EN | DE | PT Kontakt Besser lernen Login Registrieren

Du willst mehr über das Thema Ventrikel - und Liquorsystem lernen?

Unsere Videotutorials, interaktiven Quizze, weiterführenden Artikel und ein HD Atlas lassen dich Prüfungen mit Bestnoten bestehen.

Erstelle heute dein kostenloses Konto und trete in die Fußstapfen von über 1.225.009 erfolgreichen Anatomielernern.

”Ich kann ernsthaft behaupten, dass Kenhub meine Lernzeit halbiert hat.” – Mehr lesen. Kim Bengochea Kim Bengochea, Regis University, Denver

Ventrikel - und Liquorsystem

Das Ventrikelsystem mit seinem darin enthaltenen Liquor cerebrospinalis dient dem mechanischen Schutz des Gehirns.

Beim Liquor handelt es sich um eine Körperflüssigkeit, welche im Plexus choroideus produziert wird. Das Ventrikelsystem stellt das Durchfluss- und Abflusssystem dar. 

Die Liquorräume sind durch die Blut-Liquor-Schranke geschützt. Sie ist nicht identisch mit der Blut-Hirn-Schranke.

Aufbau

Das Ventrikelsystem besteht aus vier Hirnventrikeln, Ventrikelverbindungen, dem Plexus choroideus und der Blut-Liquor-Schranke. All diese Bestandteile stehen in einem engen funktionalen und physikalischen Verhältnis zueinander. 

Es gibt je einen Seitenventrikel (Ventriculus lateralis sinister und dexter oder primus und secundus) in jeder Großhirnhemisphäre, einen dritten Ventrikel (Ventriculus tertius) im Diencephalon und den vierten Ventrikel (Ventriculus quartus) im Rhombencephalon.

Kennst du die Strukturen der vier Hirnventrikel? Benutze unser unbeschriftetes Arbeitsblatt zum Aufbau des Gehirns für die beste Übersicht.

Diencephalon - mediale Ansicht

Der Liquor durchfließt das Ventrikelsystem und fließt über die Aperturen im vierten Ventrikel in den Subarachnoidalraum ab. Von dort drainiert er über Granulationes arachnoideae in die venösen Blutleiter (Sinus durae matris) des Gehirns, ein Teil gelangt in venöse Plexus oder Lymphbahnen. 

Subarachnoidalraum des Gehirns - sagittale Ansicht

Das Blut der venösen Blutleiter fließt in das venöse periphere System ab, ebenso wie die Lymphe. Letztlich findet also der Abtransport des Liquors über das venöse System statt. 

Die Periplymphe des Innenohrs ist womöglich ein Ultrafiltrat des Liquor cerebrospinalis, zumindest in Teilen. Die Hypothese kann jedoch auch 40 Jahre nach ihrer Formulierung weder endgültig verworfen, noch bestätigt werden.

Ventrikel und Ventrikelverbindungen

Das Ventrikelsystem stellt ein erweitertes Neuralrohr dar und bildet die Fortsetzung des Rückenmarkkanals

Canalis centralis des Rückenmarks - sagittale Ansicht

Alle Ventrikel kommunizieren miteinander, jedoch immer nur über eine einzige Verbindung. Sie bilden also ein Netzwerk von in Serie geschalteten Kammern, wobei die Seitenventrikel die Endkammern bilden. Das hat Bedeutung für das Flüssigkeitsverhalten des Liquors. 

Der Canalis centralis geht in den vierten Ventrikel über. Von diesem Ventrikel gehen beidseits die Recessus lateralis ab, die in der Apertura lateralis ventriculi quarti münden.

Vierter Hirnventrikel - Ansicht von medial

Der vierte Ventrikel geht über in den Aquaeductus mesencephali cerebri, der in den dritten Ventrikel einfließt. Der dritte Ventrikel besitzt Ausstülpungen: Recessus suprapinealis, Recessus pinealis, Recessus supraopticus und Recessus infundibularis. Diese Recessus folgen anatomischen Strukturen und sind nach der räumlichen Nähe zu ihnen benannt. 

