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Retina - Histologie

Die Retina (innere Augenhaut, Tunica interna bulbi, Netzhaut) ist ein neuronal-epithelialer Bestandteil des Auges.

Sie ist hochgradig differenziert, besitzt eine ausgiebige Schichtung und weist lokale Besonderheiten auf, die in der histologischen Betrachtung differentialdiagnostisch zu berücksichtigen sind.

Kurzfakten - Schichten der Retina
Pigmentepithel - Kubisches Epithel
Stäbchen und Zapfen

- Frei von Zellkörpern

- blasse Färbung

Äußere Grenzschicht - Im Präparat nur schwer erkennbar
Äußere Körnerschicht

- Reich an Zellkernen

- Breiteste Schicht

Äußere plexiforme Schicht - Keine Zellkerne
Innere Körnerschicht

- Reich an Zellkernen

- Schmaler als äußere Körnerschicht

Innere plexiforme Schicht

- Breiter und blasser als vorherige zellfreie Schichten

- enthält vereinzelt Kerne großer Zellen

Ganglienzellschicht - Schmal mit Zellkernen unterschiedlicher Größe
Nervenfaserschicht - Enthält Axone, die den N. opticus bilden
Innere Grenzschicht - Besteht aus Endfüßchen der Müller-Zellen

Erkennungsmerkmale 

Die Retina lässt sich in der lichtmikroskopischen Darstellung in zehn einzelne Schichten unterteilen, deren Ausprägung in unterschiedlichen Lokalisationen verschieden ausfällt. Daher ist die Erkennbarkeit und die mögliche Differentialdiagnose eines Retina-Präparates deutlich von der Lokalisation des Schnittes abhängig. Zudem gibt es in Präparaten der Retina gehäuft Artefakte, welche die Zuordnung erschweren können. 

Histologischer Schnitt der Retina

Unterschieden werden die Schichten – aneinander grenzend von bulbusfern bis bulbusnah – wie folgt:

  • Pigmentepithel (Stratum pigmentosum)
  • Stäbchen und Zapfen (Stratum neuroepitheliale)
  • äußere Grenzschicht (Stratum limitans externum)
  • äußere Körnerschicht (Stratum nucleare externum)
  • äußere plexiforme Schicht (Stratum plexiforme externum)
  • innere Körnerschicht (Stratum nucleare internum)
  • innere plexiforme Schicht (Stratum plexiforme internum)
  • Ganglienzellschicht (Stratum ganglionare)
  • Nervenfaserschicht (Stratum neurofibrosum)
  • innere Grenzschicht (Stratum limitans internum)

Das Pigmentepithel liegt der Choroidea an und stellt sich als kubisches Epithel dar. Zwischen Choroidea und Pigmentepithel findet sich regelmäßig ein Spaltraum, der durch Aufarbeitung des Präparates bedingt ist und in vivo nicht existiert. Es handelt sich also um ein Artefakt.

Die Außen- und Innensegmente der Stäbchen und Zapfen sind eine Schicht, die im Wesentlichen frei von Zellkörpern ist und in der Übersichtsfärbung blass erscheint. Sie ist sehr scharf von der darauffolgenden äußeren Körnerschicht, die reich an Zellkernen ist und zumeist die breiteste Schicht darstellt, abgegrenzt.

Auf die äußere Körnerschicht folgt die äußere plexiforme Schicht mit ebenfalls scharfem Übergang. Auch die äußere plexiforme Schicht enthält praktisch keine Zellkerne und ist blasser als die Schicht der Außen- und Innensegmente der Stäbchen und Zapfen. Ihr schließt sich die innere Körnerschicht an. Diese ist reich an Zellkernen, aber schmaler als die äußere Körnerschicht.

Mit sehr scharfem Übergang folgt nun die innere plexiforme Schicht. Sie ist breiter als die vorhergehenden zellfreien Schichten und deutlich blasser, weist aber vereinzelt Kerne großer Zellen auf. 

Mit ebenso scharfem Übergang schließt sich daran die Ganglienzellschicht an. Sie ist schmal, enthält Zellkerne zum Teil unterschiedlicher Größe und besitzt eine milchglasartige Trübung in den zellkernfreien Bereichen. Sie geht teils unscharf und ohne erkennbaren Übergang in das Stratum neurofibrarum über, welches Axone enthält, die sich bündeln und dann den N. opticus bilden. Letzterer ist in der Regel in histologischen Präparaten nicht angeschnitten.

Die dem Bulbus am nähesten gelegene Schicht ist das Stratum limitans internum, das aus Endfüßchen von Müller-Zellen besteht und meist nicht gut abgrenzbar ist.

Die äußere Grenzschicht ist im Präparat meist nur schwer zu erkennen.

Lokale Unterschiede

Die retinalen Schichten werden von peripher nach zentral dicker, von etwa 0,1 bis zu 0,5 mm. Zudem gibt es inhomogene Abschnitte, die im histologischen Präparat für Differenzierungsprobleme sorgen können: die Macula lutea und der Discus nervi optici. 

Die Macula lutea ist ein kleines ovales Feld, das etwa 2 mm lang und 1 mm breit ist. Die Macula ist rund 4 mm temporal (lateral) vom Discus n. optici entfernt und enthält eine kleine Vertiefung, die Fovea centralis. Die Fovea centralis gilt dabei als der "Ort des schärfsten Sehens".
Der Bereich des Discus n. optici ist frei von Photorezeptoren und enthält nur Nervenfasern. 

