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”Ich kann ernsthaft behaupten, dass Kenhub meine Lernzeit halbiert hat.” – Mehr lesen. Kim Bengochea Kim Bengochea, Regis University, Denver

Hand und Handgelenk

Die Hand des Menschen ist eine faszinierende Struktur. Auf der einen Seite kann eine Hand stark genug sein, einen Kletterer am Berg festzuhalten. Auf der anderen Seite können mit der Hand kleinste Objekte präzise bewegt werden und manche Menschen weisen eine bewundernswerte Fingerfertigkeit auf. 

Die Hand selbst besteht aus vielen kleinen Knochen, an denen wiederum zahlreiche Muskeln ansetzen. Außerdem befinden sich in diesem Bereich sehr viele Gefäße und Nerven, die die Hand mit Blut versorgen und sie innervieren. Die Muskeln der Hand selbst sind interessanterweise nur teilweise an den Bewegungen der Finger und der Hand beteiligt. Es sind vielmehr die Muskeln des Unterarms, die mit ihren langen Sehnen in die Hand einstrahlen und an Handwurzel- und Fingerknochen ansetzen. Sie sind hauptverantwortlich für die Bewegungen die im Handgelenk und den Fingergelenken durchgeführt werden können. 

Um den Aufbau und die Funktionen der Hand so richtig verstehen zu können, musst du die Anatomie gut im Griff (Wortspiel ist an dieser Stelle beabsichtigt) haben. Auf dieser Seite werden wir uns die Anatomie der Hand strukturiert anschauen. 

Kurzfakten zur Anatomie der Hand
Knochen

Handwurzelknochen: Os scaphoideum, Os lunatum, Os triquetrum, Os pisiforme, Os trapezium, Os trapezoideum, Os capitatum, Os hamatum

Mittelhandknochen: Röhrenknochen mit Basis, Schaft und Kopf

Fingerknochen: Phalanx proximalis, medialis und distalis

Muskeln

Thenarmuskeln: Mm. abductor pollicis brevis, adductor pollicis, flexor pollicis brevis, opponens pollicis

Hypothenarmuskeln: Mm. abductor digiti minimi, flexor digiti minimi brevis, opponens digiti minimi, palmaris brevis

Muskeln des Handtellers: Mm. lumbricales, interossei palmares und dorsales

Nerven

Der Nervus medianus und seine Äste (Nn. digitales palmares communes und digitales proprii) innervieren hauptsächlich die Thenarmuskulatur.

Der Nervus radialis innerviert die Außenseite des Daumen sensibel.

Der Nervus ulnaris und seine Äste (Rr. superficialis, profundus und dorsalis) innervieren die Hypothenarmuskulatur und die anderen Muskeln der Hand.

Arterien

Alle Arterien stammen von den Aa. radialis und ulnaris.

Dazu gehören: Aa. palmaris superficialis und profundus, Aa. digitales palmares communes und propriae, Rete carpale dorsale, Aa. metacarpales dorsales, Aa. digitales dorsales und A. princeps pollicis

Venen

Arcus venosus palmaris superficialis und profundus, Rete venosum dorsale, Vv. digitales palmares, Vv. metacarpales palmares

Die Venen münden alle in die V. radialis oder ulnaris.

Handgelenk Das Handgelenk ist zu verschiedenen Bewegungen (Flexion, Extension, Abduktion, Adduktion) fähig. Außerdem befindet sich hier der Karpaltunnel, durch den Gefäße, Nerven und Sehnen vom Unterarm zur Hand gelangen.

Knochen der Hand und des Handgelenks

Die Knochen der Hand kann man unterteilen in:

Handwurzelknochen

Die Handwurzelknochen bestehen aus insgesamt acht kleinen Knochen. Direkt an Ulna und Radius (Elle und Speiche) grenzt die Hälfte der acht Ossa carpi an. Von radial nach ulnar:

Durch diese vier Knochen wird zusammen mit dem Radius das proximale Handgelenk (Art. radiocarpalis) gebildet.

Das distale Handgelenk (Art. mediocarpalis) besteht aus den o.g. Knochen der proximalen Reihe und denen der distalen Reihe.

Diese sind von radial nach ulnar:

  • großes Vieleckbein (Os trapezium)
  • kleines Vieleckbein (Os trapezoideum)
  • Kopfbein (Os capitatum)
  • Hakenbein (Os hamatum)

Die Handwurzelknochen haben natürlich auch eine klinische Relevanz. Sie werden beispielsweise vom Retinaculum flexorum überspannt. Dieses Band bildet den Karpaltunnel, in dem u.a. der Nervus medianus liegt.

Mittelhandknochen und Fingerknochen

An die Handwurzel grenzen die Mittelhandknochen (Ossa metacarpalia) an. Distal davon befinden sich die Fingerknochen.

Die Ossa digitorum bestehen aus drei Knochen:

  • Phalanx proximalis
  • Phalanx medialis
  • Phalanx distalis

Die Ausnahme hiervon bildet der Daumen, der nur aus Phalanx proximalis und Phalanx distalis besteht.

