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Karpaltunnel

Der Karpaltunnel (Canalis carpi) ist ein Hohlraum mit osteofibröser Begrenzung am Handgelenk, welcher als Durchgang für Nerven und Sehnen dient, die vom Unterarm zur Hohlhand ziehen.

Im Karpaltunnel liegen die durchziehenden Strukturen dicht gedrängt beieinander, was klinische Bedeutung hat.

Kurzinfo
Begrenzungen

volar - Os pisiforme, Os triquetrum, Os hamatum, Os capitatum, Os scaphoideum

palmar - Ligamentum carpi transversum

Inhalt

N. medianus

Muskelsehnen (M. flexor digitorum profundus et superficialis, M. flexor pollicis longus)

Klinische Relevanz Karpaltunnel-Syndrom - eine der häufigsten Erkrankungen der Orthopädie, Neurologie und Allgemeinmedizin

Begrenzung

Der Karpaltunnel wird an drei Seiten von den Knochen der Handwurzel gebildet:

Palmar wird der Tunnel vom Retinaculum flexorum (= Ligamentum carpi transversum) abgeschlossen.

Knochen und Bänder des Handgelenks und der Hand

Strukturen

Durch den Karpaltunnel zieht der N. medianus sowie die Sehnen der folgenden Muskeln:

Muskeln im Bereich des Karpaltunnels

Die Sehnen sind jeweils von Sehnenscheiden umgeben, die wiederum in zwei Kompartimente unterteilt werden:

  • Der radiale Sack (Vagina tendinis musculi flexoris pollicis longi) mit dem Musculus flexor pollicis longus, er reicht bis kurz vor dem Ansatz seiner Sehne am Endglied des Daumens.
  • Der ulnare Sack (Vagina communis tendinum musculorum flexorum) beinhaltet den Musculus flexor digitorum profundus und den M. flexor digitorum superficialis.

Beide Sehnenscheiden kommunizieren nicht miteinander, ihre Länge ist interindividuell sehr verschieden.

Medial findet sich häufig eine mit dem Karpaltunnel nicht kommunizierende kleine Loge, durch die der M. flexor carpi radialis zieht. Diese Loge wird jedoch in der Regel als zum Karpaltunnel zugehörig betrachtet.

Lateral, ebenfalls eine eigene Loge bildend, aber nicht mehr zum Karpaltunnel zählend, befindet sich die Guyon-Loge. Durch diese ziehen N. ulnaris und A. ulnaris.

Festige und teste dein Wissen zu den Strukturen des Unterarms und Handgelenks mit den folgenden Materialien:

Klinik

Eine der häufigsten chirurgisch-orthopädischen bzw. neurologischen Erkrankungen ist die Einengung des N. medianus im Karpaltunnel, das sogenannte Karpaltunnel-Syndrom. Weil eine nervale Struktur hierbei in einer anatomischen Enge lädiert wird, gehört diese Erkrankung zur Gruppe der Engpass-Syndrome.

Ursachen

Zwei Ursachen können dafür verantwortlich sein: raumfordernde Prozesse in Form einer Verdickung der Sehnenscheiden oder eine Verdichtung des Bindegewebes der strukturellen Anteile, welche die äußere Begrenzung des Karpaltunnels bilden.

Eine andere mögliche Ursache wäre eine anatomische Variation: dabei geht transligamentär ein Ramus thenaris vom N. medianus ab. Diese Variation ist sehr häufig (in Präparationsstudien bis zu über 20%), bleibt aber meist ohne Symptome.

Auslöser für die erstgenannten zwei Ursachen sind beispielsweise rheumatoide Erkrankungen, medikamentöse Nebenwirkungen, mechanische Fehlbelastung, endokrine Erkrankungen oder Speichererkrankungen (z.B. Amyloidosen oder Mucopolysaccharidosen). Lange Schreibtischarbeit und fehlende körperliche Belastung stellt dabei keinen Risikofaktor dar.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine Schwangerschaft, die zu einem passageren Karpaltunnelsyndrom führen kann. Bedingt durch die Schwangerschaft kommt es zu einer verstärkten Ausschüttung von Wachstumsfaktoren, die zu einer Verdichtung des Bindegewebes im Bereich des Karpaltunnels und der Sehnenscheiden führen, was mit einer Verengung in diesem Bereich einhergeht. Die Symptomatik ist in der Regel Tage bis Wochen nach der Entbindung vollständig rückläufig.

