Englisch Kontakt Besser lernen Login Registrieren

Jetzt registrieren und gratis Anatomie-Lernguide eBook erhalten!

Sidebar ebook trimmed

Nervus ulnaris

Inhalt

Einleitung

Der Nervus ulnaris ist ein peripherer Nerv aus dem Plexus brachialis mit motorischen und sensiblen Anteilen. Er entspringt den Rückenmarkssegmenten C8 und Th1 sowie in manchen Fällen auch C7. Sein Leitmuskel ist der M. flexor carpi ulnaris. Am Epicondylus medialis humeri ist er durch die Haut tastbar und verursacht bei Druckreizung einen typischen elektrisierenden Schmerz im sensiblen Innervationsgebiet (Musikantenknochen).

Nervus ulnaris / Ellennerv (ventrale Ansicht)

Nervus ulnaris / Ellennerv (ventrale Ansicht)

Verlauf

Nervus ulnaris / Ellennerv (Rückenmarkssegment-Ebene)

Nervus ulnaris / Ellennerv (Rückenmarkssegment-Ebene)

Der N. ulnaris entsteht aus dem Fasciculus medialis direkt nach Abgabe des Radix medialis des N. medianus. Er zieht an der medialen Seite des Oberarms zunächst medial der A. brachialis im Sulcus bicipitalis medialis nach distal. Etwa in der Oberarmmitte durchbricht er das Septum intermusculare brachii mediale und gelangt am Caput mediale des M. triceps brachii entlang zum Epicondylus medialis humeri. Dort verläuft er eingebettet im Sulcus nervi ulnaris direkt unter der Haut und gibt seinen ersten Ast, den R. articularis cubiti, zum Ellenbogengelenk ab.

Ramus dorsalis nervi ulnaris (dorsale Ansicht)

Ramus dorsalis nervi ulnaris (dorsale Ansicht)

Anschließend zieht er zwischen den beiden Köpfen des M. flexor carpi ulnaris wieder zur Beugeseite und dort weiter nach distal direkt auf dem M. flexor digitorum profundus liegend zum Handgelenk. Etwa ab der Mitte des Unterarms wird er von der A. und V. ulnaris begleitet und gibt im unteren Drittel den R. dorsalis ab, welcher unter dem M. flexor carpi ulnaris zum Handrücken zieht und häufig mit den N. radialis anastomosiert. Zudem zweigt an variabler Stelle der sensible R. palmaris ab und zieht nach distal zur Hohlhand.

Schließlich verläuft der N. ulnaris außerhalb des Canalis carpi durch die Guyon-Loge (Canalis ulnaris) zwischen Retinaculum musculorum flexorum und Lig. carpi palmare zur Hohlhand. Hier teilt er sich in seine zwei Endäste: Der rein motorische R. profundus verläuft durch die Hypothenarmuskeln und anschließend bogenförmig mit dem arteriellen Arcus palmaris profundus. Der gemischte R. superficialis liegt unter der Palmaraponeurose und anastomosiert oft über den R. communicans cum nervo ulnari mit dem N. medianus.

Videoempfehlung: Nerven und Blutgefäße der Hand
Arterien, Venen und Nerven der Hand und des Handgelenks.

Funktion

Motorische Innervation

Ramus superficialis nervi ulnaris (ventrale Ansicht)

Ramus superficialis nervi ulnaris (ventrale Ansicht)

Das Versorgungsgebiet des N. ulnaris beschränkt sich auf den Unterarm und die Hand.

Unterarm

Motorisch innerviert er über Rr. musculares im Unterarmbereich folgende Muskeln:

  • M. flexor carpi ulnaris
  • ulnarer Kopf des M. flexor digitorum profundus.

Hand

Im Handbereich versorgt der R. superficialis den M. palmaris brevis.

Der R. profundus innerviert die gesamte Muskulatur des Hypothenar. Dies sind:

Ramus profundus nervi ulnaris (ventrale Ansicht)

Ramus profundus nervi ulnaris (ventrale Ansicht)

Darüber hinaus werden vom R. profundus motorisch innerviert:

Am Daumenballen versorgt er außerdem die Muskeln, die nicht vom N. medianus innerviert werden, also die Folgenden:

Sensible Innervation

Am Ellenbogengelenk versorgt der R. articularis die Kapsel des Ellenbogengelenks. Sensibel innerviert der R. dorsalis den medialen Handrücken und über die Nn. digitales dorsales die Streckseiten der zweieinhalb ulnaren Finger bis zur Mittelphalanx. Der R. palmaris versorgt die Haut des Hypothenar. Die Beugeseite des Kleinfingers und die ulnare Seite des Ringfingers sowie ihre Fingerkuppen werden von den Nn. digitales palmares proprii aus dem R. superficialis innerviert. Somit wird der ulnare Bereich der Hand etwa bis zur Hälfte des Ringfingers (am Handrücken etwas weiter) vom N. ulnaris versorgt, der größte Teil davon autonom.

