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Ureter (Harnleiter)

Inhalt

Einleitung

Die paarigen Ureter (Harnleiter) sind abgeflachte Röhren, die von den Nierenbecken zur Harnblase ziehen. Sie haben eine Länge von ca. 25-30 cm und einen Durchmesser von ca. 4-7 mm. Sie transportieren den in den Nieren produzierten Urin in die Harnblase mit Hilfe peristaltischer Bewegungen (1- bis 6-mal pro Minute).

Männliche Harnblase (en)
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Vordere Ansicht in koronaler Ebene der männlichen Blase in Becken und Beckenboden.

Verlauf

Im gesamten Verlauf liegt der Ureter retroperitoneal. Man unterscheidet zwischen drei Ureterabschnitten: Pars abdominalis, Pars pelvica und Pars intramuralis.

Pars abdominalis

Die Pars abdominalis beginnt am Nierenbecken auf Höhe des 2. Lendenwirbels. Von dort verläuft er kaudal entlang des Musculus psoas zwischen der Psoasfaszie (dorsal) und dem Peritoneum (ventral) und wird dabei von Fett umgeben. Im Verlauf überkreuzt er den Nervus genitofemoralis und unterkreuzt die Vasa testicularia (beim Mann) bzw. Vasa ovarica (bei der Frau). Der linke Ureter steht in Nachbarschaft mit der Aorta abdominalis, der rechte mit der Vena cava inferior.

Pars pelvica

Ab dem Übergang ins kleine Becken an der Linea terminalis beginnt die Pars pelvica, ab dem der Ureter entlang der seitlichen Beckenwand zieht. Zunächst verläuft er über die Vasa iliaca communia bzw. die Vasa iliacae externae, anschließend unterkreuzt er den Ductus deferens (beim Mann) bzw. die Arteria uterina (bei der Frau). Nun biegt er leicht nach medial und tritt auf beiden Seiten schräg kraniodorsal in den Fundus der Harnblase ein.

Pars intramuralis

Der kurze, enge Abschnitt innerhalb der Blase (Pars intramuralis) mündet im Ostium ureteris und wird dabei von der Längs- und Quermuskulatur der Blase umgeben. Durch die Verzahnung der Ureter- und Harnblasenmuskeln steht das Ostium unter Spannung und verhindert einen Reflux des Urins.

Engstellen

Der Ureter hat drei anatomische Engstellen, wo er einen zwei- bis viermal kleineren Durchmesser besitzt:

  • am Übergang vom Nierenbecken zum Ureter (ureteropelvic junction, UPJ)
  • an der Überkreuzung der Iliakalgefäße
  • beim Eintritt in die Harnblasenwand (die engste aller drei Stellen)

Auch an der Unterkreuzung der A. testicularis bzw. A. ovarica ist der Ureter enger als üblich. An diesen drei bis vier Engstellen bleiben auskristallisierte Bestandteile der Niere bevorzugt stecken (Harnstein) und verursachen krampfartige Schmerzen im hinteren seitlichen Unterbauch, die als Nierenkolik bezeichnet werden.

Versorgung

Arterien

Der Ureter ist ein reich vaskularisiertes Organ. Die arterielle Versorgung erfolgt durch zahlreiche Äste aus benachbarten Arterien (Rr. ureterici), die in den Ureter eindringen und untereinander ein Anastomosengeflecht bilden. Unter anderem kommen die Äste aus der A. renalis, A. testicularis bzw. A. ovarica, A. iliaca communis, iliaca externa sowie A. ductus deferentis bzw. A. uterina.

Venen

Das venöse Blut fließt über die gleichnamigen Venen ab, v.a. in die V. renalis, V. testicularis bzw. ovarica und V. iliaca interna. Zusätzlich drainiert es in die Venenplexus des kleinen Beckens und der Harnblase (Plexus venosus vesicalis).

Lymphabfluss

Kleinere Lymphbahnen laufen entlang des Ureters und münden in die gleichen Lymphknoten wie die Harnblase und Nieren, typischerweise in die Nll. lumbales (v.a. paraaortal und paracaval) und die Beckenlymphknoten Nll. iliaci communes et externi.

