Primär maligne Tumoren des Knochens sind seltene Erkrankungen. Unter den Knochentumoren ist das Osteosarkom mit einem Anteil von 20-40% die am häufigsten auftretende Neoplasie. Mehr als die Hälfte der Patienten sind bei Diagnosestellung unter 25 Jahren alt.

Lokalisationen des Osteosarkoms können unterschiedlich sein. Am häufigsten kommt das Osteosarkom an den langen Röhrenknochen, zum Beispiel am distalen Femur und der proximalen Tibia, vor. Es können jedoch auch andere Knochen wie Becken oder Wirbelsäule betroffen sein.

Die Symptome dieses bösartigen Tumors sind vielfältig und unspezifisch. Oft treten nach langer Zeit Schmerzen und Schwellungen an der betroffenen Stelle auf. Häufig entstehen auch sog. „pathologische Frakturen“ dort wo der Tumor Knochengewebe zerstört hat. Knochenbrüche nach einem Bagatelltrauma sollten den Arzt bei der Anamnese alarmieren, denn sie können immer auf eine maligne Destruktion des Knochens hinweisen.

Diagnostisch kommen mehrere klinische Disziplinen zum Einsatz. Radiologisch wird mittels Röntgen, CT und/oder MRT eine Ausdehnung des Tumors auf den Knochen und umliegenden Weichteile beurteilt. Im konventionellen Röntgenbild kann die Beurteilung der Läsion teilweise schwierig sein. Es sind zum Teil osteoblastische und osteolytische Destruktionen erkennbar. Eine Zerstörung der Kortikalis mit Abhebung des Periosts kann im Röntgenbild als eine dreieckige Formation interpretiert werden (sog. „Codman-Triangle“).
Laborchemisch ist in vielen Fällen noch eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase auffällig und die Blutsenkungsgeschwindigkeit kann als unspezifischer Entzündungsparameter erhöht sein.
Weiterhin sollte eine Knochenszintigraphie zum Ausschluss von Metastasen durchgeführt werden. Oft wird auch eine Computertomographie der Lunge durchgeführt, um sicher zu gehen, dass sich noch keine Metastasen gebildet haben. Zur operativen Planung kann es zudem auch notwendig sein, eine Angiographie zur Darstellung der Gefäße des Tumor und der Umgebung durchzuführen.

Zur Behandlung des Osteosarkoms existieren standardisierte Behandlungsschemata. In der Regel wird mit einer Biopsie der Neoplasie begonnen. Nachdem der Pathologe die Biopsie befundet und als Osteosarkom eingestuft hat beginnt die Behandlung mit einer sog. neoadjuvanten Chemotherapie. Diese Form der Chemotherapie wird genutzt, um vor der eigentlichen Operation bzw. Entfernung des Tumors, eine Reduktion der Tumorgröße zu erreichen.

Die Resektion des Tumors läuft unterschiedlich ab. Je nachdem an welcher Stelle des Knochens der Tumor genau sitzt, kommen verschiedene Rekonstruktionsverfahren zum Einsatz. Der Tumor wird bei der Operation „en bloc“ mit ausreichendem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt. Als Rekonstruktionsmöglichkeiten stehen dem Chirurgen zum einen biologische, zum anderen endoprothetische Versorgungsvarianten zur Verfügung. Eigener Knochen (z.B. Fibula) kann dem Patienten gefäßgestielt an den Ort der Resektion transplantiert und mittels Platten- und Schraubenosteosynthese verankert werden.

Bei größeren Defekten, wo eine Versorgung mit eigenem Knochen nicht möglich ist, bietet sich der endoprothetische Ersatz an. Hierbei werden spezielle Tumorendoprothesen verwendet, die den biologischen Knochen ersetzen und außerdem eine hohe Festigkeit bieten. Prinzipiell ist es sogar möglich einen kompletten Ersatz des Femurs mit einer Tumorendoprothese durchzuführen.

Weitere Verfahren wie Umkehrplastiken oder sogar die Amputation der Extremität werden in der heutigen Zeit, dank der modernen Tumorprothesen immer seltener.

Unter günstigen Bedingungen wird heutzutage eine 5-Jahres-Überlebensrate von ca. 70% erreicht. Metastasen in der Lunge verschlechtern die Prognose jedoch bedeutend.

 

Quellen:

  • Wülker N.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme Verlag Stuttgart (2005), S.458-461
  • Issels R.: Manual Knochentumoren und Weichteilsarkome, W. Zuckschwerdt Verlag München (2004), S. 80-85
  • Ficklscherer S.: Basics Orthopädie und Traumatologie, Elsevier Verlag München (2005), S. 108-109
  • Rössler H., Rüther W.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Elsevier Verlag München (2005), S. 121-122

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