Klinik

Die Schädigung des N. ulnaris stellt die häufigste periphere Nervenläsion dar, bei der sich charakteristische motorische Ausfälle zeigen. Das typische klinische Zeichen ist die Krallenhand (Klauenhand), bei der es beim Versuch, eine Faust zu bilden, vor allem im Klein- und Ringfinger zwar zu einer Beugung der Mittel- und Endgelenke, aber zu einer Überstreckung der Grundgelenke kommt. Die Ursache liegt im Ausfall der vom R. profundus versorgten Handmuskeln (vor allem der Mm. interossei und der Mm. lumbricales).

Auf Grund der Adduktorenschwäche des Daumens (M. adductor pollicis) und des Ausfalls des M. opponens digiti minimi können keine Gegenstände zwischen Daumen und Kleinfinger gehalten werden (negative Daumen-Kleinfinger-Probe). Beim Greifen flacher Gegenstände wird statt des gelähmten M. adductor pollicis kompensatorisch der M. flexor pollicis longus genutzt, der vom M. medianus innerviert wird (Froment-Zeichen). Dabei zeigt sich eine starke Beugung des Daumenendglieds. Bei längerer Schädigung flacht aufgrund der fortschreitenden Atrophie der Hypothenar ab und durch den Muskelschwund der Musculi interossei sinkt die Haut im Handrücken ein.

Läsionsort und Ursachen

Distale Ulnarisparese

Tritt die Krallenhand isoliert auf, liegt wahrscheinlich eine Kompression des R. profundus in der Hohlhand vor, etwa bei chronischem Druck durch Arbeitsgeräte. Tritt die Läsion im Handgelenksbereich auf, beispielsweise durch Schnittverletzungen oder chronische Druckeinwirkung in der Guyon-Loge, so zeigen sich neben der Krallenhand auch Sensibilitätsstörungen, die jedoch noch auf den Klein- und Ringfinger beschränkt bleiben.

Proximale Ulnarisparese

Erst wenn die Schädigung weiter proximal in der Ellenbogengegend auftritt, z.B. durch eine Humerusfrakturen oder Gelenksverletzungen, seltener durch eine Luxation des Nervs aus dem Sulcus nervi ulnaris oder infolge entzündlicher Prozesse, so weiten sich die sensiblen Ausfälle bis zum Hypothenar aus, da nun auch der R. palmaris betroffen ist. Darüberhinaus kommt es zusätzlich zu einer Abschwächung der Abduktion der Hand nach ulnar.

Hol' dir kostenlos den Rest dieses Artikels
Erstelle dir ein Konto und du bekommst Zugang zum Rest des Artikels, plus Videos und Trainings, damit du all die Informationen behältst - alles kostenlos. Du bekommst ausserdem Zugang zu Artikeln, Videos und Trainings über andere anatomische Themen.
Erstelle dein kostenloses Konto ➞
Quellen anzeigen

Quellen:

  • K. J. Moll, M. Moll: Anatomie, 18. Auflage, Urban & Fischer (2006), S. 208-209
  • M. Trepel: Neuroanatomie, 5. Auflage, Urban & Fischer (2012), S. 34-35
  • M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher et al.: Prometheus Lernatlas der Anatomie, 2. Auflage, Thieme (2007), S. 364-365
  • T. H. Schiebler, H.-W. Korf: Anatomie, 10. Auflage, Steinkopff Verlag (2007), S. 508-509
  • U. Bommers-Ebert, P. Teubner, R. Voß: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, 3. Auflage, Thieme (2011), S. 182-185

Autor:

  • Jonathan Pohl

Illustratoren: 

  • Nervus ulnaris / Ellennerv - ventrale Ansicht - Begoña Rodriguez
  • Nervus ulnaris / Ellennerv - Rückenmarkssegment-Ebene - Begoña Rodriguez
  • Ramus dorsalis nervi ulnaris - dorsale Ansicht - Yousun Koh 
  • Ramus superficialis nervi ulnaris - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • Ramus profundus nervi ulnaris - ventrale Ansicht - Yousun Koh
© Sofern nicht anders angegeben, sind alle Inhalte, inklusive der Illustrationen, ausschließliches Eigentum der kenHub GmbH. Sie sind durch deutsches und internationales Urheberrecht geschützt. Alle Rechte vorbehalten.

Deine nächsten Lernetappen

Artikel (Du bist hier)
Andere Artikel
Gut gemacht!

Jetzt registrieren und gratis Anatomie-Lernguide eBook erhalten!

Sidebar ebook trimmed
Erstelle dein kostenloses Konto.
Leg’ los mit deinem Training – in weniger als 60 Sekunden.