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Aorta

Inhalt

Einführung

Die Aorta (Hauptschlagader) ist der zentrale Arterienstamm des Körpers, aus dem alle Arterien des großen Kreislaufes (Körperkreislaufs) hervorgehen. Sie entspringt aus dem linken Ventrikel des Herzens, zieht durch die Brust in das Abdomen und spaltet sich im Becken in die zwei großen Darmbeinarterien (Aa. iliacae communis). Ihr Durchmesser ist herznah 2,5-4 cm und nimmt im Verlauf ab, die Länge beträgt ca. 40 cm.

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Anatomie

Die Aorta lässt sich in folgende Abschnitte unterteilen:

  • Aorta ascendens
  • Aortenbogen
  • Aorta descendens (Aorta abdominalis und Aorta thoracica)
  • Aortenbifurkation

Aorta ascendens

Die Aorta ascendens (aufsteigender Teil = Pars ascendens aortae) ist etwa 5-6 cm lang und erstreckt sich von der Aortenklappe bis zum Abgang des Truncus brachiocephalicus. Er verläuft größtenteils intraperikardial nahezu senkrecht. Unmittelbar nach der Öffnung des linken Ventrikels zur Aorta (Ostium aortae) gibt die Pars ascendens im Sinus aortae die Koronararterien (Aa. coronariae sinistra und dextra) ab.

Aortenbogen

Der nachfolgende Teil wird aufgrund seines nach links und dorsal gerichteten bogenförmigen Verlaufs als Aortenbogen (Arcus aortae) bezeichnet. Er beginnt auf Höhe des Angulus sterni und geht bis zur linken Seite des 4. Brustwirbelkörpers. Vom Aortenbogen entspringen die großen Arterien für Kopf und Arm. Aus einem kurzen gemeinsamen Stück, dem Truncus brachiocephalicus, entspringen die A. carotis communis dextra und die A. subclavia dextra. Es folgen die Abgänge A. carotis communis sinistra und A. subclavia sinistra. Bei 10% der Menschen entspringt zusätzlich vom Truncus brachiocephalicus oder vom Aortenbogen eine A. thyroidea ima zur Versorgung der Schilddrüse.

Vor dem Übergang in die Aorta descendens weist das Ende des Aortenbogens eine physiologische Verengung auf, den Aortenisthmus (Isthmus aortae). Diese Stelle kann bei einer Gefäßmissbildung abnorm verengt sein, was als Aortenisthmusstenose bezeichnet wird. In diesem Fall bilden sich Kollateralkreisläufe über die Aa. thoracicae internae und die Interkostalarterien aus. Diese können Dellen in den Rippen erzeugen und als sogenannte Usuren im Röntgenbild sichtbar sein.

Im Aortenbogen sind verschiedene Rezeptoren eingelagert: Pressorrezeptoren nehmen Veränderungen des Blutdrucks wahr, Chemorezeptoren als sogenannte Glomera aortica Veränderungen der Sauerstoffsättigung (pO₂) und des Blut-pH-Wertes.

Aorta descendens

Der Isthmus aortae geht in die Aorta descendens (absteigender Teil = Pars descendens aortae) über, die sich in die obere Aorta thoracica und untere Aorta abdominalis unterteilen lässt.

Aorta thoracica

Die Aorta thoracica (Brustaorta gibt folgende viszerale Äste ab:

  • Rami bronchiales - versorgen die Lunge als Vasa privata
  • 3-6 Rami oesophageales - zur Speiseröhre
  • Rami mediastinales - zu Lymphknoten des hinteren Mediastinums
  • Rami pericardiaci - zur Versorgung des Herzbeutels

Parietale Äste der Aorta thoracica sind:

  • Aa. intercostales posteriores III-XI (paarig)- ziehen in die 3. bis 11. Interkostalräume
  • A. subcostalis (paarig) - verläuft unterhalb der 12. Rippe
  • Aa. phrenicae superiores (paarig) - zu den hinteren Abschnitten des Zwerchfells

Die Aorta thoracica tritt zusammen mit dem Ductus thoracicus durch den Hiatus aorticus des Zwerchfells und geht anschließend in die Aorta abdominalis über.

Aorta abdominalis

Die Aorta abdominalis (Bauchaorta) verläuft etwas links der Medianlinie und wird rechts von der Vena cava inferior bzw. rechts dorsal vom Ductus thoracicus belgeitet. Von ihr gehen zahlreiche Äste ab, die das Bauch- und Beckeneingeweide sowie die Rumpf- und Beckenwände versorgen.