Dritter Hirnventrikel - Ansicht von medial

Vom vorderen Abschnitt des dritten Ventrikels gehen jeweils beidseits kurze Kanäle ab, die durch das Foramen interventriculare laufen. Sie münden jeweils im Vorderhorn der Seitenventrikel

Vorderhorn des Seitenventrikels - Ansicht von lateral-links

Die Seitenventrikel bestehen jeweils aus einem Vorderhorn (Cornu frontale des Ventriculus lateralis), das in das Unterhorn übergeht. Das Unterhorn teilt sich in einen temporalen Teil (Cornu temporale bzw. Cornu inferius) und einen okzipitalen Teil (Cornu occipitale bzw. Cornu posterius). 

Unterhorn des Seitenventrikels - temporaler Teil - Ansicht von lateral-links

Alle wichtigen Informationen zu den einzelnen Ventrikeln haben wir dir anschaulich auch in dem folgenden Video zusammengefasst:

Videoempfehlung: Hirnventrikel
Ventrikelsystem des Gehirns mit den umliegenden Strukturen.

Ependym

Das Ventrikelsystem, mit Ausnahme der Regionen, in denen Plexus choroideus zu finden ist, wird von Ependym ausgekleidet. Dabei handelt es sich um ein einschichtiges, am ehesten kubisches Epithel mit 30 bis 60 Kinozilien pro Zelle.

Kubische Ependymzellen

Es entwickelt sich aus undifferenziertem Neuralepithel. Dieses Neuralepithel findet sich bereits in den frühesten Entwicklungsstufen, noch während der Blastogenese (zelluläre Phase, bis Ende der 3. Entwicklungswoche). 

Die Form der Ependymzellen ist nicht einheitlich, neben kubischen Formen finden sich regional auch hochprismatische oder mesothelartige Zellen. Neben den Kinozilien besitzen die Zellen zahlreiche Mikrovilli. 

Einschichtig hochprismatisches Epithel mit Kinozilien

Untereinander sind die einzelnen Ependymzellen über Nexus, Desmosomen und Zonula adherens verbunden. Die Adhäsion scheint durch Lectine verstärkt zu sein, proteinerge Moleküle die Kohlenhydratstrukturen binden. 

Das Ependym sitzt basal einem dichten Geflecht von Astrozyten auf, der subependymalen Zone. Neben Astrozyten finden sich dort Neurone, deren Dendriten durch das Ependym treten, bis in den Ventrikel reichen und ihre Axone ins Hirnparenchym schicken (Liquorkontaktneurone). Diese dienen wahrscheinlich der chemischen Erfassung bestimmter Stoffe im Liquor (Chemosensoren).

Astrozyten

Außerdem finden sich in der subependymalen Zone undifferenzierte Zellen, die als Stammzellen dienen (Matrixzellen). Sie können sich wahrscheinlich zu Neuronen differenzieren. 

Die Basalmembran der Kapillaren, die nahe dem Ependym liegen, ist häufig stark ausgedehnt und zieht sich bis an die Basalfläche der Ependymzellen heran (subependymales Basalmembranlabyrinth). In diesem Bereich finden sich auch Ependymzellen, die verlängerte basale Fortsätze tragen, die Tanyzyten.

Menschliche Ependymzellen besitzen verschiedene Intermediärfilamentproteine und verschiedene Filamentmoleküle (Vimentin, saures Gliafibrillenprotein) sowie unterschiedliche Transporter für organische Verbindungen, Glucose, Glutamat, Natrium-Kalium-2 Chlorid-Cotransporter und auch molekulare Rezeptoren für Angiotensin II und Endothelin.

Intermediärfilamente - axiale Ansicht

Zudem verfügen sie über Aquaporine sowie Glutathion-S-Transferase und Monoaminooxidase. Letzteres ist ein pharmakologischer Angriffspunkt in der Psychopharmakotherapie.

