägt ihren Teil dazu bei, einen Erinnerungspalast zu erschaffen.

Wie gut sie zusammen funktionieren, merkst du, wenn du deinen Schlüssel verloren hast und geistig noch einmal nachverfolgst, wo du ihn zuletzt gesehen hast. Auch bei Ratten, die zielsicher auf der Suche nach Futter oder Schutz durch ein Labyrinth laufen, sind beide Systeme aktiv.

Warum du einen Palast erschaffen solltest?

Wenn du dir die lange Liste anatomischer Fachbegriffe ansiehst, wird deine intuitive Strategie wahrscheinlich sein, dir irgendwelche Merkhilfen oder Eselsbrücken auszudenken. Das hilft auf jeden Fall schon mal weiter!

Aber geht es nicht noch besser?

Eselsbrücken muss man ständig wiederholen. Mit einem Erinnerungspalast bringst du dein Lernen auf eine höhere Stufe, besonders wenn ihr im Unterricht nach Regionen lernt. In der folgenden Liste findest du viele zusätzliche und nützliche Besonderheiten eines solchen Palastes:

1. Vorteil: Erinnerungspaläste eignen sich perfekt für anatomisches Wissen.

Bei Anatomie geht es darum, viel Information irgendwie in den Kopf zu bekommen. All die Äste von Arterien und Nerven, sämtliche Abzweigungen und Details von Muskeln erfordern minimales Verständnis, aber maximale Merkfähigkeit. Außerdem müssen viele Details in einer bestimmten Reihenfolge gelernt werden. Zum Glück passen Erinnerungspaläste perfekt zu dieser Art des Lernens. Deshalb werden sie dir sicher weiterhelfen.

2. Vorteil: Erinnerungspaläste funktionieren.

Eine Vielzahl von Studien hat die Wirksamkeit der Loci-Methode bereits bewiesen. Mindestens 85% der Studienteilnehmer empfanden die Technik als sehr hilfreich und gaben an, sie zukünftig weiter verwenden zu wollen. Die gelernten Inhalte waren gegenüber Eselsbrücken und reiner Wiederholung deutlich länger gespeichert.

3. Vorteil: Lernen mit Erinnerungspalästen hat etwas Meditatives.

Kein Zweifel, Anatomielernen ist sehr stressig. Dabei klammern wir Prüfungsangst und die allgemeinen psychischen Belastungen des Alltags sogar aus. Aber überraschenderweise können Erinnerungspaläste auch bei solchen Problemen helfen.

In Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten mit Depressionen besser mit ihrer Krankheit umgehen können, indem sie einen Palast der Gefühle bauen. Anstatt anatomisches Wissen einzufügen, verwendeten die Probanden zum Beispiel glückliche Erinnerungen, positive Gefühle und angenehme Gedanken, die sie zum Lächeln brachten. Es ist daher auch möglich, einen solchen Palast zu bauen, um zu entspannen und die eigene Stimmung zu verbessern. Die perfekte Methode, um das Bibbern vor den Prüfungen loszuwerden.

4. Vorteil: Erinnerungspaläste sind unendlich kreativ.

Du musst deinen Palast nicht notwendigerweise auf einen real existierenden Ort beziehen. Er kann sich ganz aus deiner Vorstellung heraus entwickeln, solange du ihn in- und auswendig kennst. Deshalb lass deinen Gedanken freien Lauf und gestalte ihn, wie du möchtest, insbesondere die Bilder und Assoziationen darin. Je lustiger sie sind, umso leichter wirst du dich an sie erinnern.

5. Vorteil: Das Lernen mit Erinnerungspalästen ist einfach und macht Spaß!

"Navigating your mind palace"

Wie kannst du deinen Palast bauen?

Um die ganzen täglichen Ablenkungen und ständige geforderte Aufmerksamkeit zu meistern, muss dein Erinnerungspalast auf einem starken Fundament stehen und ein glasklares Design haben. Du darfst dich darin nicht verlaufen, insbesondere nicht in den wenigen Stunden deiner Anatomieprüfung. Hier sind einige Schritte, die du befolgen solltest, um ein Meisterstück zu erschaffen, das es sogar mit Versailles aufnehmen kann:

Schritt 1: Mach dir eine Liste von allen Dingen, die du lernen musst. Zum Beispiel könnte dein Auftrag für heute sein, den Kenhub Artikel über die Arteria axillaris und deren Äste zu lernen.

