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Vorderhorn des Rückenmarks

Das Vorderhorn (Cornu anterius medullae spinalis) ist der ventrale Anteil der grauen Substanz des Rückenmarks. Makroskopisch lassen sich über die gesamte Länge der grauen Substanz des Rückenmarks drei Säulen abgrenzen, die Gruppen funktionell zusammengehöriger Neuronen widerspiegeln. 

Neben dem Vorderhorn (Motorik), zählen dazu das Seitenhorn (vegetatives Nervensystem) und das Hinterhorn (Sensibilität). Eine weitere Gliederung der grauen Substanz erfolgt nach histologischen Aspekten und resultiert in 10 von dorsal nach ventral angeordneten Laminae.  

Das Vorderhorn wird von den Laminae VIII und IX gebildet, die die Motoneuronen zur Innervation der quergestreiften Muskulatur (Skelettmuskulatur) enthalten.

Kurzfakten
Lamina spinalis IX

Lateraler Anteil des Vorderhorns

Cholinerge somato-motorische Wurzelzellen

Interneurone

Lamina spinalis VIII Enthält motorische Interneurone und Strangzellen

Lamina spinalis IX 

Die Lamina IX macht den lateralen Anteil des Vorderhorns aus und besteht aus einer Ansammlung von gruppiert liegenden cholinergen somato-motorischen Wurzelzellen und ihren umgebenden Interneuronen

Lamina spinalis IX - axiale Ansicht

Diese bilden Kernsäulen, die sich über mehrere Spinalnervensegmente erstrecken und auf diese Weise die Verschaltung von Reflexen über mehrere Spinalnervensegmente ermöglichen. Die Verteilung und Topographie der Säulen ändert sich je nach Höhe des Rückenmarks. Zu den Kerngruppen zählen die zentrale, die laterale und die mediale Kerngruppe. 

Die zentrale Kerngruppe (Ncl. centralis) ist nur in bestimmten Spinalnervensegmenten nachweisbar. Von C1 bis C5 bildet sie den Nucleus nervi accessorii, von C3 bis C5 den Ncl. n. phrenici für die Innervation des Zwerchfells. Die Fasern des Nucleus nervi accessorii ziehen aus dem Rückenmark und vereinigen sich nach dem Austritt aus dem Foramen magnum mit Wurzeln zerebralen Ursprunges zum N. accessorius.

Die laterale Kerngruppe ist am stärksten im Bereich der Intumescentia cervicalis sowie der Intumescentia lumbosacralis ausgebildet, mit dem Ncl. anterior und anterolateralis (C5 bis C8 und L2 bis S1), Ncl. posterolateralis (C5 bis C8, L2 bis S2) und Ncl. retroposterolateralis (C8 bis Th1, S1 bis S3).

Diese Kerne innervieren die Muskulatur der Extremitäten, dabei gilt: je weiter lateral die Kernsäule, desto weiter distal die innervierten Muskeln.

Im Bereich des thorakalen Rückenmarks ist die laterale Gruppe schwach ausgeprägt und vor allem für die Innervation von Interkostal- sowie Muskulatur der Bauchwand verantwortlich.

Entlang des Rückenmarks ist die mediale Kerngruppe stark ausgeprägt und für die Innervation der axialen Muskulatur zuständig. Sie wird unterteilt in einen Ncl. posteromedialis (C1, Th1 bis L2) und einen Ncl. anteromedialis (C1 bis Coccygeal1).

Eine Besonderheit der Segmente S2 und S3 ist der dort befindliche Onuf-Kern. Er enthält Motoneurone der N. pudendus zur Innervation der Beckenbodenmuskulatur einschließlich des M. sphincter ani externus sowie des M. sphincter urethrae.

Die Axone der Motoneurone verlassen über die Wurzeln des Vorderhorns das Rückenmark und erreichen die Skelettmuskeln über Äste der Spinalnerven. 

Lamina spinalis VIII

Die Lamina spinalis VIII enthält vor allem motorische Interneurone, die ihre Afferenzen unter anderem aus Hinterhornzellen sowie von supraspinalen Zentren (u.a. Vestibularorgan sowie retikulospinale Fasern) erhalten. Sie entsenden ihre Efferenzen zu Motoneuronen und sind damit an der Steuerung, Regulation und Verarbeitung motorischer Informationen beteiligt.

Neben motorischen Interneuronen finden sich in der Lamina spinalis VIII auch Strangzellen, deren Axone in der vorderen Kommissur nach kontralateral kreuzen und im, an der Fortleitung nozizeptiver Impulse beteiligten, Tractus spinothalamicus verlaufen.

Das Vorderhorn mit den Laminae spinalis IX und VIII ist nur ein Teil des Rückenmarks. Möchtest du mehr über das Rückenmark erfahren? Dann sind die nachfolgenden Lernmedien ideal für dich!

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Quellen anzeigen

Quellen: 

  • Benninghoff, A., Drenkhahn, D. (2004). Anatomie - Band 2 (16. Auflage). München: Urban & Fischer, S. 299 ff.
  • Sarikcioglu, L., Ozsoy, U. (2008). Bror Rexed (1914-2002). J Neurol. , 255(12), 1988-1989. DOI: 10.1007/s00415-008-0927-2.
  • Lorenzo, L.E., Ramien, M., St Louis, M. et al (2008): Postnatal changes in the Rexed lamination and markers of nociceptive afferents in the superficial dorsal horn of the rat. The Journal of comparative neurology, 508(4), 592-604. DOI: 10.1002/cne.21691.
  • Werkö, L. (2002). Bror Rexed--an influential innovator and administrator within medical research and development. Lakartidningen, 99(38), 3728, 3731.
  • Levante, A., Lamour, Y., Albe-Fessard, D. (1973). Localization in layer V of Rexed cells of crossed spinothalamic bundle orgin in Macaca. Comptes rendus hebdomadaires des seances de l'Academie des sciences, 276(10), 1589-1592.
  • Kahle, W., & Frotscher, M. (2009). Nervensystem und Sinnesorgane – Taschenatlas Anatomie (10. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S. 54 ff.
  • Trepel, M. (2008). Neuroanatomie (4. Auflage). München: Elsevier, S. 100 ff.

Text, Review & Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Dr. med. Charlotte Barthe
  • Claudia Bednarek
  • Nicole Gonzalez

Illustration:

  • Lamina spinalis IX - axiale Ansicht - Paul Kim
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