Zu den viszeralen Ästen der Aorta abdominalis zählen:

  • Truncus coeliacus, aus ihm entspringen
    • A. splenica - der kräftigste Ast des Truncus coeliacus, verläuft stark geschlängelt am oberen Rand des Pankreas Richtung Milz, die sie im Ligamentum splenorenale erreicht.
    • A. gastrica sinistra - anastomisiert mit der A. gastrica dextra, einem indirekten Ast der A. hepatica communis, an der kleinen Kurvatur des Magens.
    • A. hepatica communis - ein unpaarer Stamm, der den Darmbauch bis zur linken Colonflexur versorgt.
  • A. mesenterica superior - entspringt unterhalb des Truncus coeliacus hinter dem Pankreas und tritt ins Mesenterium ein. Sie versorgt den Darmbauch ab der linken Kolonflexur.
  • A. mesenterica inferior - versorgt den Colon descendens, Colon sigmoideum sowie das Rektum. Durch die klinisch wichtige Riolan-Anastomose zwischen A. colica media aus der A. mesenterica superior und A. colica sinistra aus der A. mesenterica inferior besteht eine Verbindung der Versorgungsgebiete dieser beiden Arterien.
  • A. suprarenalis media (paarig) - eines der drei Äste zur Versorung der Nebenniere • A. renalis (paarig) - zieht zur Niere
  • A. testicularis (bei Männern, paarig) - verläuft durch den Leistenkanal und versorgt den Hoden.
  • A. ovarica (bei Frauen, paarig) - zieht über das Lig. suspensorium ovarii zum Ovar.

Die Aorta abdominalis zweigt folgende parietale Äste ab:

  • A. phrenica inferior (paarig) - versorgt den unteren Teil des Zwerchfells
  • Aa. lumbales I-IV (paarig) - vier segmentale Arterien, die u.a. an der Versorgung der Rumpfwand und der Rückenmarkhäute beteiligt sind.
  • A. sacralis mediana - Endast der Bauchaorta, verläuft entlang des Os sacrum zum sogenannten Glomus coccygeum an der Spitze des Os coccygis.

Aortenbifurkation

Die Aorta abdominalis zweigt sich etwa auf Höhe des 4. Lendenwirbels in die paarigen Aa. iliacae communes auf. Diese Gabel wird als Aortenbifurkation (Bifurcatio aortae) bezeichnet. Die A. iliaca communis teilt sich in der Nähe des Iliosakralgelenks in die stärkere A. iliaca externa und die schwächere A. iliaca interna auf.

Histologie

Die Aorta weist den dreischichtigen Wandaufbau der großen Arterien auf, bestehend aus einer Tunica intima (Intima), Tunica media (Media) und Tunica adventitia (Adventitia).

Die Intima ist die innerste Schicht und besteht aus dem Endothel, das das Lumen auskleidet, sowie Bindegewebe. An die Intima schließt sich die Media an, die dickste aller drei Schichten. Die Aorta gehört zu den elastischen Arterien, daher besteht ihre Media überwiegend aus elastischen Fasern, die ihr eine reversible Dehnbarkeit verleihen. So gewährleistet sie einen kontinuierlichen, aber immer noch pulsierenden Blutfluss trotz hoher Druckunterschiede zwischen Systole und Diastole. Dieser Wirkungsmechanismus wird als Windkesselfunktion bezeichnet. Nach außen hin wird die Aorta durch die Adventitia abgegrenzt, eine dünne Bindegewebsschicht mit kleinen, die Aortenwand versorgenden Gefäßen (Vasa vasorum).

Embryologie

Grundlegende Strukturen des Kopfs und Halses enstehen aus den Schlundbögen (Kiemenbögen). Bei der Entwicklung enthält jeder Bogen eine eigene Schlundbogenarterie (Aortenbogen), die aus dem Truncus arteriosus über dem kranialen Teil der Herzschleife entspringt. Weiter hinten münden diese in die paarige Aorta dorsalis, die sich ihrerseits kaudal zur Aorta descendens vereinen. Es werden rechts und links sechs Aortenbögen angelegt, allerdings sind diese nie gleichzeitig vorhanden. Das bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Anlage des 6. Aortenbogens der 1. und 2. schon wieder zurückgebildet sind.

Der definitive Aortenbogen (Arcus aortae) wird aus dem linken 4. Aortenbogen gebildet. Unterbleibt die Rückbildung des rechten Aortenbogens, entsteht ein doppelter Aortenbogen, der sich als Gefäßring um Trachea und Ösophagus legt. Durch Komprimierung dieser Strukturen können so Atem- und Schluckbeschwerden auftreten.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • G. Aumüller, G. Aust, A. Doll et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2010), S. 558-561
  • D. Drenckhahn, J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008), S. 155-161
  • M.Schünke, E.Schulte, U. Schumacher: Prometheus LernAtlas der Anatomie - Innere Organe, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Georg Thieme Verlag (2012), S. 202-205
  • N. Ulfig: Kurzlehrbuch Embryologie, 2. überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2009), S. 89-90
  • H. van Aken, K. Reinhart, M. Zimpfer et al.: Intensivmedizin, 2.Auflage, Thieme (2007), S. 1042
  • W. Graumann, D. Sasse: CompactLehrbuch Anatomie - Band 4, Schattauer (2005), S. 537

Autor:

  • Laura Jung

Illustratoren: 

  • Aorta ascendens (Herz in situ) - Yousun Koh 
  • Aortenbogen (Herz in situ) - Yousun Koh 
  • Aorta thoracica (Sagitallschnitt) - Yousun Koh 
  • Aorta thoracica im Hiatus aorticus (Transversalschnitt) - Brendon Farley
  • Aorta abdominalis (ventrale Ansicht) - Irina Münstermann
  • Arteria iliaca communis sinistra (Sagittalschnitt) - Irina Münstermann
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