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Arteria renalis (Nierenarterie)

Die Arteria renalis (Nierenarterie) ist ein kurzer, paariger Ast der Aorta abdominalis. Sie tritt in das Nierenhilus ein und versorgt das Organ mit Blut.

Sie entspringt unterhalb der A. mesenterica superior auf Höhe des 1./2. Lendenwirbels lateral bzw. ventrolateral von der Aorta.

Arteria renalis / Nierenarterie - ventral

Verlauf

Arteria renalis dextra / rechte Nierenarterie - ventral

Die rechte A. renalis (A. renalis dextra) zweigt sich in der Regel etwas tiefer als die linke (A. renalis sinistra) ab. Nach dem Ursprung verläuft sie beidseits in unterschiedlicher Weise: Links steigt sie leicht auf und zieht dorsal des Pankreas und der linken Nierenvene (V. renalis sinistra) zur linken Niere. Rechts steigt sie dorsal der V. cava inferior und der V. renalis dextra zum rechten Nierenhilus ab.

In Abhängigkeit vom genauen Ursprung der Gefäße kann auch die Länge variieren. Durchschnittlich ist die A. renalis dextra mit 3-5 cm etwas länger als die 2-3 cm lange A. renalis sinistra. Auch ihr Durchmesser ist mit etwa 0,45 cm etwas größer als der der linken (etwa 0,43 cm).

Äste

Die A. renalis gibt drei große Äste ab: A. suprarenalis inferior, R. anterior und R. posterior. 

Ramus posterior arteriae renalis / hinterer Ast der Nierenarterie - ventral

Über den ersten Ast, die A. suprarenalis inferior (untere Nebennierenarterie), wird die Nebenniere versorgt. Im weiteren Verlauf spalten sich kleinere Äste zum Harnleiter (Rr. ureterici) und zur Nierenkapsel (Rr. capsulares) ab.

Kurz vor dem Nierenhilus teilt sich die A. renalis dann in zwei Äste auf, die sich innerhalb des Nierengewebes weiter verästeln und somit die gesamte Niere versorgen. Eine Kommunikation zwischen den einzelnen Ästen findet nicht statt.

Der hintere Ast (R. posterior) zweigt sich meist als zweiter ab. Er zieht hinter dem Nierenbecken und versorgt gemeinsam mit der von ihm ausgehenden A. segmenti posterioris das hintere Nierensegment.

Ramus anterior arteriae renalis / vorderer Ast der Nierenarterie - ventral

Der stärker ausgeprägte Vorderast (R. anterior) verläuft vor dem Nierenbecken und teilt sich kurz vor dem Nierenparenchym zunächst in die Segmentarterien auf. Diese speisen die vorderen vier Nierensegmente:
  • A. segmenti superioris
  • A. segmenti anterioris superioris
  • A. segmenti anterioris inferioris
  • A. segmenti inferioris

Alternativ können die Aa. segmenti superioris (20%) und inferioris (60%) auch direkt von der Aorta entspringen.

Anatomische Variationen

In etwa 30% aller Menschen tritt die A. renalis einseitig doppelt bis mehrfach auf, bei 10% sogar beidseits. Diese A. renalis accessoria ("zusätzliche Nierenarterie") entspringt meist direkt aus der Aorta abdominalis oder den Iliakalarterien, seltener aus der Aorta thoracica oder umliegenden Ästen der Aorta abdominalis (z.B. Aa. lumbales, Aa. mesentericae superior und inferior). Oft ist sie kleiner und versorgt den Nierenober- oder unterpol, kann jedoch auch durch den Nierenhilus treten und ein ähnliches Kaliber wie die A. renalis aufweisen.

Anatomische Variationen der A. renalis sind häufig und sollten daher vor operativen oder endovaskulären Eingriffen am Gefäß stets berücksichtigt werden.

Klinischer Fall

Eine gute Blutversorgung ist für die Nierenfunktion von großer Bedeutung. Bei einer größeren Verengung (Nierenarterienstenose) kann dies jedoch nicht mehr zuverlässig gewährleistet werden. Die häufigste Ursache ist eine lokalisierte Arteriosklerose (meist am Abgang an der Aorta abdominalis), bei jüngeren Patienten dagegen eine Proliferation des Bindegewebes und der glatten Muskulatur der Gefäßwand (fibromuskuläre Dysplasie).

Die verminderte Durchblutung der Niere aktiviert zunächst die Ausschüttung des Enzyms Renin, das über einen Regelmechanismus den Blutdruck erhöht; daraus kann eine renovaskuläre Hypertonie entstehen. Nach länger andauernder Minderversorgung kommt es oftmals zu einer kompensatorischen Vergrößerung der gesunden Niere, in extremeren Fällen zu einem akuten Niereninfarkt.

Die renovaskuläre Hypertonie kann anfangs unauffällig bleiben, insbesondere bei älteren Patienten. Der Verdacht wird oft erst bei medikamentös schwer einstellbaren Blutdrücken, einem Anstieg des Serumkreatinins oder bei Auffälligkeiten des zirkadianen Blutdruckrhythmuses erhoben. Nach gründlicher Abklärung (farbkodierte Duplexsonographie, seltener auch MR- oder CT Angiographie oder Szintigraphie) kann die Stenose radiologisch interventionell behandelt werden; dabei wird die A. renalis durch Platzierung eines Stents dilatiert.

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Quellen anzeigen

Autor: Nicole Gonzalez

Review: Marie Hohensee, Achudhan Karunaharamoorthy

Illustratoren:

  • Begoña Rodriguez: Arteria renalis / Nierenarterie - ventral
  • Irina Münstermann: Arteria renalis dextra / rechte Nierenarterie - ventral
  • Irina Münstermann: Ramus posterior arteriae renalis / hinterer Ast der Nierenarterie - ventral
  • Irina Münstermann: Ramus anterior arteriae renalis / vorderer Ast der Nierenarterie - ventral

Quellen:

  • M. Stimpel: Arterielle Hypertonie, Steinkopff Verlag Darmstadt (2001), S. 117-132
  • H.-J. Gröne, T. Eisenhauer, B. Ulshöfer et al.: Harnapparat und männliche Genitale, Schattauer (1993), S. 9
  • G. Lusza: Röntgenanatomie des Gefäßsystems,  Springer Verlag Berlin (2012), S. 227- 229
  • R. Kubale, H. Stiegler: Farbkodierte Duplexsonographie, Georg Thieme Verlag (2002), S. 223-224, 230-231
  • M. Reiser, F.- P. Kuhn, J. Debus: Duale Reihe Radiologie, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag (2011), S. 275-276
  • P. Meiisel, D. E. Apitzsch: Atlas der Nierenangiographie, Springer-Verlag Berlin Heidelberg (1978), S. 33
  • L. Geisler: Innere Medizin- Lehrbuch für Pflegeberufe, 19. Auflage, Verlag W. Kohlhammer (2006), S. 457
  • M. Krams, S. O. Frahm, U. Kellner et al.: Kurzlehrbuch Pathologie, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag (2013)
  • B. A. Urban, L. E. Ratner, E. K. Fishman: Three-dimensional volume-rendered CT angiography of the renal arteries and veins - Normal anatomy, variants and clinical applications. RadioGraphics (2001), Band 21, Auflage 2, S. 373-386
  • M. Middeke: Arterielle Hypertonie, Thieme Verlag (2005), S. 105-107
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