Sternoklavikulargelenk (Art. sternoclavicularis)
Das Sternoklavikulargelenk (Art. sternoclavicularis, Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk) ist die einzige echte Gelenkverbindung des Schultergürtels mit dem Thorax. Es verbindet Brustbein (Sternum) und das Schlüsselbein (Clavicula) und ermöglicht somit verschiedene Positionen des Schultergürtels im Raum.
Aufbau
Sternkoklavikulargelenk / Art. sternoclavicularis - ventrale Ansicht
Das Sternoklavikulargelenk besteht aus dem konvexen medialen Ende der Clavicula (Extremitas sternalis) und einer konkaven Einkerbung am kranialen Teil des Sternums (Manubrium sterni). Anatomisch gesehen ist das Sternoklavikulargelenk ein Sattelgelenk.
Brustbeinhandgriff / Manubrium sterni - ventrale Ansicht
Zwischen den beiden knöchernen Anteilen befindet sich ein ca. 5 Millimeter dicker Discus articularis bestehend aus Faserknorpel, der an seinem äußeren Rand mit der Membrana fibrosa der Gelenkkapsel verwachsen ist. Der Discus articularis unterteilt die Gelenkhöhle des Sternoklavikulargelenks in zwei Teile (dithalamisches Gelenk).
Es existieren somit insgesamt zwei Verbindungen der Scapula und Clavicula zum Rumpf:
- Das Sternoklavikulargelenk (echtes Gelenk mit Gelenkspalt) und das
- Schulterblatt-Thorax-Gelenk (Art. scapulothoracalis). Letzteres trägt die Bezeichnung Gelenk zu unrecht, denn es handelt sich lediglich um einen bindegewebigen Spaltraum zwischen den Mm. subscapularis und serratus anterior. Die Scapula kann bei Schulter- und Armbewegungen in diesem Spaltraum gleiten.
Kapsel und Bänder
Sternkoklavikulargelenk / Art. sternoclavicularis - ventrale Ansicht
In die Kapsel des Sternoklavikulargelenks strahlen Bänder ein, welche eine gelenkstabilisierende und bewegungsbegrenzende Funktion haben.
- Das Lig. interclaviculare verläuft zwischen den sternalen Enden der beiden Claviculae. Es spannt sich bei beidseitiger Bewegung der Claviculae nach unten (Depression) an und begrenzt daher diese Bewegung. Es kann bei beidseitiger Schulterdepression zwischen den Claviculae getastet werden.
- An der Ventral- bzw. Dorsalfläche des Gelenks spannt sich zwischen Manubrium sterni und Extremitas sternalis der Clavicula das Lig. sternoclaviculare anterius und posterius. Das Lig. sternoclaviculare anterius begrenzt die Dorsalbewegung (Retraktion) der Clavicula und das Lig. sternoclaviculare posterius die Ventralbewegung (Protraktion).
- Die Bewegung der Clavicula nach kranial (Elevation) wird hauptsächlich durch das Ligamentum costoclaviculare zwischen Unterseite der Clavicula und Oberseite der ersten Rippe (Pars cartilaginea) begrenzt.
Mechanik
Die Clavicula kann sich sowohl in der Frontalebene (Elevation/Depression; 40°/0°/10°) als auch in der Transversalebene (Protraktion/Retraktion; 30°/0°/25°) bewegen. Die Bewegung in der Frontalebene geschieht im Sternoklavikulargelenk um eine (gedachte) sagittale Achse und die Bewegung in Transversalebene durch eine vertikale Achse. Bei der Armelevation rotiert die Clavicula bis 30° um ihre eigene Achse.
Die Kombination in den zwei Bewegungsebenen des Sternoklavikulargelenks ermöglicht das Kreisen des Schultergürtels. Funktionell handelt es sich aufgrund des Discus articularis, welcher die Unebenheiten des Gelenks ausgleicht, um ein Kugelgelenk.
Muskulatur
Der M. subclavius zwischen der ersten Rippe und Unterseite der lateralen Clavicula drückt diese in das Sternoklavikulargelenk.
Musculus subclavius / Unterschlüsselbeinmuskel - ventrale Ansicht
Die Bewegungen der Scapula nach medial und dorsal (z.B. beim “Schürzenbindegriff”) werden durch die Mm. trapezius und rhomboidei ermöglicht, die Clavicula bewegt sich dabei mit nach dorsal (Retraktion).
Musculus trapezius / Trapezmuskel - dorsale Ansicht
Der funktionelle Antagonist dieser Bewegung, der M. serratus anterior, kann die Scapula nach lateral und ventral ziehen, das laterale Ende der Clavicula bewegt sich dabei nach ventral (Protraktion). Diese Bewegung geschieht z.B. wenn man bei den linken Processus mastoideus mit dem rechten kleinen Finger berührt.
Musculus serratus anterior / vorderer Sägemuskel - ventrale Ansicht
Durch die Mm. trapezius und levator scapulae, einem von kranial an den Angulus superior scapulae ziehenden Muskel, wird die Skapula angehoben (z.B. beim Schulterzucken).
Musculus levator scapulae / Schulterblattheber - dorsale Ansicht
Die Mm. pectoralis minor, die am Proc. coracoideus ansetzen und die Pars ascendens des M. trapezius (Pars ascendens) senken die Scapula.
Musculus pectoralis minor / kleiner Brustmuskel - ventrale Ansicht
Klinik
Durch äußere Krafteinwirkung kann es zur Luxation des Sternoklavikulargelenks mit Bandruptur kommen. Es werden jedoch erhebliche Kräfte benötigt, da der Bandapparat des Sternoklavikulargelenks sehr stark ist. Da dorsal und kaudal der Clavicula große Gefäße (A. und V. subclavia) und wichtige Strukturen wie Pleura und Lymphgefäße liegen, sind die seltenen Luxationen nach dorsal gefährlicher als die häufigeren ventralen Luxationen.
Zur Diagnostik werden Röntgenaufnahmen veranlasst, bei unklaren Befunden eine Computertomographie.
Die hintere Luxation muss operativ reponiert und mit Kirschnerdrähten (Drähte/Stifte, die operativ in Klavikula und Sternum eingebracht werden und somit die Adaptation der Knochenenden gewährleisten) fixiert werden, da die Gefahr einer Komplikation durch Gefäß- oder Nervenverletzungen besteht. Bei vorderer Luxation wird zunächst die manuelle Reposition durch Druck auf das Sternoklavikulargelenk bei lateral ausgestrecktem Arm versucht, bei Misserfolg wird operativ reponiert und fixiert.
