Musculus pectoralis major
Der Musculus pectoralis major ist ein starker, fächerförmiger Muskel des Schultergelenks. Seine Form bestimmt entscheidend das Oberflächenrelief der Brust.
| Ursprung | Mediale Hälfte der Clavicula (Pars clavicularis); Sternum, 2.-7. Rippenknorpel (Pars sternocostalis); Vorderes Blatt der Rektusscheide (Pars abdominalis) |
| Ansatz | Humerusschaft an der Crista tuberculi majoris |
| Funktion |
Adduktion und Anteversion des Schultergelenks; Rotation des Oberarms nach innen; Inspiratorischer Atemhilfsmuskel |
Des Weiteren is der Musculus pectoralis major an der Bildung der ventralen Wand der Achselhöhle beteiligt. Die Innervation erfolgt über die Nn. pectoralis medialis et lateralis (C5-Th1), direkte Äste des Plexus brachialis.
Verlauf und Versorgung
Abhängig vom Ursprung wird der Muskel unterteilt in:
- Pars clavicularis: mediale Hälfte der Clavicula
- Pars sternocostalis: Sternum, 2.-7. Rippenknorpel
- Pars abdominalis: vorderes Blatt der Rektusscheide
Alle Fasern setzen gemeinsam am proximalen Humerusschaft an der Crista tuberculi majoris an. Auf Grund des sehr unterschiedlichen Verlaufs der Muskelfasern liegt am Ansatz eine nach oben offene Pektoralistasche vor, die funktionell eine Reservefalte darstellt und vor Überdehnung schützt.
Die dreieckige Einsenkung zwischen Musculus pectoralis major, Musculus deltoideus und Clavicula wird als Fossa infraclavicularis (Mohrenheim-Grube) bezeichnet. Hier verläuft die V. cephalica subfaszial im Sulcus deltoideopectoralis.
Funktion
Der Musculus pectoralis major ist der wichtigste Muskel für die Adduktion und Anteversion des Schultergelenks, weshalb er auch als „Brustschwimmermuskel“ bekannt ist.
Außerdem rotiert er den Oberarm nach innen und macht eine kräftige Hiebbewegung (Retroversion) bei gehobenem Arm (z.B. beim Holzhacken). Beim fixierten Arm hebt er den Körper nach oben, welches hilfreich beim Klettern oder bei der Einatmung sein kann (inspiratorischer Atemhilfsmuskel).
Klinik
Aplasien des Musculus pectoralis major gehören zu den häufigsten muskulären Fehlbildungen. Beim Poland-Syndrom liegt eine embryonale Fehlentwicklung der Brustwand vor, was mit einem Defekt des Musculus pectoralis major in Kombination mit weiteren Fehlbildungen der oberen Extremitäten einhergeht (z.B. Missbildungen der Finger). Dabei kann der Muskel teilweise oder komplett fehlen.
Je nach Schweregrad sind dadurch die Adduktion und Anteversion im Schultergelenk erschwert (z.B. das Überkreuzen der gehobenen Arme). Zusätzlich haben Betroffene auf Grund der Aplasie des Muskels sichtbar entstellte Brüste, weshalb therapeutisch eine plastisch-chirurgische Rekonstruktion in Frage kommt.
