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Nervus mandibularis

Der Nervus mandibularis ist der dritte und stärkste Ast des Nervus trigeminus (V3) und führt sensible sowie motorische Fasern für die Kaumuskeln, die Muskulatur des Mundbodens sowie die Musculi tensor veli palatini und tensor tympani.

Er versorgt sensibel die Haut, Schleimhaut, Zähne und Halteapparat der Unterkieferregion, zudem zieht ein Ast zur Schläfe.

Verlauf

Vom Ganglion trigeminale zieht der Nerv als kompakter Strang in Richtung Foramen ovale, verlässt durch dieses die Schädelhöhle und gelangt so medial des Musculus pterygoideus lateralis in die Fossa infratemporalis.

Nervus mandibularis - Ansicht von lateral-links

Sein erster Ast ist der Ramus meningeus, der durch das Foramen spinosum zur Dura und den Leptomeningen der mittleren Schädelgrube zieht. 

Ramus meningeus - Ansicht von lateral-links

Im Bereich seiner Durchtrittszone durch das Foramen ist der N. mandibularis vom Plexus venosus foraminis ovalis umschlungen, der intrakraniell mit dem Sinus cavernosus, dem Plexus venosus caroticus internus und den Venae meningeae mediae in Verbindung steht. 

In unmittelbarer Nähe seines extrakraniellen Austrittes aus dem Foramen ovale liegt das Ganglion oticum.

Foramen ovale - Ansicht von superior

Der Mandibularis-Hauptstamm teilt sich nach seinem Knochendurchtritt in verschiedene Äste. Diese werden in eine vordere und eine hintere Gruppe unterteilt, beide führen jeweils sensible und motorische Fasern. Jedoch ist die vordere Gruppe überwiegend motorisch und die hintere Gruppe überwiegend sensibel.

Äste

Vordere Gruppe

Der gesamte vordere Stamm wird auch als Nervus masticatorius (Kaunerv) bezeichnet und wird wiederum in die motorischen Äste und den einzigen sensiblen Ast (Nervus buccalis) unterteilt.

Zu den motorischen Ästen zählen die Nervi pterygoidei, die Nervi temporales profundi und der Nervus massetericus.

Der Nervus pterygoideus medialis verläuft unmittelbar am Ganglion oticum vorbei und zieht dann zum M. pterygoideus medialis, gelegentlich läuft er auch durch das Ganglion hindurch. In der Umgebung des Ganglions gibt der Nerv feine Äste für den M. tensor tympani und den M. tensor veli palatini ab. 

Ganglion oticum - Ansicht von lateral-links

Der Nervus pterygoideus lateralis läuft eine gewisse Strecke mit dem Nervus buccalis zusammen, z.T. auch als Bündel. Zu einem Faseraustausch kommt es dabei nur in seltenen Fällen. Er dringt in den M. pterygoideus lateralis ein und verzweigt sich dort in seine den Muskel versorgenden Endäste.

An der Unterseite der Schädelbasis ziehen die Nervi temporales profundi lateralwärts, biegen um die Crista infratemporalis und dringen in den M. temporalis ein.

Nervus temporalis profundus anterior - Ansicht von lateral-links

Der Nervus massetericus zieht durch die Incisura mandibulae zum M. masseter, den er innerviert, und zum Kiefergelenk, das er sensibel versorgt.

Nervus massetericus - Ansicht von lateral-links

Der einzige rein sensible Ast der vorderen Gruppe, der Nervus buccalis, zieht zunächst zwischen den beiden Köpfen des M. pterygoideus lateralis hindurch, um anschließend im lockeren Bindegewebe unter dem M. temporalis in Richtung der Außenfläche des M. buccinator zu verlaufen. Dabei wird er von der Arteria buccalis begleitet. 

Nervus buccalis - Ansicht von lateral-links

In seinem Verlauf zweigt er sich in zahlreiche Endäste auf, die Haut, Wangenschleimhaut und Zahnfleisch sensibel versorgen. Diese Äste anastomosieren mit den Rami alveolares superiores posteriores des Nervus maxillaris. Die Rami können dadurch einen aplastischen (fehlenden) Nervus buccalis ersetzen.

Auch wenn der Name es womöglich vermuten lässt, wird der M. buccinator selbst nicht vom Nervus buccalis, sondern von einem Ast des Nervus facialis innerviert. 

Hintere Gruppe

Der hintere Stamm läuft medial vom M. pterygoideus lateralis abwärts.

Der Nervus alveolaris inferior zieht durch das Foramen mandibulare in den Canalis mandibulae, einen knöchernen Kanal der Mandibula. Er stellt den Hauptstamm der hinteren Gruppe dar. Im Canalis mandibulae gibt er die Rami dentales inferiores für die Zähne des Unterkiefers ab, die gemeinsam den Plexus dentalis inferior bilden. 

Nervus alveolaris inferior - Ansicht von lateral-links

Der N. alveolaris inferior verlässt den knöchernen Kanal durch das Foramen mentale und wird ab seinem Austritt als Nervus mentalis bezeichnet. Er innerviert die Haut und Schleimhaut von Kinn und Unterlippe sensibel. 