Durch diese Knochen bilden sich an den Fingern 2-5 jeweils drei Gelenke, nämlich das Fingergrundgelenk, das proximale Interphalangealgelenk (PIP) und das distale Interphalangealgelenk (DIP).

Der Daumen (Pollex) besteht lediglich aus dem Grundgelenk und dem Endgelenk.

Muskeln der Hand

An der Hand selbst gibt es lange und kurze Handmuskeln. Die langen Handmuskeln haben in ihren Ursprung am Unterarm und werden hier nicht weiter beschrieben. Die kurzen Muskeln kann man in Muskeln des Handtellers, Muskeln des Kleinfingerballens und Muskeln des Daumenballens einteilen.

Handtellermuskeln

Die Muskeln des Handtellers bestehen aus:

Die wichtigsten Funktionen der beiden letztgenannten Muskelgruppen sind die Beugung der Fingergrundgelenke, sowie die Streckung der Mittelgelenke. Innerviert werden die Mm. interossei vom Ramus profundus des N. ulnaris. Wichtigste Aufgabe der Mm. lumbricales besteht in der Streckung der Endgelenke und der Beugung der Grundgelenke. Die Lumbricales des 2. und 3. Fingers werden vom N. medianus innerviert, die des 4. und 5. Fingers vom Ramus profundus des N. ulnaris.

Hypothenarmuskeln

Die Hypothenarmuskeln (Muskeln des Kleinfingerballens) bestehen aus:

Alle diese Muskeln werden vom N. ulnaris versorgt. Die wichtigsten Funktionen dieser Muskeln sind die Beugung des Kleinfingers im Grundgelenk, die Abduktion (M. abductor digiti minimi), sowie die Opposition (M. opponens digiti minimi). Unter Opposition versteht man die Bildung einer „Hohlhand“ mit den Fingern.

Thenarmuskeln

Zu den Thenarmuskeln (Muskeln des Daumenballens) zählen folgende Muskeln:

Die ersten beiden werden vom N. medianus innerviert, während der M. adductor pollicis vom N. ulnaris innerviert wird, der M. flexor pollicis brevis wird von beiden Nerven innerviert.  

Aufgabe des M. abductor pollicis ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Abduktionsbewegung des Daumens. Der M. flexor pollicis brevis beugt das Grundgelenk, streckt das Endgelenk und kann im Daumensattelgelenk sowohl abduzieren, als auch adduzieren. Eine Rotation und Flexion im Daumensattelgelenk wird durch den M. opponens pollicis erzeugt. Der wichtigste Adduktor des Daumens ist der M. adductor pollicis.

Arterien und Venen der Hand

Die Hand ist die distalste Struktur der oberen Extremitäten. Aus diesem Grund findet man in der Hand einige Anastomosen, die dort ein komplexes Netzwerk von Gefäßen bilden. Die Arterien der Hand kommen alle ursprünglich aus den zwei großen Gefäßen des Unterarms: der Arteria radialis und der Arteria ulnaris. Wie ihr Name ja schon verrät, verläuft die eine auf der radialen und die andere auf der ulnaren Seite des Unterarms vom Ellenbogen bis zur Hand.

Die Arteria radialis und die Arteria ulnaris geben zusammen folgende arterielle Äste an die Hand ab: 

  • Arcus palmaris superficialis 
  • Arcus palmaris profundus
  • Arteriae digitales palmares communes
  • Arteriae digitales palmares propriae
  • Rete carpale dorsale
  • Arteriae metacarpales dorsales
  • Arteriae digitales dorsales
  • Arteria princeps pollicis

Die Venen der Hand verlaufen ähnlich wie die Arterien. Hast du einmal die arterielle Versorgung der Hand verstanden, dann ist der Verlauf der Venen kein Problem mehr für dich. In dem letzten Video gibt es auch einen Beitrag zu den Venen der Hand. 

Die Venen der Hand fließen ihrerseits dann entweder in die Vena radialis oder die Vena ulnaris. 

Zu den Venen der Hand gehören die Folgenden:

  • Arcus venosus palmaris superficialis
  • Arcus venosus palmaris profundus
  • Rete venosum dorsale
  • Venae digitales palmares
  • Venae metacarpales palmares

Sieh dir unsere Lernmaterialien an, um mehr über die Gefäß-Nerven-Versorgung der Hand zu erfahren:

Nerven der Hand

Die Nerven, die die Handmuskulatur innervieren, entspringen aus einem Nervengeflecht einige Etagen weiter oben: dem Plexus brachialis. Der Plexus brachialis wird von mehreren Rami anteriores der Spinalnervensegmente C5 bis C8 und Th1 gebildet. Die für die Hand wichtigen Nerven des Plexus brachialis sind der Nervus radialis, der Nervus medianus und der Nervus ulnaris.

Der Nervus radialis innerviert die Hand lediglich sensibel. Dabei beschränkt sich sein sensibles Innervationsgebiet auf die Außenseite des Daumens.

