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Temporallappen (Schläfenlappen)

Der Temporallappen ist der seitliche Anteil des Telencephalon (End- oder Großhirn).

Er beheimatet überwiegend sensible Areale, die als Endstrecke der Hörbahn dienen und die Inselrinde, ein multifunktionales Gebiet mit sensiblen und sensorischen Neuronen.
Funktional ist der Temporallappen für die Bereitstellung von Gedächtnisinhalten für andere Hirnareale und der Weiterverarbeitung von visuellen Impulsen zuständig. Dieser Teil wird als interpretativer Kortex bezeichnet. 
 

Topographie und Aufbau 

Temporallappen / Lobus temporalis - lateral-rechte Ansicht

Der Temporallappen umfasst die unteren Pole der beiden Hemisphären und wird durch den Sulcus lateralis (Sylvi'sche Fissur) vom Frontal- und Parietallappen getrennt.

Sylvische Furche / Sulcus lateralis - kaudale Ansicht

Die Brodmann-Areale 25, 26 und 27 bilden die Grenze zum Parietal- und Okzipitallappen. Genau wie der Parietallappen und der Okzipitallappen, ist auch der Temporallappen reich an Körner- und arm an Pyramidenzellen und besitzt damit praktisch nur sensible Neurone.

Parietallappen / Lobus parietalis - lateral-linke Ansicht
Parietallappen / Lobus parietalis - lateral-linke Ansicht

Eine topographische Besonderheit sind die Heschl'schen Querwindungen (Gyri temporales transversi). Dabei handelt es sich um zwei bis vier querverlaufende Windungen an der Dorsalfläche des Lappens, in der Tiefe des Sulcus lateralis. Sie werden erst sichtbar, wenn das darüberliegende Operculum (Deckel) entfernt wird. Die Rinde beider Querwindungen entspricht den Arealen 41 und 42 und wird als Hörrinde (auditiver Kortex) zusammengefasst.

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Gliederung

Der Temporallappen beinhaltet

  • das primäre,
  • das sekundäre und
  • das tertiäre auditive Feld (Hörrinde),

welche jedoch nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche ausmachen. Die restlichen Neurone des Temporallappens dienen vor allem der Integration bzw. Verarbeitung visueller Informationen.

Die primäre Hörrinde ist im Brodmann-Areal 41 gelegen und bedeckt nur etwa die Hälfte der Heschl-Querwindungen. Ihre Lage und Ausdehnung unterliegt interindividuellen Schwankungen. In diesem Bereich des auditiven Feldes endet die Hauptmenge der Fasern aus dem Corpus geniculatum mediale des Thalamus, die Topologie der Fasern entspricht den Frequenzen des Hörbereichs (tonotope Anordnung = Tonotopie).

Corpus geniculatum mediale / innerer Kniehöcker - kaudale Ansicht

Die Fasern verlaufen auf ihrem Weg vom Corpus geniculatum zur Hörrinde sublentikulär. Aufgrund ihres Reichtums an Körnerzellen wird die primäre Hörrinde auch als Area temporalis granulosa bezeichnet. 

Das sekundäre auditive Feld (Area temporalis paragranulosa) umgibt die primäre Rinde wie ein Hufeisen und ist im Brodmann-Areal 42 angesiedelt. In dieser Region liegen vermehrt größere Pyramidenzellen vor. Diese sind efferent und verlaufen vor allem zum auditorischen Assoziationskortex (tertiäres auditives Gebiet).

Des Weiteren liegt in diesem Bereich das Wernicke-Sprachzentrum. Das Wernicke-Sprachzentrum ist in beiden Hirnhälften unterschiedlich stark ausgeprägt. Es kann nur einseitig vorhanden oder beidseits vorhanden sein, aber nur einseitig funktional relevant sein. In den meisten Fällen ist es in der linken Hirnhälfte funktional und / oder anatomisch dominant.

Von der sekundären Rinde gehen Efferenzen zum auditorischen Assoziationskortex, zum Broca-Sprachzentrum, zum Okzipitallappen und zu anderen assoziativen Arealen.

Okzipitallappen / Lobus occipitalis - lateral-linke Ansicht


 
Der Temporallappen ist Teil des parieto-temporo-okzipitalen Assoziationskortex, einer Neuronenkette, die in ihrer Gesamtheit aus neokortikalen Arealen stammende Impulse verarbeitet und integriert. Die daraus generierten Informationen dienen vor allem der räumlichen und visuellen Orientierung sowie der Sprache.

Funktion und klinische Ausfälle bei Läsionen  

Im primären auditiven Feld erfolgt zunächst der Eingang aller Signale, die vom Corpus geniculatum mediale kommen. Die Fasern des Corpus geniculatum kreuzen auf die Gegenseite, sodass die Hörrinde jeder Seite akustische Informationen von beiden Ohren erhält. Bei Läsionen einer Hörrinde ist damit kein allzu starker Hörverlust zu erwarten.
 
Die Informationen vom primären Feld werden verarbeitet und an das sekundäre weitergeleitet. Das Wernicke-Sprachzentrum des auditiven Sekundärfelds dient der Spracherkennung und damit dem Sprachverständnis.

Es wird durch die A. temporalis posterior versorgt. Bei Läsion der Rinde oder Verschluss des Gefäßes auf der dominanten Seite kommt es zu einer spezifischen klinischen Symptomatik, der Wernicke-Aphasie.

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