Diese vielfältige molekulare Ausstattung führte zu dem Schluss, dass Ependymzellen an der aktiven Entfernung verschiedener Stoffe beteiligt sind, vor allem überschüssiger Neurotransmitter. Des Weiteren scheinen sie eine Pufferfunktion in der Kaliumhomöostase des Zentralnervensystems zu spielen.

Plexus choroideus

Der Plexus choroideus überzieht den kranialen Teil des Unterhorns des Seitenventrikels, das Dach des dritten Ventrikels und große Teile des vierten Ventrikels.

Plexus choroideus

Er erfüllt drei Funktionen:

  • Sekretion des Liquor cerebrospinalis
  • Bildung der Blut-Liquor-Schranke
  • Resorption und Entfernung toxischer organischer Substanzen aus dem Liquor

Aufbau

Er besteht aus einer Lamina epithelialis, dem Plexusepithel und einer Lamina propria, der Tela choroidea. Die Tela choroidea stellt ein Gefäßkonvolut dar, das als spezialisierte Form der Pia mater aufzufassen ist. 

Lamina propria

Der gesamte Plexus ist fest an der Wand des jeweiligen Ventrikels verwachsen. Wird in einem anatomischen Präparat der Plexus mit einer Pinzette entfernt, entstehen Abrisslinien, die Taeniae choroideae. Es handelt sich dabei definitionsgemäß um Artefakte, da sie am unveränderten Präparat oder in der Bildgebung nicht vorkommen.

Die zum Ventrikellumen gerichtete Seite des Plexus ist durch zahlreiche Zotten und Falten erheblich in seiner Oberfläche vergrößert. 

Topographie

Jeder Ventrikel besitzt einen Plexus choroideus. In den Seitenventrikeln zieht er entlang des vorderen Abschnittes des Unterhorns. Im Bereich der Pars centralis am Abgang des Hinterhorns ist er besonders stark ausgeprägt (Glomus choroideum). 

Das Foramen interventriculare verbindet jeweils die Seitenventrikel mit dem dritten Ventrikel. Im Bereich des dritten Ventrikels haftet die Tela choroidea an der Taenia thamali. 

Plexus choroideus des dritten Hirnventrikels - sagittale Ansicht

Die Tela choroidea des vierten Ventrikels überbrückt dessen kaudalen Abschnitt zwischen Kleinhirn und Rautengrubenrand.

Plexus choroideus des vierten Hirnventrikels - sagittale Ansicht

Im Bereich der lateralen Apertur wölbt sich der Plexus nach außen in den Subarachnoidalraum vor (Bochdalek-Blumenkörbchen).

Entwicklung

Das Plexusepithel ähnelt dem Ependym, jedoch sind die einzelnen Plexus-Zellen durch tight junctions miteinander verbunden und bilden damit einen Teil der Blut-Liquor-Schranke

Beide Zelltypen entwickeln sich aus dem Neuroepithel der Hirnbläschen. Nahe des Neuroepithels befindet sich mesenchymales Gewebe. Das Epithel selbst induziert eine verstärkte Angiogenese im Mesenchym und es kommt zur Ausbildung der Gefäßkonvolute. Die dabei entstehenden Gefäße sind Kapillaren vom fenestrierten Typ, d.h. sie sind durchgängig für eine Vielzahl von Stoffen. 

Fetales Mesenchym

Erst die Plexusepithelzellen selbst bilden dann die Blut-Liquor-Schranke. Für diese Vorgänge scheint VEGF (vascular endothelial growth factor) entscheidend zu sein. Kapillaren vom fenestrierten Typ, die nahe der Blut-Liquor-Schrank des Plexus choroideus liegen, exprimieren VEGF-Rezeptoren. Für Kapillaren, die zum System der Blut-Hirn-Schranke gehören, gilt das nicht.

