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Suprahyoidale Muskulatur

Inhalt

Verlauf und Versorgung

Die suprahyoidale Muskulatur umfasst vier Muskeln, die von der Mandibula und dem Os temporale zum Zungenbein ziehen (oberere Zungenbeinmuskeln). Zusammen bilden sie die muskuläre Grundlage des Mundbodens.

  • Musculus digastricus: besteht aus zwei Anteilen, die durch eine Zwischensehne getrennt werden. Der vordere Muskelbauch (Venter anterior) entspringt an der Fossa digastrica des Unterkieferknochens, der hintere (Venter posterior) an der Incisura mastoidea des Os temporale. Zusammen setzen sie an der Zwischensehne an, welche mit dem Zungenbein verbunden ist. Die Besonderheit des Digastricus ist, dass seine beiden Muskelbäuche unterschiedliche Ursprünge haben. Der vordere Bauch stammt aus dem 1. Schlundbogen und wird daher durch einen Ast des Nervus mandibularis innerviert (Nervus mylohyoideus). Der hintere Bauch dagegen stammt aus dem 2. Schlundbogen, weshalb er vom Nervus facialis versorgt wird.
  • Musculus mylohyoideus: zieht von der Linea mylohyoidea des Unterkiefers zu einer median verlaufenden Ansatzsehne (Raphe mylohyoidea), an der sich die Muskeln beider Seiten treffen. Diese Sehne verläuft nun weiter in Richtung des Zungenbeins. Die Innervation erfolgt ebenfalls über den Nervus mylohyoideus des Nervus mandibularis.
  • Musculus geniohyoideus: entspringt an der Spina mentalis an der Innenseite des Unterkiefers und strahlt fächerförmig zum Zungenbeinkörper. Er wird über Fasern des Plexus cervicalis (C1-C2) versorgt, die vom Nervus hypoglossus begleitet und als motorischer Ast abgespalten werden (Ramus geniohyoideus).
  • Musculus stylohyoideus: geht vom Processus styloideus des Os temporale zum Zungenbeinkörper. Dabei kommt es distal zu einer Spaltung der Ansatzsehne. Der Stylohyoideus wird vom Nervus facialis versorgt.

Alle suprahyoidalen Muskeln tragen zum Mundboden bei, doch die eigentliche Muskelplatte, die sich zwischen den Unterkieferästen spannt, wird durch die Mylohyoidei gebildet (Diaphragma oris). Von oben wird der Mundboden vor allem durch die Geniohyoidei verstärkt und von unten durch die vorderen Bäuche der Digastrici. Das Diagphragma oris trennt die Regio sublingualis von der Regio submandibularis, zwischen denen lediglich über das Bindegewebe am hinteren Mylohyoideus eine Verbindung besteht.

Suprahyoidale Muskulatur
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Ursprünge, Ansätze, Innervationen und Funktionen der suprahyoidalen Muskeln.

Funktion

Die suprahyoidale Muskulatur bildet nicht nur den Mundboden, sondern spielt eine wichtige Rolle für das Kauen, Schlucken und Sprechen. Gemeinsam mit den infrahyoidalen Muskeln sind sie für die Positionierung des Zungenbeins verantwortlich. Im Einzelnen heben der Digastricus und Stylohyoideus das Zungenbein beim Schluckakt und helfen darüberhinaus bei der Mundöffnung. Der Geniohyoideus bewegt das Zungenbein beim Schlucken nach vorne und unterstützt die Öffnung und Seitwärtsbewegung des Unterkiefers. Der Mylohyoideus spannt und hebt hauptsächlich den Mundboden, aber auch er kann bei der Kieferöffnung und Kaubewegungen helfen. Auf Grund ihrer Unterstützung währen des Kauakts werden die suprahyoidalen Muskeln auch als akzessorische Kaumuskeln bezeichnet.

Pathologie

Mundbodenphlegmone (Angina Ludovici) stellen eine seltene, jedoch gefährliche Komplikation von Karies, Zahnfleischentzündungen und Tonsillitiden dar. Dabei kommt es zu einer Ausbreitung von Bakterien in den bindegewebigen Räumen des Mundbodens und der Halsregion, die zu Fieber, schmerzhaften Schwellungen und Schluckstörungen führt. Über das Bindegewebe des Mylohyoideus können sie zudem problemlos von der Regio sublingualis zur Regio mandibularis wandern. Der Durchbruch in die para- und retropharyngealen Räume wird besonders gefürchtet, da die Erreger so nach oben das Schädelinnere erreichen oder ins Mediastinum absenken können.

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Quellen:

  • D. Drenckhahn, J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008), S. 185-186
  • T. Sadler: Medizinische Embryologie, 10. Auflage, Thieme Verlag (2003), S. 328-329
  • W. Graumann, D. Sasse: CompactLehrbuch Band 3 – Innere Organsysteme, Schattauer (2004), S. 25-26
  • W. Graumann, D. Sasse: CompactLehrbuch Band 4 – Sinnessysteme, Haut, ZNS, Periphere Leitungsbahnen, Schattauer (2005), S. 453-454
  • U. Reineke/R. Riemann: Facharztprüfung – Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Thieme Verlag (2007), S. 55
  • W. Remmele: Pathologie – Band 2 – Verdauungstrakt, 2. Auflage, Springer-Verlag (1996), S. 15

Autor:

  • Achudhan Karunaharamoorthy

Illustratoren: 

  • Die suprahyale Muskulatur - Yousun Koh 
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