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Head-Zonen

Als Head-Zonen werden die nach Henry Head bezeichneten Areale kutaner Hyperalgesie bezeichnet, die bei Erkrankungen der inneren Organe im Rahmen der Schmerzübertragung durch klinische Untersuchung identifiziert werden können.

Klinisch-historischer Hintergrund

Henry Head arbeitete gegen Endes des 19. Jahrhunderts als Wissenschaftler in verschiedenen Ländern Europas. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit hyperalgetischen Hautzonen bei verschiedenen Erkrankungen der inneren Organe. 

Im Zuge seiner Untersuchungen ging er wie folgend vor:
Er untersuchte Patienten, die an einer Erkrankung der inneren Organe litten mit einer Stecknadel. Dabei strich er mit dem Stecknadelkopf über die Haut und ließ sich berichten, wo dieser Reiz als schmerzhaft empfunden wurde. Auf Grundlage dieser Befunde erstellte er topographische Karten, worin bestimmten Organerkrankungen charakteristische Zonen kutaner Hyperalgesie zugeordnet sind – die eigentlichen Head-Zonen

Innerhalb der Hyperalgesiezonen fand er kleine Areale, deren Schmerzhaftigkeit von den Patienten am stärksten empfunden wurde. Diese Bereiche werden als Maximalpunkte bezeichnet.

Definitionen
Maximalpunkte Maximalpunkte sind vergleichsweise kleine Areale, zumeist in der Mitte einer Head-Zone gelegen. Head beobachtete, dass Maximalpunkte mit jenen Punkten korrespondieren, an denen bei Herpes zoster die erste Bläschenbildung zu sehen ist. 
Head-Zone Zuordnung bestimmter Organerkrankungen zu charakteristischen Zonen kutaner Hyperalgesie.

Historischer Fehler

1883 erschien ein von Sir Frederick Treves verfasstes Werk mit dem Titel "Surgical Applied Anatomy" (Treves 1883). Als Treves an der vierten Auflage arbeitete, entschied er sich, ein kurzes Kapitel über viszeralen Schmerz und dessen Übertragung hinzuzufügen. Treves und Head arbeiteten zu diesem Zeitpunkt beide am London Hospital. 

1914 erschien die erste Auflage in deutscher Sprache. Sie wurde an die deutsche Leserschaft angepasst und neu illustriert. Die darin enthaltene und von Otto Kleinschmidt erstellte Abbildung "Ausbreitung der Interkostalnerven und Beziehungen derselben zu den inneren Organen" ähnelt praktisch sehr stark den Abbildungen, die heute in den Lehrbüchern unter dem Begriff „Head-Zonen“ zu finden sind. 

1913 erschien die sechste englische Auflage von Treves Werk. Sie enthielt eine Darstellung, welche eine frappierende Ähnlichkeit mit Kleinschmidts Abbildung (bzw. umgekehrt) besitzt. Sie ist beschrieben mit „[...] according to the observations of Dr. James Mackenzie [...]“. Der Zeichner, der diese Abbildung anfertigte, ist unbekannt.

Historische Eckdaten zur Entstehung der Head-Zonen
Ende 19. Jhd. Henry Head beschrieb die Head-Zonen, bei denen er bestimmte Organerkrankungen charakteristischen Zonen kutaner Hyperalgesie zuordnete
1883 SIr Frederick Treves veröffentliche "Surgical Applied Anatomy". MIt der vierten Auflage wurde ein Kapietel zum Thema viszeraler Schmerz und seine Übertragung integriert. 
1913 Erscheinung der sechsten Auflage von "Surgical Applied Anatomy" mit einer Darstellung der Head-Zonen, die nach Ihrer Beschreibung aufgrund der Beobachtungen von Dr. James Mackenzie entstanden ist. Der Zeichner ist jedoch unbekannt.
1914 Veröffentlichung der ersten deutschen Auflage von "Surgica Applied Anatomy" mit einer Abbildung von Otto Kleinschmidt, die den Darstellungen der Head-Zonen in heutigen Lehrbüchern entspricht. Sie ähnelt sehr der Darstellung aus dem Werk von 1913.

Ein Bildvergleich führt also zu dem Ergebnis, dass die heute als Head-Zonen bezeichneten Darstellungen auf Otto Kleinschmidt zurückgehen, der wiederum eine Zeichenvorlage verwandte, deren Inhalt James Mackenzie zugeschrieben wird. 

Ungeklärt ist, wie der Zeichner, der für Treves' 6. Auflage seine Abbildung anfertigte, zu dieser kam. Weder Head, noch Mackenzie, haben jemals eine 1 Segment-1 Organ-Zuordnung postuliert. Aus historischer Sicht ist unklar, ab welchem Zeitpunkt begonnen wurde die Abbildung Kleinschmidts als Darstellung der Head-Zonen zu bezeichnen.

Die fälschliche Bezeichnung der Abbildung nach Kleinschmidt als „Head-Zonen“ führt dazu, dass die tatsächlichen Erkenntnisse von Head und Mackenzie Generationen von Studenten, die mit diesen Darstellungen gelernt haben, unbekannt sind.

Sie erwecken den Eindruck, der vom Patienten beschriebene Spontanschmerz bzw. der im Rahmen der Palpation gewonnene Schmerzbefund wäre eindeutig einem Organ zuzuordnen. Zwar gibt es klinische Häufigkeiten, sodass in einem großen Teil der Fälle die Zuordnung zutreffend ist. Jedoch ist die Grundlage dieser Häufigkeiten keine eindeutige oder gar eineindeutige Zuordnung auf Grund einer vermeintlichen 1 Segment-1 Organ-Zuordnung, sondern klinische Erfahrung. Patienten, bei denen nicht der häufige Fall vorliegt, werden damit gegebenenfalls falsch diagnostiziert und womöglich falsch behandelt.

Dermatome und Head-Zonen

Head-Zonen sind nicht mit Dermatomen zu verwechseln. Erstere stellen Hautareale dar, die hyperalgetisch sind, was zur Pathophysiologie der Schmerzübertragung gehört, während Dermatome die zu einem Spinalnervensegment gehörigen Hautabschnitte darstellen.

Das Verteilungsmuster von Head-Zonen richtet sich nicht nach Dermatomgrenzen. Hyperalgetische Hautareale füllen praktisch nie ein Dermatom oder mehrere Dermatome vollständig aus. Vielmehr finden sich bei Erkrankungen der inneren Organe bevorzugte Manifestationsorte, die nahezu immer eher rundlich oder oval sind. 
Die fälschliche Darstellung der Head-Zonen (Abbildung nach Kleinschmidt) verwechselt zum Teil Dermatome mit Head-Zonen.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • Rheinländer, A. (2017). Das Head in Head-Zonen. Würzburg: Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für die Geschichte der Nervenheilkunde, S. 303-313.

Text, Review & Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Marie Hohensee
  • Nicole Gonzalez
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