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Femur (Oberschenkelknochen)

Inhalt

Einführung

Das Femur (Oberschenkelknochen, Os femoris) ist der längste und kräftigste Röhrenknochen im menschlichen Körper und beeinflusst die individuelle Körpergröße am meisten. Es gliedert sich in einen Kopf, Hals, Schaft und verschiedenen Gelenkknorren. Es überträgt die Kraft des Beckens über das Hüftgelenk auf die Tibia über das Kniegelenk. Außerdem dient es zahlreichen Muskeln und Bändern als Ursprung- und Ansatzpunkt.

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Aufbau

Der Femurkopf (Caput femoris) ist mit hyalinem Knorpel überzogen und artikuliert mit dem Acetabulum. Im Caput findet sich eine kleine grubenartige Vertiefung, die Fovea capitis femoris. Dort ist das Lig. capitis femoris fixiert, welches das kleine Gefäß R. acetabularis der A. obturatoria enthält. Es ist an der Blutversorgung des Knochens in der Wachstumsphase beteiligt und daher von besonderer Bedeutung. Im Alter bildet sich das Gefäß oftmals zurück und verliert an Bedeutung.

Distal an das Caput femoris schließt sich der Oberschenkelhals (Collum femoris) an. An der Grenze zwischen Collum und Corpus femoris befinden sich die zwei sogenannten Rollhügel, Trochanter major und minor. Es handelt sich dabei um Apophysen. Der Trochanter major dient als Orientierungshilfe für intragluteale Injektionen.

Das Collum femoris und die Femurachse stehen in einem bestimmten Winkelverhältnis zueinander. Der Kollumidiaphysenwinkel (auch Centrum-Collum-Diaphysenwinkel = CCD-Winkel genannt) beträgt beim gesunden Neugeborenen 140°, beim gesunden Heranwachsenenden 133° und beim gesundenen Erwachsenen 127°. Im Alter nimmt der CCD ab und beträgt nur noch etwa 120°. Veränderungen des CCD-Winkels können Schäden im Hüftgelenk verursachen. Bei solch einer Fehlstellung spricht man von einer Cox vara (CCD< 120°) oder einer Cox valga (CCD> 135°). Der Antetorsionswinkel beschreibt die Verdrehung des Oberschenkelhalses um die Kondylenachse. Bei Neugeborenen beträgt er etwa 35°, bei Erwachsenen 12°.

Der Corpus femoris ist langgezogen und auf seiner Vorderseite glatt. Auf seiner Rückseite wird er durch die Linea aspera verstärkt. Sie besteht aus einem Labium mediale und laterale, die beide Ursprung und Ansatz für zahlreiche Muskeln darstellen. Zwischen dem Trochanter minor und der Linea aspera verläuft die schmale Linea pectinea, die dem gleichnamigen Muskel als Ansatz dient.

Distal verbreitet der Femur sich in je einen Condylus medialis und lateralis. Den beiden Kondylen ist jeweils eine Erhebung aufgesetzt, der Epicondylus medialis und lateralis, an welchen die Kollateralbänder des Kniegelenks befestigt sind. Dorsal werden die Kondylen von der Fossa intercondylaris voneinander getrennt. Ventral befindet sich eine Gelenkfläche, deren mittlerer Bereich als Facies patellaris bezeichnet wird.

Gelenkbeteiligung und Bänder

Von den beiden Unterschenkelknochen steht nur die Tibia mit dem Femur gelenkig in Verbindung. Das Kniegelenk (Articulatio genu) ist das größte Gelenk im menschlichen Körper. Es handelt sich um ein zusammengesetztes Gelenk aus dem Femorotibial- und Femoropatellargelenk. Beide Gelenke liegen in einer gemeinsamen Gelenkhöhle und teilen sich eine Gelenkkapsel . Das Lig. patellae ist die Fortsetzung der Sehne des M. quadriceps femoris und setzt an der Tuberositas tibiae an. In die Sehne eingebettet ist die Kniescheibe (Patella), die als das größte Sesambein des menschlichen Körpers gilt. Das Lig. collaterale tibiale zieht vom Epicondylus medialis zur Tibia und ist sowohl mit der Kniegelenkskapsel als auch mit dem Meniscus medialis fest verwachsen, das Lig. collaterale fibulare entspringt vom Epicondylus lateralis und setzt am Caput fibulae an.

