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Radialismuskulatur des Unterarms

Inhalt

Anatomie und Versorgung

Die Radialismuskulatur besteht aus drei Muskeln, die am lateralen Unterarm liegen. Sie verlaufen vom Bereich des lateralen Epicondylus des Humerus zum Handgelenk. Ihre Muskelbäuche und Sehnen liegen relativ oberflächlich und können daher sehr einfach ertastet werden. Zur Radialismuskulatur gehören:

  • Musculus brachioradialis: entspringt an der Crista supracondylaris lateralis (zwischen dem Brachialis und dem lateralen Trizepskopf) und am Septum intermusculare brachii laterale und setzt am Processus styloideus radii an. Dieser kräftiger Muskel prägt vor allem die lateralen Konturen der Ellenbeuge und des Unterarms.
  • Musculus extensor carpi radialis longus: hat seinen Ursprung etwas weiter unten an der Crista supracondylaris lateralis und setzt an der dorsalen Basis des zweiten Os metacarpale an. Er verläuft zum größten Teil unter dem Brachioradialis.
  • Musculus extensor carpi radialis brevis: entspringt am Epicondylus lateralis humeri an der gemeinsamen Ursprungssehne der oberflächlichen Extensoren des Unterarms. Von dort zieht er zur dorsalen Basis des dritten Os metacarpale.

Alle Muskeln der Radialismuskulatur werden durch den Nervus radialis (C5-C8) innerviert. Dieser verläuft am distalen Oberarm zwischen dem Brachioradialis und Brachialis zur Ellenbeuge und spaltet sich auf Höhe des Radiusköpfchen in einen Ramus superficialis und Ramus profundus. Der Ramus superficialis nutzt nun den Brachioradialis als Leitstruktur auf dem Weg zum Handgelenk, bevor er distal zur Streckseite gelangt. Dagegen durchsticht der Ramus profundus den Supinator und zieht weiter zu den Extensoren des Unterarms. Bemerkenswert ist, dass die versorgenden Äste des Brachioradialis und Extensor carpi radialis longus bereits vor der Spaltung des Radialnervs abgegeben werden, während der Extensor carpi radialis brevis erst vom Nervus interosseus posterior, einem Ast des Ramus profundus, versorgt wird.

Extensoren des Unterarms
Videoempfehlung: Extensoren des Unterarms
Überblick über die dorsalen Muskeln des Unterarms.

Funktion

Die Radialismuskulatur unterstützt Bewegungen im Ellenbogen sowie im Hand- und Unterarmgelenk. Der Brachioradialis ist ein starker Beugermuskel des Ellenbogens. Des Weiteren kann er den Unterarm bis zur Neutral-Null-Stellung supinieren oder pronieren, jedoch nicht darüber hinaus. Aus diesem Grund ist die Beugung des Ellenbogens in der Neutral-Null-Stellung am kraftvollsten. Die Extensor carpi radialis longus und brevis sind dagegen schwache Beuger des Ellenbogengelenks. Ihre wichtigere Funktion ist die Dorsalextension und Radialabduktion im Handgelenk. Sie beide werden auch als Faustschlusshelfer bezeichnet, da sie durch ihre Kontraktion die Flexoren der Hand- und Fingergelenke vordehnen und so den Faustschluss verstärken.

Pathologie

In der neurologischen Untersuchung wird der Brachioradialis als Kennmuskel für die Nervenwurzeln C5 und C6 genutzt. Als Test dient dabei der Radiusperiostreflex (RPR), bei der durch einen Schlag am distalen Radiusende eine Beugung im Ellenbogengelenk erzeugt wird. Ist der Reflex geschwächt oder negativ, kann dies für eine Schädigung an den Nervenwurzeln sprechen. Eine Alternative oder Ergänzung zum Radiusperiostreflex ist der Bizepssehnenreflex (BSR).

Bei vielen sportlichen und beruflichen Aktivitäten ist eine dauernde Streckung des Handgelenks gefordert (z.B. beim Schraubendrehen oder Wandstreichen). Bei einer Fehlbelastung führt dies langfristig zu Mikrotraumata, Entzündungen bis hin zu Rissen in den Sehnen der Streckmuskeln des Handgelenks. Besonders häufig ist die Ursprungssehne des Extensor carpi radialis brevis betroffen (Epicondylitis lateralis humeri). Die Patienten zeigen klassischerweise eine verminderte Streckfähigkeit der Hand sowie Schmerzen im Bereich des lateralen Ellenbogens, die sich bei der Streckung der Hand verstärken. Da Tennisspieler besonders oft von der Epicondylitis laterlis humeri betroffen sind, ist diese Erkrankung auch als „Tennisellenbogen“ bekannt.

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Quellen:

  • M. Schünke/E. Schulte/U. Schumacher: Prometheus – LernAtlas der Anatomie – Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. Auflage, Thieme Verlag (2007), S. 310-311
  • J. E. Muscolino: The muscular system manual – The skeletal muscles of the human body, 2. Auflage, Elsevier Mosby (2005), S. 586-588, 603-608
  • W. Kahle/M. Frotscher: Taschenatlas Anatomie – Band 3 – Nervensystem und Sinnesorgane, 10. Auflage, Thieme Verlag (2009), S. 82-83
  • I. Reuter: Radiusperiostreflex, Lexikon Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer Medizin (Link) S. D. Waldman: Atlas of common pain syndromes, Saunders (2002), S. 98-100

Autor:

  • Achudhan Karunaharamoorthy

Illustratoren: 

  • Mm. extensor carpi radialis longus & brevis - Yousun Koh 
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