Musculus obliquus inferior
Der Musculus obliquus inferior (unterer schräger Augenmuskel) ist der kürzeste aller extraokulärer Augenmuskeln.
Verlauf und Versorgung
Er hat seinen Ursprung - im Gegensatz zu den meisten anderen - nicht am Anulus tendineus communis (Zinn-Sehnenring), sondern an der Maxilla neben dem Eingang des Tränennasenkanals (Ductus nasolacrimalis) nahe des Orbitabodens. Von hier aus verläuft er nach dorsolateral, wobei er durch eine Fettschicht von der Periorbita abgegrenzt wird.
Musculus obliquus inferior / unterer schräger Augenmuskel - lateral links
Arteria infraorbitalis / Unteraugenhöhlenarterie - lateral rechts
Die Blutversorgung erfolgt durch Äste der A. infraorbitalis sowie Aa. ciliares aus der A. ophthalmica. Die nervale Innervation erfolgt durch den R. inferior des N. oculomotorius.
Funktion
Der M. obliquus inferior fungiert als schräger Vertikalmotor hauptsächlich bei der Außenrotation des Auges, die insbesondere bei einer Abduktion des Auges deutlich wird. Er unterstützt die Elevation, insbesondere beim adduzierten Blick. Weiterhin wirkt er bei der Abduktion des Auges mit.
Pathologie
Durch einen Ausfall des versorgenden Hirnnervs kann eine äußere Okulomotoriusparese auftreten. Im Gegensatz zur inneren Okulomotoriusparese bleibt dabei die Pupillenfunktion weiterhin intakt. Zu den Ursachen zählen v.a. Diabetes mellitus (mikroangiopathisch) und Vaskulitiden (entzündlich), seltener Tumore. Bei einem plötzlichen Beginn muss stets an ein Infarkt oder ein blutendes Aneurysma gedacht werden.
Das klinische Bild variiert je nachdem, welche Augenmuskeln von der Parese betroffen sind. Bei einer kompletten äußeren Okulomotoriusparese sind neben dem M. obliquus inferior auch die Mm. recti superior, inferior und medialis sowie der M. levator palpebrae gelähmt, die alle durch den N. oculomotorius versorgt werden.
Durch das hängende Oberlid entstehen dabei keine Doppelbilder ("gnädige Ptosis"). Durch das passive Anheben des Oberlids sieht man, dass das Auge nach außen und unten zeigt (Überwiegen der Mm. rectus lateralis und obliquus superior). Bei einer Überprüfung der Augenbewegungen verhindert eine Parese des M. obliquus inferior die Außenrotation.