Funktionell entsteht die Tela choroidea entsteht durch verstärktes Längenwachstum der Pia mater.

Funktion

Für die Produktion des Liquor ist der aktive Transport von Natriumionen durch die Natrium-Kalium-ATPase die treibende Kraft. Chlorid und Wasser folgen den in den Liquor gepumpten Natriumionen durch Chloridkanäle sowie Wasserkanäle. Bei diesen Wasserkanälen handelt es sich um Aquaporin 1, welcher sich auch in einer Reihe weiterer Organe findet und nicht durch Vasopressin reguliert wird.

Natriumionen werden basal durch Natriumionen-Cotransporter und Natriumionen-Wasserstoffionen-Austauscher aufgenommen, die Aufnahme von Chlorid erfolgt basal über einen Anionenaustauscher, im Austausch gegen Bikarbonat (HCO3-). 

Neben der Sezernierung von Ionen erfolgt auch die Abgabe von Glukose durch den Plexus, über den Glukosetransporter 1 in der apikalen und der basalen Plasmamembran. Glukose wird also durch den Plexus "geschleust".

Mit einem vergleichbaren Mechanismus, d.h. Transportern, die sich apikal und basal befinden, werden auch Vitamin C, Vitamin B12 und verschiedene Nukleoside transportiert. 

Leptin, ein Hormon, das an der Steuerung der Nahrungsaufnahme beteiligt ist, gelangt vermutlich über Transzytose in den Liquor und von dort zum Hypothalamus. 

Plexusepithelzellen sezernieren auch das Transportprotein der Schilddrüsenhormone T3 und T4, Transthyretin (TTR). Basal werden T3 und T4 durch Anionentransporter aufgenommen. 

Im Plexus choroideus sowie den zirkumventrikulären Organen findet sich keine Blut-Hirn-Schranke. Substanzen aus dem Blut können ungehindert in das um das Gefäß liegende Gewebe passieren. Der Übertritt in den Liquor wird jedoch durch die Blut-Liquor-Schranke verhindert. Sie stellt eine verlagerte Diffusionsbarriere dar. 

Der Plexus choroideus ist nicht nur funktional verantwortlich für die selektive Diffusion von Stoffen in den Liquor, sondern auch für die Entfernung von Stoffen aus dem Liquor. Die Plexusepithelzellen enthalten dafür eine Reihe an Transportern.

Zu den wichtigsten zählen:

  • MDR1 (Multi-Drug-Resistance-Transporter 1), der auch in Leberzellen vorkommt und Pharmaka, Bilirubin, Gallensalze und Leukotriene in die Tela choroidea befördert
  • Glutathion-S-Transferase für die Konjugation dieser organischen Verbindungen, sie kommt ebenfalls in der Leber vor und ist dort für die Konjugation zu entfernender Stoffe in Phase II der Biotransformation maßgeblich verantwortlich; die Konjugation ist Voraussetzung für den Transport durch MDR1
  • Kationen- und Anionentransporter für organische Moleküle, sie sind vornehmlich apikal zu finden
  • Glutamattransporter

Das Plexusepithel übt also eine Funktion ähnlich der Leber aus. Die Verhinderung des Übertritts von Pharmaka und anderen Stoffen verhindert wiederum, dass diese in großer Menge ins Hirnparenchym gelangen, welches von außen (Subarachnoidalraum) vom Liquor umspült wird.

Liquor cerebrospinalis

Der Liquor cerebrospinalis füllt die inneren und die äußeren Liquorräume und wird daher in ventrikulären und subarachnoidalen Liquor unterteilt. 

Die Sekretionsrate des Liquor beträgt 0,2-0,35 mL pro Minute, sodass pro Tag etwa 500 mL produziert werden. Etwa 2/3 der Produktion entstammen dem Plexus choroideus, rund 1/3 aus extrachoroidalen Quellen, vor allem aus Blutgefäßen. 