Schritt 2: Denke an einen dir gut bekannten Ort, den du selbst im Schlaf noch beschreiben könntest, zum Beispiel dein Schlafzimmer. Verbringe ein paar Minuten darin und nimm jeden Aspekt in seinem ganzen Detailreichtum wahr. Such dir eine Richtung aus, zum Beispiel im Uhrzeigersinn, und führe dir jedes Objekt vor dein inneres Auge, das dir begegnet, während du dich so durch den Raum bewegst. Konzentriere dich dabei auf die Details wie Farben, Design, Größe, Beschaffenheit, Geruch oder Gefühle, die du damit verbindest. Wenn du keine Orte mehr zur Verfügung hast, erfinde einen neuen und lerne ihn gut kennen.
"Bedroom"

Schritt 3: Bei diesem Schritt dreht sich alles um Visualisierung. Nimm die Objekte auf deiner Liste und versuche aus jedem ein Bild zu machen. Viele Wörter in der Anatomie sind sehr abstrakt, deshalb benötigst du wahrscheinlich etwas Zeit und Übung. In diesem Fall könntest du dir zum Beispiel die Arteria thoracis superior, also den ersten Ast auf deiner Liste, als einen fliegenden Brustkorb im Superman-Kostüm vorstellen. Oder du stellst dir den Marvel Charakter Thor vor, wie er eine große Schüssel Suppe trinkt.

Entwickle so außergewöhnliche und komische Bilder wie möglich, dann wirst du sie auch unter Stress nicht vergessen! Gute Dozenten wissen um die Kraft von Bildern und Assoziationen. Wenn du also eine lustige Geschichte oder einen Vergleich in der Vorlesung hörst, sei dankbar dafür - dein Dozent weiß wie es läuft.
 

"Thor and Superman"

Schritt 4: Nun bist du soweit, dass du deine Bilder mit dem Raum in deiner Vorstellung kombinieren kannst. Denk also nun wieder an deinen ausgewählten Ort und ruf dir das erste Stück, das du siehst mit allen dazugehörigen Details vor dein inneres Auge. Nehmen wir mal an, das ist die Zimmertür deines Schlafzimmers. Nun musst du gedanklich das Bild für die Arteria thoracis superior mit der Zimmertür verbinden.

Du könntest dir zum Beispiel vorstellen, der Brustkorb im Supermankostüm wäre der Türgriff, der völlig durchgedreht durch den Raum fliegt und für dich nicht zu erreichen ist. Eine andere Option wäre, dass der Suppe trinkende Thor die Tür blockiert und du unter ihm durchkriechen musst, um hineinzukommen.

Nun kannst du einfach so fortfahren: nimm das nächste Objekt auf deiner Liste und kombiniere es mit dem, was du in deinem Schlafzimmer siehst. Mach so lange im Uhrzeigersinn weiter, bis du am Ende ankommst.

Schritt 5: Wiederhole alles, indem du regelmäßig deinen Erinnerungspalast besuchst. Gerade am Anfang solltest du wirklich darauf achten, kontinuierlich durch deine Räume zu gehen. Wichtig dabei ist vor allem, immer die gleichen Schritte zu nehmen, sich die gleichen Dinge anzusehen und in die gleiche Richtung zu laufen. Nach einer Weile werden sich die Dinge so tief in dein Gedächtnis eingraben, dass du die Informationen vorwärts, rückwärts und hoch und runter aufsagen kannst.

Auch wenn es endlose Möglichkeiten gibt (Zimmer, Häuser, Schulen, Reisen, Städte, Objekte…), könnten dir irgendwann die Orte oder Ideen ausgehen. Was tun?

Natürlich ist es keine Option aufzugeben. Stattdessen kannst du anfangen, verschachtelter zu arbeiten. Das ist etwa so, als ob du ein bestimmtes Objekt in deinem gewählten Raum fokussierst. Nehmen wir mal an, dein Erinnerungspalast ist dein liebstes Kunstmuseum mit fünfzig ausgestellten Bildern darin.

Dann fokussiere dich auf die Details und Dinge, die in jedem Bild dargestellt sind. Nun hast du die Objekte, mit denen du etwas assoziieren kannst, von 50 auf bestimmt 100 oder 1000 erhöht. Du kannst auch einen großen Raum in immer kleinere und detailliertere unterteilen, sodass du aus einer einzigen Idee ganz viele Paläste erschaffen kannst.