Bereits vor Eintritt des N. alveolaris inferior in den Canalis mandibulae zweigt der Nervus mylohyoideus von diesem ab, verläuft im Sulcus mylohyoideus der Mandibula und gelangt zur Unterfläche des M. mylohyoideus, den er innerviert. Zudem gibt er Fasern an den Venter anterior des M. digastricus ab.

Nervus mylohyoideus - Ansicht von lateral-links

Relativ weit kranial geht vom hinteren Stamm der Nervus lingualis ab. Er zieht in das verschiebliche Bindegewebe zwischen den M. pterygoidei und verläuft zumeist medial der Arteria maxillaris. Er läuft an der Zunge, an der Außenfläche des M. hyoglossus, nach rostral.

Nervus lingualis - Ansicht von lateral-links

In seinem Verlauf entsendet er Äste zur Versorgung von Tonsillen, der Schleimhaut der hinteren Mundhöhle und des Mundbodens, zur Zunge und zur Glandula sublingualis

Zudem führt er präganglionäre parasympathische Fasern, die aus der Chorda tympani stammen, dem Nerv angelagert und im Ganglion submandibulare umgeschaltet werden. Dabei handelt es sich um Fasern zur Versorgung der Speicheldrüsen, der Glandula submandibularis und der Glandula sublingualis.

Glandula sublingualis - Ansicht von lateral-rechts

Außerdem trägt die Chorda tympani gustatorische Fasern (Geschmacksfasern) für die vorderen zwei Drittel der Zunge, deren Umschaltung bereits im Ganglion geniculi stattgefunden hat, die also ohne weitere Umschaltung durch das Ganglion submandibulare ziehen.

Der einzige Nerv der hinteren Gruppe, der nicht nach kaudal oder rostral läuft, ist der Nervus auriculotemporalis. Er zieht relativ kurz nach Austritt des Mandibularis-Hauptstammes aus dem Foramen ovale nach dorsokaudal, umschlingt die Arteria meningea media und gibt mehrere Fasern zum Ganglion oticum ab.

Nervus auriculotemporalis - Ansicht von lateral-links

Er umgreift die Articulatio temporomandibularis etwa bogenförmig von dorsal und kaudal und gelangt so zwischen Kiefergelenk und Meatus acusticus externus unter den kranialen Teil der Glandula parotis. 

Sein Versorgungsgebiet ist die Haut vor dem Ohr, der Schläfe, dem Gehörgang und dem Trommelfell. Zudem sind ihm postganglionäre parasympathische Fasern aus dem Ganglion oticum angelagert, die zur Glandula parotis ziehen.

Klinischer Aspekt

Die vorherigen Ausführungen haben deutlich gemacht, dass der Nervus mandibularis weitreichenden Einfluss auf die motorische und sensible Funktionalität besonders im Kieferbereich hat. Dies muss speziell bei zahnärztlichen Behandlungen beachtet werden.

Im Rahmen von oralchirurgischen Eingriffen ist die Irritation oder Schädigung einzelner Äste des Nervus mandibularis möglich. Beispielsweise kann bereits bei der lokalen Anästhesie die Kanüle falsch platziert werden und den Nervus lingualis (in den meisten Fällen) treffen. Die daraus folgende intraneurale Injektion führt hier zu Sensibilitätsstörungen, vor allem Geschmacksstörungen, der Zunge. Mitunter regeneriert der Nerv spontan, allerdings sind Komplikationen im Sinne von Kompressionen des Nervs durch Ödeme möglich. 

Vermeidbar sind Falschinjektionen insbesondere durch eine ausführliche präoperative Diagnostik, bei der die individuellen anatomischen Begebenheiten genauestens untersucht werden. Zusätzlich ist die Nutzung geeigneter, das heißt stumpfer Werkzeuge unabdingbar.

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Quellen anzeigen

Quellen: 

  • M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher et al.: Kopf, Hals und Neuroanatomie – Prometheus, 2. Auflage, Thieme (2009), S. 107
  • D. Drenckhahn, A. Benninghoff: Anatomie - Band 2, 16. Auflage, Elsevier (2004), S. 555 f.
  • W. Kahle, M. Frotscher: Nervensystem und Sinnesorgane – Taschenatlas Anatomie, 10. Auflage, Thieme (2009), S. 126 f.
  • T. von Lanz, W. Wachsmuth: Praktische Anatomie (Kopf – übergeordnete Systeme), Sonderausgabe der 1985 erschienen 1. Auflage, Springer (2004), S. 467 ff.
  • Dr. Jörg Neugebauer, Dr. Dr. Joachim Zöller, Dr. Dr. Martin Scheer: Risikofaktoren in der Oralchirurgie. ZWP-online, https://www.zwp-online.info/fachgebiete/oralchirurgie/problemmanagement/risikofaktoren-der-oralchirurgie (abgerufen am 18.Oktober 2018)

Text, Review, Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Dr. med. Charlotte Barthe
  • Nicole Gonzalez

Illustration:

  • Nervus mandibularis - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Ramus meningeus - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Ganglion oticum - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus temporalis profundus anterior - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus massetericus - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus buccalis - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus alveolaris inferior - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus mylohyoideus - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Nervus lingualis - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Glandula sublingualis - Ansicht von lateral-rechts - Paul Kim
  • Nervus auriculotemporalis - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Foramen ovale - Ansicht von superior - Yousun Koh
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