Das Speichervolumen im gesamten Zentralnervensystem beträgt 110-160 mL, rund 30 mL davon in den Ventrikeln, etwa 80 mL im kranialen Subarachnoidalraum und circa 30 mL im spinalen Subarachnoidalraum. Die Zahlen unterliegen interindividuellen Schwankungen und sind als Richtwerte zu verstehen.

Aus der erheblichen Differenz zwischen Produktion und Speichervolumen ergibt sich, dass der gesamte Liquor täglich etwa drei Mal ausgetauscht wird. Störungen im Abfluss und in der Resorption sind von klinischer Bedeutung.

Zusammensetzung

Die Zusammensetzung des Liquors unterscheidet sich von anderen Körperflüssigkeiten. Zwar entspricht der Elektrolytgehalt weitgehend dem des Blutplasmas. Jedoch ist Liquor eine sehr zell- und proteinarme Flüssigkeit.

Im Liquor eines gesunden Menschen sollten sich maximal fünf Zellen pro μL Blut befinden, davon etwa die Hälfte T-Lymphozyten und die andere Hälfte Monozyten. Neutrophile Granulozyten sollten praktisch nicht vorkommen. Der Proteingehalt sollte bei 15-45 mg / dL liegen. Die Referenzwerte können sich von Labor zu Labor geringfügig unterscheiden. 

Der Grund für den niedrigen Zellgehalt ist, dass Zellen bei intakter Blut-Liquor-Schranke bzw. intakter Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können. Dass überhaupt Zellen im Liquor vorzufinden sind, ist der Tatsache geschuldet, dass die Schrankensysteme nicht perfekt sind. In geringer Zahl können daher vereinzelt Zellen passieren. 

Der Gehalt an Elektrolyten, Eiweiß, Glucose und Laktat ist hingegen der fein ausbalancierten Aktivität der zahlreichen Transportsysteme und der Homöostase dieser Systeme geschuldet. 

Antikörper finden sich ebenso in geringer Menge im Liquor cerebrospinalis. Bei ihnen handelt es sich um Proteine und sie haben einen ähnlich unbeabsichtigten Ursprung wie die Gesamtproteine.

In dem Zusammenhang sei auf die Größenverhältnisse hingewiesen: Die physiologische Proteinkonzentration im Liquor beträgt 15-45 mg / dL, die physiologische Proteinkonzentration im Blutserum etwa 7 g. Der Unterschied liegt also bei einem Faktor von 500 bis 1000. Jegliche Erhöhungen oberhalb dieser sehr geringen Menge sind Zeichen für Entzündungen, Blutungen oder andere Pathologien.

Liquorzirkulation und Liquordrainage

Treibende Kraft der Liquorzirkulation sind die arteriellen Pulsationswellen des Hirnparenchyms. Zum einen verursachen die großen Hirngefäße selbst solche Wellen. Diese teilen sich immer weiter auf und bilden Äste, kleine Äste und schließlich Kapillaren. Die Gesamtheit dieser Gefäße erzeugt eine pulsatile Rhythmik, die den Liquortransport bedingt.

Sie ist nötig, um gegen die Schwerkraft anzukommen und den im Unterhorn sowie im Hinterhorn der Seitenventrikel gelagerte Liquor nach kranial in den dritten Ventrikel zu befördern. 

Die Pulsationswellen führen aber nicht nur zum Transport, sondern sorgen auch in geringem Maße für eine "Durchwirbelung" des Liquors im Unterhorn und Hinterhorn. Anderenfalls würde der Liquor dort "stehen" und die enthaltenen Bestandteile möglicherweise ausfällen.

Zwar wird der Liquor drei Mal pro Tag ersetzt, jedoch hieße das immer noch, dass die Flüssigkeit ansonsten acht Stunden in Ruhe verharren würde. 

Die Pulsation hat also Transport- und Vitalitätsfunktion, da die Durchmengung des Liquors seine osmotischen Eigenschaften erhält, indem es die Ausfällung fester Bestandteile verhindert. 

