Lernziele
Nach dieser Lerneinheit:
Das vegetative, auch autonome Nervensystem, ist für die Aufrechterhaltung der Homöostase verantwortlich, indem es unwillkürliche physiologische Prozesse wie Herzfrequenz, Atmung, Verdauung sowie die Pupillenreaktion reguliert. Es gliedert sich in zwei Hauptteile: in den Sympathikus, der den Körper auf „Kampf oder Flucht“ (eng. fight-or-flight response) vorbereitet, und in den Parasympathikus, der „Ruhe- und Verdauungsprozesse“ (eng. rest-and-digest response) fördert. Beide Systeme wirken häufig antagonistisch, um einen ausgeglichenen physiologischen Zustand zu bewahren und den Körper an wechselnde Umweltbedingungen sowie innere Anforderungen anzupassen.
Das vegetative Nervensystem entfaltet seine Wirkung über ein Netzwerk aus Neuronen, die im zentralen Nervensystem (ZNS) entspringen und über vegetative (autonome) Ganglien mit peripheren Organen kommunizieren. Während der Sympathikus in der Regel physiologische Vorgänge fördert, die eine rasche Reaktion auf Belastungssituationen ermöglichen, spart der Parasympathikus Energie und stellt nach Abklingen der Belastung die normalen Körperfunktionen wieder her.
Neurotransmitter wie Acetylcholin (ACh) und Noradrenalin (NA) dienen dabei der Signalübertragung zwischen Neuronen und Zielorganen. Die Art des Rezeptors, an den die Neurotransmitter binden, bestimmt die spezifische physiologische Reaktion. Nikotinerge und muskarinerge Rezeptoren steuern die cholinerge Signalübertragung, während adrenerge Rezeptoren die Reaktionen auf Noradrenalin vermitteln. Das Verständnis dieser Wechselwirkungen liefert wertvolle Einblicke in die Rolle des vegetativen Nervensystems bei Gesundheit und Krankheit, beispielsweise bei Störungen wie arterieller Hypertonie oder Herzinsuffizienz, die auf eine autonome Fehlregulation zurückzuführen sein können.
Erfahre mehr über das vegetative Nervensystem in folgendem Video.
Sympathikus |
Parasympathikus |
|
| Ursprung | Thorakolumbal, (Rückenmarkssegmente Th1–L2) |
Kraniosakral (Hirnstamm und Rückenmarkssegmente S2–S4) |
| Lage der Ganglien | Paravertebral oder prävertebral, in Nähe des Rückenmarks | Organnah oder intramural (in/nahe den Zielorganen) |
| Neurotransmitter | Acetylcholin (cholinerg) präganglionär; Noradrenalin (adrenerg) postganglionär | Acetylcholin (cholinerg) prä- und postganglionär |
| Primäre Funktion | „Fight or Flight“ | „Rest and Digest“ |
| Wirkung am Herzen | Erhöhung der Herzfrequenz | Senkung der Herzfrequenz |
| Wirkung an der Lunge | Bronchodilatation | Bronchokonstriktion |
| Wirkung auf die Verdauung | Hemmung von Motilität und Sekretion | Förderung der Verdauung |
| Pupillenreaktion | Mydriasis (Pupillenerweiterung) | Miosis (Pupillenverengung) |
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