Arteria labyrinthi
Die Arteria labyrinthi (auch A. auditiva interna) versorgt das Innenohr bzw. das Labyrinth und die darin enthaltenen Sinnesorgane (Hörorgan, Gleichgewichtsorgan) sowie die beiden Hirnnerven N. vestibulocochlearis und N. facialis.
Verlauf
Arteria labyrinthi / Labyrintharterie - kaudale Ansicht
In den meisten Fällen ist die A. labyrinthi ein Endast der A. cerebelli inferior anterior (AICA). Sie kann aber auch der A. basilaris entspringen.
Arteria basilaris / Basilararterie - kaudale Ansicht
Auf Höhe des Meatus acusticus internus geht sie von ihrer Ursprungsarterie ab und hat einen Durchmesser von etwa 0,2 mm. Kurz nach ihrem Abgang zieht sie in den Meatus acusticus internus, in dem sie zusammen mit dem N. vestibulocochlearis und dem N. facialis verläuft.
Meatus acusticus internus / Innerer Gehörgang - mediale Ansicht
Am Fundus des Meatus acusticus internus endet die A. labyrinthi und gliedert sich in ihre Äste auf, die dann in die vestibulären und cochleären Anteile des Labyrinths einziehen.
In einigen Fällen erfolgt die Blutversorgung des Innenohrs über zwei Aa. labyrinthi, von denen die vordere hauptsächlich das Hörorgan und die hintere das Gleichgewichtsorgan erreicht.
Äste
Direkt nach dem Eintritt in das Labyrinth erfolgt die Aufteilung der A. labyrinthi in der Regel in zwei Hauptäste, die A. vestibularis anterior und A. cochlearis communis.
- Die A.vestibularis anterior verläuft entlang des N. vestibularis und gewährleistet die Blutversorgung des Utriculus, eines Teils des Sacculus und des vorderen und seitlichen Bogengangs.
Utriculus / großes Vorhofsäckchen - ventrale Ansicht
- Die A.cochlearis communis gliedert sich etwa auf Höhe des Sacculus weiter in die A. cochlearis und die A. vestibulocochlearis auf.
Sacculus / kleines Vorhofsäckchen - ventrale Ansicht
- A. cochlearis kreuzt nach ihrem Abgang den N. cochlearis und folgt der Windung der Cochlea bis an ihre Spitze.
Cochlea / Gehörschnecke - ventrale Ansicht
- A. vestibulocochlearis teilt sich noch weiter in zwei Rami auf. Der R. cochlearis verläuft entlang der Basalwindung der Cochlea und entsendet feine Äste, die in die Cochlea einziehen. Der Ramus vestibularis (auch A. vestibularis posterior) verästelt sich innerhalb des vestibulären Labyrinths zur Versorgung des Sacculus und des hinteren Bogengangs.
Die Äste der A. labyrinthi bilden untereinander keine Anastomosen aus, sondern stellen eher einen arteriellen Plexus dar. Dadurch ist bei einer Schädigung oder Verstopfung eines Astes eine Ischämie im jeweiligen Versorgungsgebiet wahrscheinlicher.
Klinischer Fall
Die für das Innenohr notwendige stetige Blutversorgung kann durch einen Verschluss (z.B. durch Embolien) der A. labyrinthi unterbrochen oder gestört sein. Die folgende Infarzierung innerhalb des Labyrinthsystems bedingt, je nach Lokalisation, unterschiedlich ausgeprägte Funktionsausfälle.
Mit einem Komplettausfall des Labyrinths ist beispielsweise bei einem Verschluss noch vor der Aufzweigung der A. labyrinthi zu rechnen. Symptomatisch zeigen sich hier Hörsturz, Gleichgewichtsprobleme und auch Übelkeit oder Erbrechen.
Bei einer Lokalisation in einem der Arterienäste sind die Symptome eher auf das vestibuläre oder cochleäre System beschränkt. Das heißt bezüglich der vestibulären Funktionen, dass vor allem Drehschwindel mit Steh- und Gehunfähigkeit typisch ist. Der Ausfall der Cochlea zeigt sich insbesondere durch Taubheit und Ohrensausen.