Schematische Darstellung des Discus nervi optici

Präparateauswahl 

Gehäuft werden Retina-Präparate verwendet, die nicht vom Menschen stammen. In solchen Fällen sind die Größenverhältnisse deutlich andere, da vor allem das Auge von Nagetieren und Mäusen um einiges kleiner ist. 

Histologische Differentialdiagnose 

Die Retina kann mit der Kornea verwechselt werden, insbesondere wenn sie nicht sauber präpariert wurde. Die Kornea ist jedoch deutlich homogener.

Gelegentlich kommt es vor, dass die Retina nicht mit allen Schichten angeschnitten wurde, was bei der Betrachtung zu berücksichtigen ist.

Besonders hilfreich, um die Unterschiede zu erkennen, ist es für dich, wenn du die anderen Bestandteile des Auges kennst. Schau dir doch dazu unsere Lernhilfen an!

Klinik

Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen der Retina. Zu den vererbbaren gehört die Retinitis pigmentosa, die zudem häufig Prüfungsgegenstand ist. Sie ist das Ergebnis verschiedener genetischer Veränderungen mit autosomal-dominantem, autosomal-rezessivem oder X-chromosomal-rezessivem Erbgang, daher muss vielmehr von einer Gruppe von Erkrankungen gesprochen werden.

Definiert ist die Erkrankung bzw. die Erkrankungsgruppe durch eine progrediente Dystrophie (degenerative Veränderung) der Photorezeptoren, vorwiegend der Stäbchen sowie des Pigmentepithels, was zu Nachtblindheit, hochgradiger konzentrischer Gesichtsfeldeinschränkung und erheblicher Herabsetzung der Sehschärfe führt. Die Prävalenz liegt bei rund 1:4000 und stellt damit die häufigste vererbbare Dystrophie der Retina dar.

Sie betrifft praktisch immer beide Augen, ist progressiv und führt im späteren Verlauf zur Degeneration der anderen retinalen Schichten. Das Alter bei Erstmanifestation, der Grad der Progression und des Sehverlustes ist vom Vererbungsweg abhängig: die autosomal-rezessive Form betrifft etwa 40% der Fälle und verläuft schwer, die autosomal-dominante rund 20% und verläuft deutlich weniger aggressiv. Rund 8% folgen dem X-chromosomal-rezessiven Erbgang und verlaufen ebenfalls schwer. Rund 1/3 der Fälle verläuft sporadisch. Es gibt Assoziationen mit anderen Erkrankungen, vor allem einem chronischen Vitamin-A-Mangel.

Histopathologisch kommt es zu einer Zerstörung der Photorezeptoren mit Einwanderung melaninhaltiger Pigmentzellen. Sie akkumulieren bevorzugt um kleine retinale Gefäße herum.

Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Hochdosierte Vitamin-A-Gaben scheinen den Progress zu verlangsamen.

Es kursieren allerdings eine Reihe medizinisch nutzloser „Therapien“ vor allem im Bereich außerhalb der Schulmedizin (retrobulbäre Plazenta-Implantation, Retrobulbärinjektionen von Vasodilatantien, hyperbarer Sauerstoff, Vasodilatantien, retrobulbäre Orbitafetttransposition), die gegebenenfalls sogar schädlich sind und den Progress beschleunigen können.

Bei fortgeschrittenen Formen kann ein Retina-Implantat den durch den Progress hervorgerufenen Verlust der Seheigenschaften verlangsamen. Dabei handelt es sich um ein elektronisches System, in welchem ein Raster von Fotodetektoren durch elektrische Signale die noch intakten Ganglienzellen stimuliert. Das Verfahren 2015 zugelassen und scheint die Lebensqualität der Betroffenen signifikant zu verbessern.

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Quellen anzeigen

Quellen: 

  • Benninghoff, A., Drenkhahn, D. (2004). Anatomie - Band 2 (16. Auflage). München: Urban & Fischer, S. 683 ff.
  • Schünke, M., Schulte, E., Schumacher, U., et al. (2009). Kopf, Hals und Neuroanatomie – Prometheus (2. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S. 148 ff.
  • Kahle, W., Frotscher, M. (2009). Nervensystem und Sinnesorgane – Taschenatlas Anatomie (10. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S. 352 f.
  • Schmidt, R. F., Lang, F., Heckmann, M. (2010). Physiologie des Menschen (31. Auflage). Heidelberg: Springer-Verlag, S. 358 ff.
  • Aumüller, G., Aust, G., Doll, A., et al. (2010). Duale Reihe – Anatomie (2. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S. 1114 ff.
  • Trepel, M. (2008). Neuroanatomie (4. Auflage). München: Elsevier (Urban & Fischer), S. 344 ff.
  • Lüllmann-Rauch, R. (2009). Taschenlehrbuch Histologie (3. Auflage). Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S. 587 ff.
  • Schmidt, F., Schaible, H.-G. (2006). Neuro- und Sinnesphysiologie (5. Auflage). Heidelberg: Springer-Verlag, S. 263 ff.
  • Grehn, F. (2012). Augenheilkunde (31. Auflage). Heidelberg: Springer-Verlag, S. 213 ff.
  • Health Quality Ontario (2017, November 6). Retinal Prosthesis System for Advanced Retinitis Pigmentosa: A Health Technology Assessment Update. Ont Health Technol Assess Series, 17(13), 1-62. eCollection 2017.

Text, Review & Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Stefanie Bauer
  • Nicole Gonzalez

Illustration:

  • Histologischer Schnitt der Retina - Histologie
  • Schematische Darstellung des Discus nervi optici - Irina Münstermann
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