Musculus sternocleidomastoideus
Der Musculus sternocleidomastoideus ist ein zweiköpfiger Halsmuskel.
Er wird über den N. accessorius (11. Hirnnerv) und direkte Äste des Plexus cervicalis (C1-C2) innerviert.
| Ursprung | Manubrium sterni (Caput sternale) Mediales Drittel der Clavicula (Caput claviculare) |
| Ansatz |
Processus mastoideus des Os temporale, Linea nuchalis superior am Os occipitale |
| Funktion |
Lateralflexion (Neigung der Halswirbelsäule zur gleichen Seite und Rotation des Kopfes zur Gegenseite) Dorsalextension (Hebung des Kopfes) Einatmung (inspiratorischer Atemhilfsmuskel) |
Verlauf und Versorgung
Der M. sternocleidomastoideus gliedert sich in zwei Teile:
- Das Caput sternale entspringt am Manubrium sterni.
- Das Caput claviculare entspringt am medialen Drittel der Clavicula.
Der Ansatz beider Teile ist der Processus mastoideus des Os temporale und die Linea nuchalis superior am Os occipitale.
Der Muskel ist sehr oberflächlich, sodass er gut sichtbar und palpierbar ist. Auch im klinischen Alltag spielt die Kenntnis über den M. sternocleidomastoideus eine große Rolle.
- Der Carotispuls lässt sich leicht im mittleren Drittel am Vorderrand ertasten.
- Unter der Regio sternocleidomastoidea verläuft ein Gefäß-Nerven-Strang, der die A. carotis communis (medial), die V. jugularis interna (lateral), den N. vagus (dorsal) und die Ansa cervicalis enthält. Bei der Legung eines zentralen Venenkatheters (ZVK) in die V. jugularis interna dient der mediale Rand des M. sternocleidomastoideus als Leitstruktur.
- Dorsal des Muskels treten sensorische Äste des Plexus cervicalis am Erb’schen Punkt aus, welcher als Punktionsort für eine Lokalanästhesie genutzt werden kann.
Funktion
Abhängig davon, ob der M. sternocleidomastoideus einseitig oder beidseitig kontrahiert, ergeben sich folgende Funktionen:
- Lateralflexion: Bei einseitiger Kontraktion bewirkt der M. sternocleidomastoideus eine Neigung der Halswirbelsäule zur gleichen Seite und Rotation des Kopfes zur Gegenseite.
- Dorsalextension: Eine beidseitige Kontraktion führt zu einer Hebung des Kopfes.
- Zudem unterstützt der M. sternocleidomastoideus bei Ruhigstellung des Kopfes die Einatmung (inspiratorischer Atemhilfsmuskel).
Klinik
Bei einer krankhaften Veränderung des M. sternocleidomastoideus kommt es zum klinischen Bild des Schiefhalses (Neigung des Kopfes zur kranken Seite und Rotation zur gesunden Seite).
Klassischerweise kommt dies bei der Torticollis dystonicus, der tonischen Verkrampfung des M. sternocleidomastoideus, vor. Folgen sind eine extreme Unbeweglichkeit des Halses, Schluckbeschwerden, Gesichtsasymmetrien und Skoliose. Die Erkrankung tritt bei ca. 0,5% aller Neugeborenen auf, doch die Ätiologie ist bis heute unbekannt.