Mögliche Schwierigkeiten

Auch wenn ein Palast, voll mit anatomischem Wissen, eine super Sache ist, solltest du dir die Vor- und Nachteile dieser Methode bewusst machen. Leider ist nichts auf der Welt perfekt, und auch wenn du denkst, dein Palast wäre maßgeschneidert, hat er bestimmt einige kritische Stellen.

"Stress"

Hier sind einige Aspekte, die du bei dieser Lernstrategie berücksichtigen solltest:

Problem 1: Du könntest dich verirren.

Was passiert, wenn deine Kreativität mit dir durchgeht? Genau, du wirst dich in Details verlieren und verwirrt sein. Und was, wenn du zu unkreativ bist? Du hast es wahrscheinlich schon vermutet, dann wirst du die Lerninhalte nicht voneinander unterscheiden können, weil sie ziemlich ähnlich und ausdruckslos sind.

Keine dieser Situationen bringt dich weiter. Bedenke daher, diese Lernstrategie funktioniert nicht in Extremen, deshalb braucht es etwas Übung, bis du die richtige Balance gefunden hast.
 
Problem 2: Die Methode kostet Zeit.

Die ganzen Bilder und Verknüpfungen machen wirklich Spaß, aber es braucht einige Zeit bis man sie entwickelt hat. Besonders am Anfang! Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister!

Problem 3: Der Palast ist nur ein Speichermedium.

Der größte Vorteil des Erinnerungspalastes ist zugleich sein größter Nachteil. Um Dinge aufzubewahren ist diese Methode perfekt. Unglücklicherweise geht es dann nicht weiter. Erklärungen, Analysen oder Erweiterungen von Ideen finden in diesem Konstrukt keinen Platz. Aber hey, ist es nicht besser eine Methode zu haben, die sich brillant für eine Sache eignet, als mehrere durchschnittliche?

Du siehst, der Herrscher über einen  Erinnerungspalast zu sein hat Vor- und Nachteile. Um dein Schloss sicher zu bauen, solltest du den genannten Schritten folgen, das wird einige Zeit dauern und Übung kosten. Aber auch Rom wurde schließlich nicht an einem Tag erbaut und trotzdem zur mächtigsten Stadt der Welt! Auch dein Palast hat großes Potenzial, also scheue dich nicht davor, diese Technik auszuprobieren. Der Kenhub Online Trainer wird sich wundern, wie schnell du vorankommst!

Das Wichtigste in Kürze

Schritt 1: Erstelle eine Liste mit allen Begriffen, die du lernen musst.

Schritt 2: Denke an einen dir wohlbekannten Ort. Wenn du keine Ideen hast, kreiere einen Ort. Verbringe dort ein paar Minuten und ruf dir alle Details des Ortes so genau wie möglich vor Augen. Denke an die Farben, Designs, Größe, Beschaffenheit, Gerüche oder Emotionen, die du mit den Dingen dort verbindest.

Schritt 3: Nimm alle Begriffe von deiner Liste, die du lernen musst und entwirf ein Bild zu jedem. Sorg dafür, dass die Bilder so ausgefallen und komisch wie möglich sind.

Schritt 4: Erinnere dich wieder an deinen Ort und visualisiere das erste Objekt mit allen dazugehörigen Details. Jetzt musst du dieses irgendwie mit dem Bild verbinden, das den anatomischen Begriff repräsentiert.

Schritt 5: Wiederhole alles, indem du regelmäßig durch deinen Erinnerungspalast spazierst.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • J. Pearson et al.: Mental Imagery: Functional Mechanisms and Clinical Applications. Trends in Cognitive Sciences, 2015. 19(10): S. 590-602.
  • T. Dalgleish et al.: Method-of-Loci as a Mnemonic Device to Facilitate Access to Self-Affirming Personal Memories for Individuals With Depression. Clinical Psychological Science, 2013. 1(2): S. 156-162.
  • A. Qureshi et al.: The method of loci as a mnemonic device to facilitate learning in endocrinology leads to improvement in student performance as measured by assessments. Advances in Physiology Education, 2014. 38(2): S. 140-144.
  • Gavino’s Massive Memory Palace System, accessed 04/08/2016

Text, Übersetzung, Review, Layout:

  • Adrian Rad
  • Tanja Schäfer
  • Franchesca Druggan
  • Charlotte Barthe

Illustration:

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