Os parietale (Scheitelbein)
Das Os parietale (Scheitelbein) ist ein paariger Schädelknochen, der zum Neurocranium gehört.
Die Ossa parietalia formen große Teile des Schädeldachs und des seitlichen Kopfs.
Anatomie
Os parietale / Scheitelbein (laterale Ansicht)
Auf der Innenseite verlaufen Furchen der Arterien (Sulci arteriosi), die durch den arteriellen Druck den Knochen verdrängen, wobei die der Arteria meningea media (Sulcus arteriae meningeae mediae) am deutlichsten ausgeprägt ist. Andere Strukturen sind der Sulcus sinus sigmoidei (Rinne des Sinus sigmoideus) nahe dem Angulus mastoideus und der Sulcus sinus sagittalis superioris (Rinne des Sinus sagittalis superior).
Die äußere Oberfläche weist die Linea temporalis superior und inferior auf, wo die Fascia temporalis bzw. der Musculus temporalis ansetzen. Eine Vena emissaria parietalis verbindet den Sinus sagittalis superior durch das Foramen parietale, das sich an der Hinterseite der Ossa parietalia befindet, mit den Venen der Kopfhaut.
Begrenzungen
Os parietale / Scheitelbein (sagittale Ansicht)
- anterior: Os frontale → Sutura coronalis (Koronarnaht)
- posterior: Os occipitale → Sutura lambdoidea (Lambdanaht)
- lateral: Os temporale → Sutura squamosa (Schuppennaht) und Os sphenoidale → Sutura sphenoparietalis
Ossifikation
Bei Neugeborenen sind die Ossa parietalia relativ dünn und haben ein Ossifikationszentrum an jeder ihrer vier Ecken. Bis zum Alter von 25-30 Monaten ossifiziert der Knochen vollständig desmal.
Klinik
Eine prämaturer Verschluss der Sagittalnaht ist mit bis zu 60% die häufigste aller Kraniosynostosen. Die vorzeitige Verknöcherung der Naht verhindert das Wachstum nach lateral, sodass die betroffenen Kinder klassischerweise einen ungewöhnlich länglichen, schmalen Schädel, eine hohe Stirn und einen prominenten Hinterkopf aufweisen. Diese Form der Schädeldeformität wird als Skaphozephalus (Kahnschädel) oder Dolichozephalus bezeichnet. Die Erkrankung tritt bei Jungen 3- bis 4-mal häufiger auf und hat meist keine genaue Ursache.
Da die Lambda- und Koronarnaht in der Regel weiterhin offen bleiben, kann das Gehirn normalweise weiterhin ungehindert wachsen. Eine chirurgische Korrektur mit Öffnung der verknöcherten Sagittalnaht wird trotzdem empfohlen, um neben dem ästhetischen Aspekt das Restrisiko eines erhöhten intrakraniellen Drucks zu vermeiden.
