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Musculus latissimus dorsi

Inhalt

Verlauf und Versorgung

Der Musculus latissimus dorsi ist der großflächigste Muskel des Menschen. Er ist vergleichsweise dünn und überdeckt an der dorsalen Rumpfwand fast alle Rückenmuskeln (außer den Trapezius). In der Axilla bildet er gemeinsam mit dem Teres major die hintere Achselfalte (Plica axillaris posterior), wo er am dicksten und deshalb gut zu palpieren ist. Beim Latissimus dorsi werden – abhängig vom Ursprung – vier Anteile unterschieden:

  • Pars vertebralis: Processus spinosi der 7.-12. Brustwirbel, Fascia thoracolumbalis
  • Pars iliaca: Crista iliaca
  • Pars costalis: 9.-12. Rippe
  • Pars scapularis: Angulus inferior der Scapula (inkonstant)

Alle Fasern setzen gemeinsam im Sulcus intertubercularis humeri– zwischen dem Pectoralis major und Teres major – an. (Achtung: Nach deutscher Lehrmeinung enden die Fasern an der Crista tuberculi minoris des Humerus ​!) Im Verlauf drehen sich dabei die Fasern spiralförmig um den Teres major (Torsion), sodass die unteren Fasern des Latissimus dorsi proximal am Humerus ansetzen und die oberen Fasern dagegen distal. Die Innervation erfolgt über den Nervus thoracodorsalis (C6-C8), einem Ast des Plexus brachialis.

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Funktion

Der Latissimus dorsi macht zahlreiche unterschiedliche Bewegungen. Auf Grund der Überkreuzung der Muskelfasern am Ansatzpunkt führt seine Kontraktion zu einer Innenrotation des Humerus. Zudem zieht er den Humerus an den Rumpf (Adduktion) und dahinter (Retroversion). Am kraftvollsten ist dies beim zuvor gehobenen Arm, wodurch die Torsion aufgehoben und der Muskel maximal gestreckt wird (z.B. beim Holzhacken). Dank dieser drei Bewegungen am Schultergelenk zählt er gemeinsam mit dem Pectoralis major zu den wichtigsten „Schwimmermuskeln“ des Menschen.

Ist der Humerus fixiert, führt die Kontraktion des Latissimus dorsi zu zwei Bewegungen im Rumpf. Er wird zum einen gehoben, welches besonders effektiv beim Klettern oder Klimmzug zum Tragen kommt, und zum anderen nach vorne bewegt, z.B. nützlich beim Skilanglaufen.

Eine dritte wichtige Funktion des Muskels ist die Unterstützung der Atmung. Durch die Kontraktion der Muskeln auf beiden Seiten kommt es hierbei zu einer Komprimierung des Brustkorbs, wodurch die Ausatmung erleichtert wird (exspiratorischer Atemhilfsmuskel). Insbesondere bei Hustanfällen kann man den Muskel deutlich spüren („Hustenmuskel“).

Pathologie

Eine Schädigung des Plexus brachialis kann den Nervus thoracodorsalis lähmen und so den Latissimus dorsi beeinträchtigen. Eine isolierte Läsion des Nervs (z.B. durch Trauma) kommt dagegen sehr selten vor. Klinisch auffällig sind das fehlende muskuläre Relief des Rückens und der hinteren Achselfalte. Im Alltag kann sich die Lähmung des Muskels durch eine leichte Schwäche in der Schulter bemerkbar machen, doch im Allgemeinen wird das Defizit durch die restlichen Muskeln sehr gut kompensiert.

Der Latissimus dorsi wird gerne bei der Rekonstruktion der vorderen Thoraxwand eingesetzt, z.B. nach einer Mastektomie oder einer größeren Verletzung der Brust. Hierbei wird er vom Ursprung getrennt und gemeinsam mit Haut, Unterhautfettgewebe und evtl. einem Implantat in die vordere Brustwand wieder eingesetzt. Der Muskel wird in der hinteren Axilla um den Gefäß-Nerven-Bündel rotiert, sodass er sich trotz Verlegung weiterhin problemlos ernähren kann. Diese sogenannte gestielte Latissimus-dorsi-Lappenplastik zählt zu den häufigsten Methoden zur Brustrekonstruktion weltweit.

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Quellen:

  • M. Schünke/E. Schulte/U. Schumacher: Prometheus – LernAtlas der Anatomie – Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2.Auflage, Thieme Verlag (2007), S.300-301
  • J. E. Muscolino: The muscular system manual – The skeletal muscles of the human body, 2.Auflage, Elsevier Mosby (2005), S.206-210
  • W. Graumann/ D.Sasse: CompactLehrbuch der gesamten Anatomie – Band 2 – Bewegungsapparat, Schattauer Verlag (2003), S.269-270
  • C. J. Gabka/H. Bohmert: Plastische und rekonstruktive Chirurgie der Brust, 2.Auflage, Thieme Verlag (2006), S.100-104
  • J. Heisel: Neurologische Differenzialdiagnostik, Thieme Verlag (2007), S.121

Autor:

  • Achudhan Karunaharamoorthy

Illustratoren: 

  • Musculus latissimus dorsi - Yousun Koh 
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