Symptomatik

Klinisch geht ein Karpaltunnelsyndrom im Anfangsstadium mit Missempfindungen und Schmerzen einher. Die Beschwerden treten dabei vor allem nachts auf. Oft wird ein Aufwachen und das Verspüren von Schmerzen, Schwellungsgefühl und Parästhesien der Hand, welche zusätzlich ausstrahlen können, von Patienten beschrieben. Daher wird dieser Symptomkomplex als Brachialgia paraesthetica nocturna bezeichnet, er ist für das Karpaltunnelsyndrom typisch und wird oft synonym verwendet.

Ein Ausschütteln der Hand verschafft normalerweise sofortige Erleichterung. Im fortgeschrittenen Stadium kommen muskuläre Atrophien und muskuläre Ausfälle auf Grund der rückläufigen Innervation der entsprechenden Muskeln hinzu.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt zuerst klinisch: Beklopfen und Druck auf den Karpaltunnel sind schmerzhaft (Hoffmann-Tinel-Zeichen). Gesichert wird die Diagnose durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Dabei wird die motorische Überleitungszeit („distale motorische Latenz“) des Nervus medianus zwischen dem Stimulationsort am Handgelenk und der von ihm innervierten Daumenballenmuskulatur gemessen. Bei entsprechender Einengung ist diese verlangsamt.

Therapie

Therapeutisch kann die Erkrankung konservativ oder chirurgisch angegangen werden.

Im Anfangsstadium können Fehlbelastungen gemieden und eine spezielle Nachtschiene oder Stützverbände angelegt werden. Unterstützend kommen entzündungshemmende Medikamente, vor allem NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) in Betracht. Auch eine lokale Injektion mit Glukokortikoiden kann Abhilfe verschaffen. Dabei ist normalerweise eine mehrmalige Gabe einer Einmalgabe nicht unbedingt überlegen.

Bei einem schwangerschaftsbedingtem Karpaltunnelsyndrom wird die Geburt abgewartet.

Chirurgisch kommt das offene Vorgehen sowie die endoskopische Karpaltunnelspaltung in Betracht. Beide Vorgehensweisen haben das Ziel der Spaltung des Retinaculum zum Zwecke der mechanischen Entlastung. Bei der endoskopischen Herangehensweise wird die Technik mit einem einzelnen Zugang (monoportal) bevorzugt.

Eine gehäuft auftretende Komplikation eines lange Zeit bestehenden Karpaltunnelsyndroms ist die Ausbildung eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS, Morbus Sudeck). Ursache dafür ist der Reichtum an vegetativen Fasern, die der N. medianus führt, welche unter anderem an (lokale) vegetative Vorgänge gebunden sind und ein solches regionales Schmerzsyndrom auslösen können.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • Benninghoff et al: Anatomie Band 1, 16. Auflage, Urban & Fischer (2003), S. 314, 340
  • G. Aumüller et al: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage, Thieme (2010), S. 431, 456 f.
  • W. Platzer: Taschenatlas Anatomie – Band 1 Bewegungsapparat, 10. Auflage, Thieme (2009), S. 124 f., 388 f.
  • W. Hacke: Neurologie, 13. Auflage, Springer, S. 655 ff.
  • J. R. Siewert, H. J. Stein: Chirurgie, 9. Auflage, Spinger (2012), S. 941
  • J. Grifka, J. Krämer: Orthopädie Unfallchirurgie, 9. Auflage, Springer (2013), S. 269

Autor, Review, Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Stefanie Bauer
  • Claudia Bednarek
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