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Hüftdysplasie

Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine meist angeborene Krankheit der Hüfte bzw. des Beckens, bei der der Hüftpfannenerker am Acetabulum ungenügend ausgebildet ist. Somit ist der Hüftkopf nicht ausreichend überdacht und Hüftgelenkluxationen können auftreten.

Eine schwerwiegende Komplikation der Hüftdysplasie ist die Ausbildung einer Coxarthrose.

Acetabulum (grün) und Femurkopf - laterale Ansicht

Diagnostik

Die klinische Untersuchung der Hüftdysplasie wird vor allem durch die von Graf eingeführte Ultraschalluntersuchung der Hüfte bzw. Hüftpfanne dominiert. Mit Hilfe dieser Untersuchungstechnik können Hüftdysplasien sehr früh erkannt werden. Weiterhin können eine Hautfaltenasymmetrie oder eine Beinverkürzung ein klinischer Anhalt für Hüftdysplasie sein. Generell sollte eine Hypermobilität der Gelenke eine ausführliche klinische Untersuchung nach sich ziehen.

Das Ortolani-Zeichen galt bis vor einigen Jahren noch als zuverlässiges Zeichen einer Hüftdysplasie. Mittlerweile ist es jedoch als obsolet anzusehen. Bei dieser Untersuchung wird bei 90-Grad gebeugtem Hüft- und Kniegelenk ein Druck nach dorsal mit gleichzeitigem Druck auf den Trochanter major aufgebaut. Ein luxierter Hüftkopf wird nach Druck auf den Trochanter major wieder zurück in die Hüftpfanne springen.

Röntgendiagnostik hat für die Erkennung der Hüftdysplasie im Säuglingsalter keine Bedeutung mehr.

Anders verhält es sich mit der Sonographie. Mit Hilfe spezifisch ausgemessener Winkel an Hüftkopf und Hüftpfanne kann mit hoher Sensitivität eine Hüftdysplasie im Säuglingsalter nachgewiesen werden. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie sehr schonend für das Kind ist, da es zu keiner Strahlenbelastung wie bei der Röntgenuntersuchung kommt. Die Sonographie hat bei der Erkennung der Hüftdysplasie beim Erwachsenen jedoch keine Bedeutung. Da die Knochen im Erwachsenenalter komplett verknöchert sind, bietet sich hier die Röntgenübersichtsaufnahme des Beckens als diagnostisches Mittel an.

Therapie

konservativ

Therapeutisch gibt es verschiedene Optionen abhängig vom Alter des Patienten. Im Säuglingsalter wird die konservative Therapie bevorzugt. Hier unterscheidet man eine Ausreifungsbehandlung von einer Retentionsbehandlung.

Bei der Ausreifungsbehandlung wird das Kind mit einer Spreizhose oder „Tübinger Schiene“ versorgt. Repositionsmethoden sind beispielsweise diverse Extensionsmethoden oder die Anlage von Bandagen. Extensionsbehandlungen, allen voran die Overhead-Extension stellen eine wirksame Behandlungsstrategie für den Säugling mit dysplastischer Hüfte dar.

Nach der Overhead-Extension, welche mit einer mehr als 90 Grad gebeugten Hüfte durchgeführt wird, muss eine Retentionsbehandlung erfolgen. Diese kann man mit verschiedenen Gipsverbänden (z.B. Fettweis-Gips) durchführen. Über eine detailiertere Beschreibung der konservativen Therapiemethoden informiert die gängige Fachliteratur (s.u. Quellen).

operativ

Zur operativen Therapie existieren zahlreiche Operationsverfahren. Bei der Salter-Osteotomie wird das Becken zwischen Spina iliaca anterior inferior und Foramen ischiadicum durchtrennt und nach lateral ventral über den Hüftkopf geschwenkt. Diese OP-Methode lässt sich bei Patienten im Alter von 2-8 Jahren gut anwenden.

Die Triple-Osteotomie nach Tönnis wird meist bei älteren Kindern (älter als 8 Jahre) und einem CE-Winkel (Winkel zwischen Hüfterker und Hüftkopfmitte) der kleiner als 10 Grad ist durchgeführt. Bei dieser aufwendigeren Operation erfolgt eine Osteotomie an Os pubis, Os ischii und Os ileum. Das freie "Beckenfragment" kann somit wieder über den Hüftkopf als bessere Überdachung geschwenkt werden.

Eine weitere offene Korrekturmöglichkeit bei ausgewachsenen Patienten ergibt sich durch die Periacetabuläre Osteotomie nach Ganz. Eine solche Operation wird in Deutschland nur in wenigen Zentren durchgeführt und verlangt ein besonderes Maß an Erfahrung. Bei dieser Operation werden die Beckenknochen 5-fach inkomplett osteotomiert. Vorteilhaft an der Operationstechnik nach Ganz ist die bessere Stabilität des Beckenrings, die geringere Pseudarthrosengefahr, sowie die geringere Gefahr einer Läsion des N. ischiadicus.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • Sobotta: Atlas der Anatomie Band 1; 20. Auflage, Elsevier Verlag
  • Netter: Farbatlanten der Medizin, Band 7: Bewegungsapparat, Thieme Verlag
  • Meyer, Gächter: Hüftchirurgie in der Praxis, Springer Verlag (2005), S. 67-92
  • Berchtold: Chirurgie, 6. Auflage, Elsevier Verlag (2008), S. 504-505
  • Benninghoff/Drenckhahn: Anatomie, Band 1, 16. Auflage, Urban & Fischer Verlag (2003), S. 353-357

Autor & Layout: Christopher A. Becker

Illustratoren:

  • Acetabulum (grün) und Femurkopf - laterale Ansicht - Liene Znotina
© Sofern nicht anders angegeben, sind alle Inhalte, inklusive der Illustrationen, ausschließliches Eigentum der kenHub GmbH. Sie sind durch deutsches und internationales Urheberrecht geschützt. Alle Rechte vorbehalten.

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