Innervation

Die Peristaltik des Ureters wird über eine komplexe Vernetzung von Nervenfasern kontrolliert. U.a. sind der Plexus hypogastricus superior et inferior, Nn. splanchnici pelvici und der Plexus aorticus abdominalis beteiligt. Die peristaltischen Wellen werden dabei - ähnlich wie beim Herzen - durch Schrittmacherzellen initiiert, die sich zwischen den Nieren und dem Nierenbecken befinden. Darüber hinaus erhält der Ureter sensible Fasern über die Nn. splanchnici und ist deshalb sehr schmerzempfindlich.

Histologie

Mikroskopisch ähnelt der Ureter dem Nierenbecken, jedoch mit einer deutlich dickeren Wand. Er besteht aus einer Tunica mucosa, Tunica muscularis und Tunica adventitia.

Die Tunica mucosa (Schleimhaut) ist durch 5- bis 7-reihige Deckzellen ausgekleidet, die ihre Form je nach Füllungszustand wechseln (von hochprismatisch zu flach). Dieses wird als Übergangsepithel oder Urothel bezeichnet und ist charakteristisch für harnableitende Organe. Direkt darauf liegt eine bindegewebige Verschiebeschicht mit vielen Blutgefäßen (Lamina propria). In das Lumen hinein wirft die Tunica mucosa Falten auf, die im ungedehnten Zustand ein sternförmiges Bild ergeben.

Die Tunica muscularis der Ureter besitzt zum größten Teil eine innere Längs- und eine äußere Ringmuskelschicht. Im distalen Drittel besitzt sie darüber hinaus eine weitere, dritte Längsmuskelschicht.

Die Tunica adventitia umhüllt die Muskelschicht mit lockerem Bindegewebe. Hier findet man zahlreiche Blutgefäße und Nerven.

Pathologie

Im Rahmen der emryologischen Entwicklung können Anomalien der Ureter entstehen. Eine häufige Fehlbildung ist der doppelte Ureter (Ureterduplikatur), bei der zwei Ureter auf eine Nierenanlage trifft. Typischerweise führt dies zu zwei Nieren mit seperaten Kelchsystemen, die jedoch über eine Parenchymbrücke miteinander verbunden sind (Doppelniere). Dieser Anomalie entsteht durch eine doppelte Ureterknospe in der embryologischen Entwicklung und kann bei bis zu 4% aller Menschen gefunden werden. In der Regel führt eine Doppelniere zu keinen Beschwerden und bedarf keiner Therapie.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • J. Fanghänel, F. Pera, F. Anderhuber et al: Waldeyer – Anatomie des Menschen, 17.Auflage, de Gruyter (2003), S. 1015-1016
  • J. Kirsch, C. A. May, D. Lorke et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Thieme Verlag (2010), S. 421-424
  • J. Deutsch, F. G. Schnekenburger: Pädiatrie und Kinderchirurgie für Pflegeberufe, Thieme Verlag (2009), S. 28-29
  • W. Graumann, D. Sasse: CompactLehrbuch Anatomie – Band 3 – Innere Organe, Schattauer Verlag (2004), S. 244-246
  • T. H. Schiebler, H.-W. Korf: Anatomie, 10.Auflage, Steinkopff Verlag (2007), S. 398-399
  • A. D. Smith et al.: Smith’s Textbook of Endourology, 2. Auflage, BC Decker Inc (2007), S.213-214
  • W. Kahle, H. Leonhard, W. Platzer: Color Atlas of Human Anatomy – Internal Organs – Volume 2, 4. Auflage, Thieme Verlag (1993), S. 266
  • W. Bentas: Urologische Erkrankungen der Niere und des Harnleiters. Universitätklinikum Frankfurt, Zentrum für Chirurgie, http://www.kgu.de/?id=970 (abgerufen am 22. März 2014)

Autor und Layout:

  • Achudhan Karunaharamoorthy

Illustratoren: 

  • Ureter / Harnleiter (grün), kraniodorsale Ansicht - Samantha Zimmerman
  • Ureter / Harnleiter (grün), ventrale Ansicht - Irina Münstermann
© Sofern nicht anders angegeben, sind alle Inhalte, inklusive der Illustrationen, ausschließliches Eigentum der kenHub GmbH. Sie sind durch deutsches und internationales Urheberrecht geschützt. Alle Rechte vorbehalten.
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