Zwei weitere sehr wichtige Bänder des Kniegelenks sind die Kreuzbänder. Das Lig. cruciatum anterius zieht von der Area in tercondylaris anterius zur Innenfläche des Condylus lateralis femoris. Das Lig. cruciatum posterius ist das stärkere der beiden Kreuzbänder und zieht von der lateralen Fläche des Condylus medialis femoris zur Area intercondylaris posterior.

Als Variation können vom lateralen Meniskus des Kniegelenks ein oder in sehr seltenen Fällen auch zwei Bänder entspringen, die zum medialen Femurkondylus ziehen: das Lig. meniscofemorale anterius und posterius.

Im Hüftgelenk (Articulatio coxae) sind der Femurkopf und das Acetabulum (Gelenkpfanne) einschließlich Facies lunata und Lig. transversum acetabuli miteinander verbunden. Einzig die knorpelbedeckte Facies lunata artikuliert mit dem Caput ossis femoris. Es handelt sich beim Hüftgelenk um ein in seiner Funktion eingeschränktes Kugelgelenk (Nussgelenk). Die Kapsel des Hüftgelenks reicht über den Oberschenkelhals und ist durch drei Bänder verstärkt, die von den drei Anteilen des Hüftbeins (Os coxae) zum Femur ziehen: Lig. iliofemorale , Lig. ischiofemorale und Lig. pubofemorale, wobei das erstgenannte mit einer Zugfestigkeit von etwa 350kg das stärkste Band im menschlichen Körper ist. Da diese drei Bänder schraubenförmig um den Oberschenkelhals verlaufen, werden sie in ihrer Gesamtheit als Bänderschraube bezeichnet. Einzeln bei bestimmten Bewegungen angespannt hemmen die Bänder jeweils eine Bewegung. Zusammen hemmen sie die Retroversion, da sich bei gleichzeitiger Anspannung aller drei Bänder die Schraube zuzieht. Im Gegensatz dazu lockert sich die Bänderschraube bei der Anteversion, wodurch diese Bewegung am weitesten ausführbar ist.

Bemerkenswert ist die Stellung des Oberschenkelknochens beim aufrechten Gang. Er steht im Standbein schief und ist somit einer enormen Biegespannung ausgesetzt, wodurch er zu brechen droht. Durch Zuggurtung auf den Schaft wird dies verhindert. Daran beteiligt sind der Tractus iliotibialis, der eine Verstärkung der Oberschenkelfaszie (Fascia lata) darstellt , und der M. tensor fascia latae.

Entwicklung

Der Femur entsteht durch chondrale Ossifikation. Bereits während der 6. Embryonalwoche kann man die beginnende Knorpelanlage des Femurs erkennen. Die Bildung von Knochenkernen der Epiphyse beginnt allerdings erst postnatal. Das Breitenwachstum des Knochens ist nicht symmetrisch. Das bedeutet, dass der Femur nicht nur in der Länge und Breite wächst, sondern sich auch von der Mitte des Körpers nach außen weg bewegt. Dieses Phänomen wird auch als „drift“ bezeichnet.

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Quellen anzeigen

Referenzen:

  • U. Bommert - Ebert, P. Teubner et. al.: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag (2011), S. 199-203
  • S. Andreae: EXPRESS Pflegewissen Chirurgie und Orthopädie, Georg Thieme Verlag (2009), S. 369
  • B. Weigel, M. L. Nerlich: Praxisbuch Unfallchirurgie, Springer-Verlag (2011), S. 520
  • H. - J. Appell, C. Stang - Voss: Grundlagen sportlicher Leistung und Bewegung , Springer-Verlag (2013), S. 77
  • W. Platzer: Taschenatlas Anatomie, Band 1: Bewegungsapparat, 11. Auflage, Georg Thieme Verlag (2013) S. 208

Autor: Laura Jung

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