Arteria renalis (Nierenarterie)
Die Arteria renalis (Nierenarterie) ist ein kurzer, paariger Ast der Aorta abdominalis. Sie tritt in das Nierenhilus ein und versorgt das Organ mit Blut.
Sie entspringt unterhalb der A. mesenterica superior auf Höhe des 1./2. Lendenwirbels lateral bzw. ventrolateral von der Aorta.
Arteria renalis / Nierenarterie - ventral
Verlauf
Arteria renalis dextra / rechte Nierenarterie - ventral
In Abhängigkeit vom genauen Ursprung der Gefäße kann auch die Länge variieren. Durchschnittlich ist die A. renalis dextra mit 3-5 cm etwas länger als die 2-3 cm lange A. renalis sinistra. Auch ihr Durchmesser ist mit etwa 0,45 cm etwas größer als der der linken (etwa 0,43 cm).
Äste
Die A. renalis gibt drei große Äste ab: A. suprarenalis inferior, R. anterior und R. posterior.
Ramus posterior arteriae renalis / hinterer Ast der Nierenarterie - ventral
Kurz vor dem Nierenhilus teilt sich die A. renalis dann in zwei Äste auf, die sich innerhalb des Nierengewebes weiter verästeln und somit die gesamte Niere versorgen. Eine Kommunikation zwischen den einzelnen Ästen findet nicht statt.
Der hintere Ast (R. posterior) zweigt sich meist als zweiter ab. Er zieht hinter dem Nierenbecken und versorgt gemeinsam mit der von ihm ausgehenden A. segmenti posterioris das hintere Nierensegment.
Ramus anterior arteriae renalis / vorderer Ast der Nierenarterie - ventral
- A. segmenti superioris
- A. segmenti anterioris superioris
- A. segmenti anterioris inferioris
- A. segmenti inferioris
Alternativ können die Aa. segmenti superioris (20%) und inferioris (60%) auch direkt von der Aorta entspringen.
Anatomische Variationen
In etwa 30% aller Menschen tritt die A. renalis einseitig doppelt bis mehrfach auf, bei 10% sogar beidseits. Diese A. renalis accessoria ("zusätzliche Nierenarterie") entspringt meist direkt aus der Aorta abdominalis oder den Iliakalarterien, seltener aus der Aorta thoracica oder umliegenden Ästen der Aorta abdominalis (z.B. Aa. lumbales, Aa. mesentericae superior und inferior). Oft ist sie kleiner und versorgt den Nierenober- oder unterpol, kann jedoch auch durch den Nierenhilus treten und ein ähnliches Kaliber wie die A. renalis aufweisen.
Anatomische Variationen der A. renalis sind häufig und sollten daher vor operativen oder endovaskulären Eingriffen am Gefäß stets berücksichtigt werden.
Klinischer Fall
Eine gute Blutversorgung ist für die Nierenfunktion von großer Bedeutung. Bei einer größeren Verengung (Nierenarterienstenose) kann dies jedoch nicht mehr zuverlässig gewährleistet werden. Die häufigste Ursache ist eine lokalisierte Arteriosklerose (meist am Abgang an der Aorta abdominalis), bei jüngeren Patienten dagegen eine Proliferation des Bindegewebes und der glatten Muskulatur der Gefäßwand (fibromuskuläre Dysplasie).
Die verminderte Durchblutung der Niere aktiviert zunächst die Ausschüttung des Enzyms Renin, das über einen Regelmechanismus den Blutdruck erhöht; daraus kann eine renovaskuläre Hypertonie entstehen. Nach länger andauernder Minderversorgung kommt es oftmals zu einer kompensatorischen Vergrößerung der gesunden Niere, in extremeren Fällen zu einem akuten Niereninfarkt.
Die renovaskuläre Hypertonie kann anfangs unauffällig bleiben, insbesondere bei älteren Patienten. Der Verdacht wird oft erst bei medikamentös schwer einstellbaren Blutdrücken, einem Anstieg des Serumkreatinins oder bei Auffälligkeiten des zirkadianen Blutdruckrhythmuses erhoben. Nach gründlicher Abklärung (farbkodierte Duplexsonographie, seltener auch MR- oder CT Angiographie oder Szintigraphie) kann die Stenose radiologisch interventionell behandelt werden; dabei wird die A. renalis durch Platzierung eines Stents dilatiert.
