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Der Analkanal

Inhalt

Makroskopische Anatomie

Der Analkanal (Canalis analis) ist der letzte Abschnitt des Magen-Darm-Trakts. Er ist 3-4 cm lang und liegt komplett extraperitoneal. Er beginnt an der Junctio anorectalis distal der Flexura perinealis und endet am Anus. Der Analkanal lässt sich in die Zona columnaris, Zona alba und Zona cutanea unterteilen.

  • Zona columnaris: Das Lumen ist von Schleimhautfalten (Columnae anales) geprägt, die durch arterielle Schwellkörper (Corpus cavernosum ani) in der Submukosa entstehen. Die Schleimhautfalten sind am distalen Ende durch Querfalten (Valvulae anales) verbunden. Hinter diesen befinden sich Krypten (Morgagni-Taschen), in denen die Ausführungsgänge der Proktodealdrüsen münden. Die Querfalten formen zusammen die Linea dentata. An dieser „gezahnten“ Linie treffen die Darmschleimhaut und das Plattenepithel des Analkanals aufeinander.
  • Zona alba: Distal der Linea dentata liegt eine ca. 1 cm breite Zone mit Analschleimhaut (Anoderm).
  • Zona cutanea: Unterhalb der Linea anocutanea, einer Furche zwischen dem inneren und äußeren Sphinktermuskel, befindet sich reguläre Perianalhaut. Sie hat durch den Zug des M. corrugator cutis ani ein gefächertes Aussehen.

Auf Grund des unterschiedlichen embryologischen Ursprungs der Zonen (Zona columnaris aus dem Enddarm, Zona alba und cutanea aus der Kloake) unterscheiden sich auch ihre versorgenden Strukturen. Die Linea dentata stellt hierbei eine wichtige Orientierungslinie dar.

  • Proximal der Linea dentata: Die arterielle Versorgung erfolgt über die A. rectalis superior (Ast der A. mesenterica inferior), der venöse Abfluss durch den Plexus haemorrhoidalis internus in die V. rectalis superior (→ Portalkreislauf). Die Lymphe drainiert in die lumbalen Lymphknoten. Die sympathische Innervation erfolgt durch den Plexus mesentericus inferior, die parasympathische durch Nn. splanchnici pelvici und Plexus hypogastricus inferior.
  • Distal der Linea dentata: Die A. rectalis media (Ast der A. iliaca interna) und inferior (Ast der A. pudenda interna aus der A. iliaca interna) übernehmen die arterielle Versorgung. Das venöse Blut fließt über den Plexus haemorrhoidalis externus in die V. rectalis media und inferior (→ Körperkreislauf). Die Lymphe drainiert in die inguinalen Lymphknoten. Die sensorische Innervation erfolgt über den N. pudendus.

Mikroskopische Anatomie

Im Analkanal geht die Darmschleimhaut (Zona colorectalis) über eine Übergangzone (Zona transitionalis) in Analschleimhaut (Zona alba) und schließlich in Perianalhaut (Zona cutanea) über.

  • Zona colorectalis: entspricht der Histologie des Rectums mit einschichtigem, hochprismatischem Epithel. Hier liegen die Schleimhautfalten mit kleinen Arterien, die das Corpus cavernosum ani bilden.
  • Zona transitionalis: ähnelt der Histologie des Rectums, weist jedoch eine Mischung aus einschichtigem hochprismatischem Epithel und mehrschichtigem Plattenepithel auf. Hier liegen die Querfalten mit den Krypten und Proktodealdrüsen (schlauchförmige Epithelgänge).
  • Zona alba (Anoderm): besitzt mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel, welches mit dem inneren Sphinktermuskel verbunden ist. Diese Zone weist dicht gepackte sensorische Nerven auf, die den Zustand des Darminhalts registrieren (z.B. fest, flüssig oder gasförmig).
  • Zona cutanea: entspricht der Histologie der Haut mit mehrschichtigem, verhorntem Plattenepithel. Sie ist charakterisiert durch eine starke Pigmentierung, Schweiß- und Talgdrüsen, Vater-Pacini-Körperchen und Haarfollikel.

Funktion

Der Analkanal ist ein wichtiger Bestandteil des Kontinenzorgans. Er ist umgeben vom muskulären Sphinktersystem, das das Lumen geschlossen hält. Der M. sphincter ani internus ist durch den Sympathikotonus permanent kontrahiert und wird unter parasympathischen Einfluss gelockert. Der M. sphincter ani externus umgibt den Analkanal wie eine Klemme. Er steht in enger Beziehung zum M. puborectalis (Teil des M. levator ani), der das Rectum von hinten umschließt (Puborektalschlinge) und somit einen Knickverschluss bildet. Sowohl der M. sphincter ani externus als auch der M. puborectalis sind willkürlich innervierbar.

Das Corpus cavernosum ani spielt eine wichtige Rolle in der Feinkontrolle. In der Ruhephase ist es mit arteriellem Blut gefüllt. In der Defäkationsphase erschlafft der innere Sphinktermuskel, wodurch das Blut in den Schwellkörpern abfließt und der Stuhl den Analkanal problemlos passieren kann. Eine pathologische Vergrößerung des Corpus cavernosum ani führt zu Hämorrhoiden.

Die Proktodealdrüsen des Menschen sind rudimentär. Die von ihnen produzierten Duftstoffe spielen keine Rolle mehr. Bei vielen Tieren übernehmen sie noch wichtige Funktionen, z.B. zur Reviermarkierung oder sexuellen Anregung des anderen Geschlechts.

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Quellen:

  • D. Drenckhahn/J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, 1.Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008), S.271-275
  • U. Welsch: Lehrbuch Histologie, 2.Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2006), S.384-386
  • M. Schünke/E. Schulte/U. Schumacher: Prometheus – LernAtlas der Anatomie – Innere Organe, Thieme Verlag (2009), S.231-234
  • K. Zilles/B.Tillmann: Anatomie, 1.Auflage, Springer Medizin Verlag (2010), S.483-485
  • H. Rohde: Lehratlas der Proktologie, 1.Auflage, Thieme Verlag (2006), S.4-5

Autor & Layout:

  • Achudhan Karunaharamoorthy
  • Christopher A. Becker

Illustratoren: 

  • analkanal - Samantha Zimmerman
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