Im vierten Ventrikel angekommen, gelangen rund 0,2 mL pro Minute über die Aperturen (Apertura mediana und Aperturae laterales) in das Zisternensystem, zunächst in die Cisterna cerebellomedullaris.

Von dort nimmt der Liquor zwei Wege, nach rostral und nach kaudal. Beide Wege stehen allerdings miteinander funktional in Verbindung. Rostral gelangt er in die Cisterna pontomedullaris, dorsal in die Cisterna cerebellomedullaris magna. 

Cisterna cerebellomedullaris magna - sagittale Ansicht

Von der Cisterna pontomedullaris gelangt der Liquor weiter in die Cisterna interpeduncularis, von dort in die Cisterna chiasmatis (Cisterna chiasmatica) und Cisterna fissuare lateralis, weiter geht es in den lateralen oder frontalen Subarachnoidalraum der Hemisphären.

Cisterna pontomedullaris - sagittale Ansicht

Ein anderer Abflussweg führt von der Cisterna interpeduncularis in die Cisterna ambiens, die rostrale und kaudale Zisternen miteinander verbindet, und die Cisterna quadrigeminalis. Von beiden ausgehend erfolgt der Abfluss in die Subarachnoidalräume der okzipitalen und medialen Abschnitte des Telencephalon.

Cisterna quadrigeminalis - sagittale Ansicht

Der kaudale Weg führt in den spinalen Subarachnoidalraum. An den Austrittsstellen der Spinalnerven wird ein Teil des Liquors drainiert. Hier liegen wahrscheinlich kleine Arachnoidalzotten, die in durale Blut- und Lymphgefäße einmünden. Vom spinalen Subarachnoidalraum strömt der Liquor jedoch teilweise wieder nach rostral.

Spinaler Subarachnoidalraum - sagittale Ansicht

Der überwiegende Teil des Liquors, rund 85%, wird über die Granulationes arachnoideae abtransportiert und gelangt in die venösen Blutleiter des Gehirns (Sinus durae matris), außerdem erfolgt der Abfluss in spinale venöse Plexus oder Lymphbahnen. 

Zwischen Subarachnoidalraum und Sinus durae matris herrscht eine Druckdifferenz von mehreren Zentimeter Wassersäule, sodass der größte Teil des Liquors in das Lumen der Sinus drainiert wird (und nicht das Volumen der Blutleiter in das Liquorsystem). 

Liquorresorption

Rund 15% des Liquors gelangt in den Extrazellularraum des Gehirns und von dort über das Ependym wieder zurück durch die Ventrikel. Dies wird als transmuraler Weg des Liquors bezeichnet. Es handelt sich dabei funktional um eine Resorption. Diese bedingt wahrscheinlich in geringem Maße einen stetig vorhandenen Volumen- und Druckausgleich des Liquorflusses.

In sehr geringem Maße (< 1%) kommt es auch zur Liquorresorption über andere Mechanismen. 

Begrifflich muss aufgrund des funktionellen Unterschiedes die Liquorresorption vom Liquorabfluss getrennt werden.

Die Resorption ist ein vergleichsweise langsamer Prozess, der vor allem ungesteuert ist und den Liquor innerhalb des Gehirns re-zirkulieren lässt

Liquordrainage hingegen bezeichnet im Unterschied dazu den Abfluss des Liquors in das venöse System – entweder spinal oder über die venösen Blutleiter. Störungen des Abflusses führen sehr schnell zu Symptomen, da die Produktion drei Mal pro Tag erneuert wird. Die Liquordrainage bezeichnet also den Abtransport des produzierten Liquors in extra-zerebrale Systeme, also außerhalb des Gehirns.

Klinik

Gewinnung von Liquorproben

Zur Diagnostik oder zum Ausschluss entzündlicher Erkrankungen des Gehirns dient die Liquorpunktion. Dabei wird Liquor entnommen und auf seine Zusammensetzung untersucht.