Im Gegensatz dazu innervieren die anderen beiden Nerven die Handmuskulatur motorisch. Der Nervus medianus innerviert vor allem die Thenarmuskulatur. Der Nervus ulnaris dagegen versorgt die Muskeln des Hypothenar und andere Muskeln in der Hand.

Im Folgenden siehst du eine Auflistung der wichtigsten Nervenäste dieser beiden Nerven:

  • Nervus medianus
  1. Nervi digitales palmares communes
  2. Nervi digitales proprii 
  • Nervus ulnaris
  1. Ramus superficialis
  2. Ramus profundus
  3. Ramus dorsalis

Um dein Wissen über die Innervation der Hand noch zu vertiefen, empfehlen wir dir die folgenden Lernmaterialien. Dabei wird es nochmal genauer um den Plexus brachialis gehen.

Individuelles Quiz:

Benutzerdefinierte Quizze ermöglichen es dir, dein Wissen zur Anatomie Hand und des Handgelenks individuell zu testen. Du kannst dabei dein Quiz speziell auf die Knochen, die Muskeln (mitsamt aller Ansatzpunkte, Innervation und Funktion), die Arterien und Venen oder die Nerven begrenzen. Du kannst aber auch mehrere oder alle Themen zur Hand-Anatomie gleichzeitig trainieren. Probier es aus! Es lohnt sich!

Klinik

Ein sehr häufiger Beratungsanlass in der Orthopädie, Allgemeinmedizin und Chirurgie ist das Ganglion, klinisch und umgangssprachlich als Überbein bezeichnet. 

Dabei handelt es sich um eine Gewebsneubildung, die sich in der Nähe von Gelenken, Sehnen- und Nervenscheiden, aber auch in Sehnen und Menisken entwickeln kann. Sie ist mit gallertartiger Masse gefüllt und von einer Bindegewebskapsel umgeben. Häufig besteht eine Verbindung zur Gelenkkapsel, durch die dann auch ein Flüssigkeitsaustausch möglich ist.

Das Auftreten im Bereich des Handgelenkes sowie des Überganges zwischen Handgelenk und Hand ist häufig. Unterschieden werden hier dorsale und palmare Ganglien. Die Ätiologie ist unklar. Fehl- und Überbelastung werden als begünstigende Faktoren angenommen. 

Ein Ganglion am Handgelenk ist meist vor allem bei Bewegung symptomatisch, vor allem die dorsale Form. Neben dem Schmerz als Symptom führt es häufig auch zur Bewegungseinschränkung des Handgelenks, da es eine Gelenkhemmung bewirkt. Bei der Palmarflexion kommt es zur Dehnung der Gelenkkapsel, die mit dem Ganglion in Verbindung steht. Bei der Plantarextension hingegen wird das Ganglion selbst tiefer in seinen Ansatzbereich hineingepresst. Seltener ist der Schmerz durch Druck auf umliegende Strukturen. Asymptomatische Formen kommen ebenso vor.

Die Diagnose des Überbeins am Handgelenk erfolgt klinisch. Bei Verdacht auf eine andere Diagnose kann zum Ausschluss eine MRT durchgeführt werden.

Die Therapie kann symptomatisch konservativ oder operativ erfolgen. Bei der symptomatischen konservativen Therapie steht die zeitweilige Behandlung der Beschwerden im Vordergrund. Sie ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn eine absolute Kontraindikation für eine OP besteht oder Zeit bis zu einer OP überbrückt werden soll.

Die operative Therapie ist Mittel der Wahl. Vor einer OP soll eine MRT durchgeführt werden, um ein genaues Bild der Topographie zu erhalten. Grundprinzip der OP ist die radikale Resektion samt des degenerierten Kapselanteils an der Stelle der Verbindung mit der Gelenkkapsel oder der Sehnenscheide. Indikation für einen solchen Eingriff sind sowohl Schmerzen als auch ästhetische Gründe bei großen Ganglien.

Die Indikation zur OP sollte gründlich geprüft und der Eingriff nicht zu zeitig erfolgen. Häufig kommt es auch zur spontanen Rückbildung, wobei dann trotzdem wieder Rezidive auftreten können. Auch nach einer OP kann es zu einem Rezidiv kommen, eine weitere OP ist dann allerdings sehr gründlich zu prüfen – ein Zweiteingriff ist schwieriger, da der OP-Bereich dann bereits durch Narbengewebe verändert ist.

Obsolet sind Punktionen, da sich die Kapsel schnell wieder füllt.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • H. Lippert, D. Herbold, W. Lippert-Burmester: Anatomie Text und Atlas, 8. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2006), S. 146-161
  • A. Benninghoff, D. Drenckhahn: Anatomie, Band 1, 16. Auflage, Urban & Fischer Verlag (2003), S. 314-340
  • H.-P. Bruch, O. Trentz: Berchtold Chirurgie, 6. Auflage, Elsevier Verlag (2008), S. 507-514
  • F. Netter: Atlas der Anatomie des Menschen, 3. Auflage, Thieme Verlag (2006)
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