Ein erhöhter Gehalt an Zellen oder Proteinen weist auf eine Störung der Barrieren hin und ist damit Hinweis auf ein pathologisches Geschehen. Aufgrund der Zellzusammensetzung, der Messung von Antikörpern und der Erfassung weiterer Parameter lassen sich damit indirekt Hinweise für die Erkrankungsursache finden.

Die Entnahme von Liquor kann lumbal (Lumbalpunktion) oder subokzipital (Subokzipitalpunktion) erfolgen.

Eine Subokzipitalpunktion kann aufgrund der Nähe zu vitalen Strukturen bei fehlerhafter Durchführung tödlich sein. Sie ist speziellen Indikationen vorbehalten und sollte nur von erfahrenen Kräften durchgeführt werden. 

Bei der Lumbalpunktion liegt der Patient auf der Seite oder sitzt. In beiden Fällen muss er sich nach vorne beugen, um so die Dornfortsätze maximal auseinanderklappen ("fächern") zu lassen. Eine Nadel wird zwischen den Dornfortsätzen von L3 und L4 oder L4 und L5 in den Durasack eingeführt und der Durasack punktiert. Dabei werden zumeist atraumatische Nadeln verwendet.

Der Eingriff erfolgt unter sterilen Bedingungen, in der Regel ohne Anästhesie. Bei intrakranieller Drucksteigerung ist er kontraindiziert, da eine plötzliche Druckentlastung durch die Punktion eine Einklemmung des Hirnstamms im Tentoriumschlitz oder Foramen magnum auslösen kann.

Hydrocephalus

Eine Erweiterung der Liquorräume über das Normalmaß wird als Hydrocephalus bezeichnet. Dabei ist zwischen Hydrocephalus internus (Ventrikelerweiterung) und Hydrocephalus externus (Erweiterung äußerer Liquorräume) zu unterscheiden. 

Hydrocephalus ist ein Befund, keine Diagnose. Es handelt sich dabei immer um einen Zustand, der Ausdruck einer zugrundeliegenden Erkrankung ist. 

In Abhängigkeit von der Ursache werden folgende Formen unterschieden:

  • Hydrocephalus e vacuo: Schwund des Hirngewebes mit konsekutiver Vermehrung des Liquors - mehr vorhandener Raum, der durch Liquor eingenommen werden kann, wobei der Hirndruck unverändert ist. Er kommt altersbedingt vor. 
  • Hydrozephalus durch Liquorzirkulationsstörungen: Dieser ist bedingt durch ein Missverhältnis zwischen Produktion von Liquor und Abfluss bzw. Resorption. Dabei werden drei Unterformen unterschieden, die sich durch ihre Dynamik kennzeichnen.
  • Hydrocephalus occlusus: Verschlusshydrocephalus, der Abfluss ist verhindert. 
  • Hydrocephalus malresorptivus / aresorptivus: Die "Resorption" in den Granulationes arachnoideae ist gestört. Der Begriff macht deutlich, dass hier die Unterscheidung zwischen Drainage bzw. Abfluss und Resorption nicht konsequent eingehalten wird (s.o.). 
  • Hypersekretionshydrozephalus: Die Liquorsekretion ist erhöht und übersteigt damit den Abfluss und die Resorption. Der Zustand ist sehr selten.

Eine Sonderform des Hydrocephalus ist der Normaldruckhydrocephalus. Hier ist die Resorption und der Abfluss in unterschiedlichem Maße gestört. Liquor tritt zudem durch die Ventrikelwände und führt zur periventrikulären Ödembildung. Die Prozesse laufen sehr langsam ab, es kommt allmählich zur Kompression von Kortex und Bahnsystemen. Der Hirndruck ist normal oder nur mäßig erhöht. 

Du willst mehr über das Thema Ventrikel - und Liquorsystem lernen?

Unsere Videotutorials, interaktiven Quizze, weiterführenden Artikel und ein HD Atlas lassen dich Prüfungen mit Bestnoten bestehen.

Erstelle heute dein kostenloses Konto und trete in die Fußstapfen von über 1.225.009 erfolgreichen Anatomielernern.

”Ich kann ernsthaft behaupten, dass Kenhub meine Lernzeit halbiert hat.” – Mehr lesen. Kim Bengochea Kim Bengochea, Regis University, Denver

Quellen anzeigen

Quellen: 

  • M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher et al.: Kopf, Hals und Neuroanatomie – Prometheus, 2. Auflage, Thieme (2009), S. 264 ff.
  • D. Drenckhahn, A. Benninghoff: Anatomie - Band 2, 16. Auflage, Elsevier (2004), S. 269 ff.
  • W. Kahle, M. Frotscher: Nervensystem und Sinnesorgane – Taschenatlas Anatomie, 10. Auflage, Thieme (2009), S. 282
  • T. von Lanz, W. Wachsmuth: Praktische Anatomie (Kopf – übergeordnete Systeme), Sonderausgabe der 1985 erschienen 1. Auflage, Springer (2004), S. 433 ff.
  • M. Bähr, M. Frotscher: Neurologisch-topische Diagnostik, 9. Auflage, Thieme (2009), S. 404 ff.
  • T. Sadler: Medizinische Embryologie, 11. Auflage, Thieme (2008), S. 386 ff.
  • K. L. Moore, T.V.N. Persaud, M.G. Torchia: Embryologie, 6. Auflage, Urban & Fischer (2013), S. 482
  • J. Lang: Klinische Anatomie des Ohres, Springer (1992), S. 186
  • A. Dormann, C. Luley, T. Wege: Laborwerte, 4. Auflage, Urban & Fischer (2005), S. 56, 108
  • W. Hacke: Neurologie, 13. Auflage, Springer (2010), S. 110, 767 ff.
  • K. Graf, G. Poretti: Die Entstehung der Perilymphe. Practica Oto_Rhino_Laryngologica 1950; 12:351–365. DOI:10.1159/000273669

Text, Review, Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Marie Hohensee
  • Nicole Gonzalez

Illustration:

  • Diencephalon - mediale Ansicht - Paul Kim
  • Subarachnoidalraum des Gehirns - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Canalis centralis des Rückenmarks - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Vierter Hirnventrikel - Ansicht von medial - Paul Kim
  • Dritter Hirnventrikel - Ansicht von medial - Paul Kim
  • Vorderhorn des Seitenventrikels - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Unterhorn des Seitenventrikels - temporaler Teil - Ansicht von lateral-links - Paul Kim
  • Kubische Ependymzellen - Histologie
  • Einschichtig hochprismatisches Epithel mit Kinozilien - Histologie
  • Astrozyten - Histologie
  • Intermediärfilamente - axiale Ansicht - Paul Kim
  • Plexus choroideus - Histologie
  • Plexus choroideus des dritten Hirnventrikels - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Plexus choroideus des vierten Hirnventrikels - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Lamina propria - Histologie
  • Fetales Mesenchym - Histologie
  • Cisterna cerebellomedullaris magna - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Cisterna pontomedullaris - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Cisterna quadrigeminalis - sagittale Ansicht - Paul Kim
  • Spinaler Subarachnoidalraum - sagittale Ansicht - Paul Kim
© Sofern nicht anders angegeben, sind alle Inhalte, inklusive der Illustrationen, ausschließliches Eigentum der kenHub GmbH. Sie sind durch deutsches und internationales Urheberrecht geschützt. Alle Rechte vorbehalten.

Relevante Grafiken und Bilder

Lerne weiter

Weitere Artikel lesen

Zeige 4 weitere Artikel

Videos anschauen

Quiz starten

Atlas durchstöbern

Gut gemacht!

Jetzt registrieren und gratis Anatomie-Lernguide eBook erhalten!