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Schilddrüse (Glandula thyroidea)

Inhalt

Einleitung

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist ein endokrines Organ mit Hormonspeicher- und Steuerungsfunktion. Sie liegt an der Vorder- und Seitenfläche der Trachea. Die von ihr gebildeten Hormone spielen eine wichtige Rolle bei Differenzierungsvorgängen und im Energie- und Kalziumstoffwechsel.

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Aufbau

Die rötlich-braun gefärbte Schilddrüse besteht aus zwei Seitenlappen (Lobus dexter et sinister) und einem unpaaren queren Isthmus, wodurch sie eine H- oder Schmetterlingsform erhält. Bei manchen Menschen existiert zusätzlich ein Lobus pyramidalis, ein schmaler Strang, der vom Isthmus nach oben zieht. Er ist ein Relikt des Ductus thyreoglossus aus der Embryonalentwicklung. Beim Mann wiegt die Schilddrüse ca. 18-30 g und hat ein Volumen von bis zu 25 ml. Bei Frauen ist sie etwas kleiner (bis zu 18 ml) und leichter und ihr Gewicht ändert sich zyklusbedingt geringfügig.

Topographie

Die Schilddrüse liegt hinter dem mittleren Blatt (Lamina praetrachealis) der Halsfaszie. Vor ihr verlaufen die Mm. sternohyoidei und sternothyroidei nach kaudal. Der Isthmus liegt ventral der Luftröhre auf Höhe der 2. bis 3. Knorpelspange auf. Die Schilddrüse hat enge topographische Beziehungen zum N. laryngeus recurrens und zu den Nebenschilddrüsen. Ihre Seitenlappen grenzen dorsolateral an den Gefäßnervenstrang des Halses. Zu diesem zählen die A. carotis communis, V. jugularis interna und der N. vagus.

Versorgung

Arterien

Die arterielle Versorgung der Schilddrüse erfolgt über die A. thyroidea superior aus der A. carotis externa (oberer Schilddrüsenpol) und die A. thyroidea inferior aus dem Truncus thyrocervicalis der A. subclavia (unterer Schilddrüsenpol). Bei einem Zehntel der Patienten existiert zusätzlich eine A. thyroidea ima aus dem Truncus brachiocephalicus, der rechten A. carotis communis oder selten dem Aortenbogen.

Venen

Die venöse Drainage erfolgt über die V. thyroidea superior und die Vv. thyroideae mediea zur V. jugularis interna und den Plexus thyroideus impar über die unpaare V. thyroidea inferior zur linken V. brachiocephalica.

Lymphabfluss

Der Lymphabfluss erfolgt kranial zu den den Nll. cervicales profundi der Jugularis-Interna-Kette. Kaudal erfolgt er zu den Nll. praetracheales und prelaryngei.

Innervation

Die Schilddrüse wird über das vegetative Nervensystem nerval versorgt. Die sympathische Innervation der Schilddrüse erfolgt über das Ggl. cervicale superius entlang der A. thyroidea superior und den Ggll. cervicothoracicum und cervicale medius mit der A. thyroidea inferior. Die parasympathischen Fasern stammen aus dem N. laryngeus superior und dem N. laryngeus recurrens.

Histologie

Die Schilddrüse ist außen von einer Capsula fibrosa (Capsula externa) umgeben, die sich innen als Organkapsel (Capsula interna) fortsetzt. Septen der Organkapsel stellen das bindegewebige, gefäß- und nervenführende Stützgerüst im Inneren dar und gliedert das Drüsengewebe in Läppchen (Lobuli). Die Läppchen setzen sich aus bläschenförmigen Gebilden zusammen (Follikeln). Das Follikelepithel wird von den Thyrozyten gebildet, die eine gallerartige Masse (Kolloid) in das Follikellumen abgeben. Dieses besteht hauptsächlich aus Thyreoglobulin, an Proteinen gebundenes Thyroxin und Trijodthyronin.

Eine Besonderheit der Schilddrüse ist das unterschiedliche Aussehen ihres Epithels je nach Funktionszustand. Bei Speicherung (ruhender Follikel) ist es abgeflacht, bei Entleerung (aktiver Follikel) ist es isoprismatisch (kubisch).

Die Calcitonin-produzierenden C-Zellen befinden sich parafollikulär in der Follikelwand oder ihr angelagert. Sie spielen eine wichtige Rolle im Kalziumstoffwechsel.

Embryologie

Um den 24. Entwicklungstag entsteht die Schilddrüse durch Epitheleinsprossung an der Stelle des späteren Foramen caecum linguae am Sulcus terminalis der Zunge. Von der Epithelknospe wächst ein Epithelstrang nach unten ins Mesenchym, aus dem der Ductus thyreoglossus entsteht. Dieser wächst weiter kaudalwärts und bildet die beiden Seitenlappen der Schilddrüse, die über den Isthmus verbunden sind. Normalerweise bildet sich der Ductus thyreoglossus zurück, gelegentlich bleibt aber der Lobus pyramidalis als Verbindung zum Mundboden bestehen. Als weiteres embryologisches Relikt können mediane Halszysten oder Fisteln im Ducuts thyreoglossus zurückbleiben. Diese liegen in der Mittellinie zwischen Zungenbein und Kehlkopf und können sich entzünden, weshalb sie operativ entfernt werden müssen.

Funktion

Die Schilddrüsenhormone fördern das Wachstum und greifen in den Intermediärstoffwechsel ein. Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel, fördern den Fettaufbau, steigern den Grundumsatz und erhöhen den Sauerstoffverbrauch und die Wärmeproduktion.

T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin)

Die lipophilen Schilddrüsenhormone entstehen aus der Aminosäure Tyrosin und enthalten Jod. Die Schilddrüse nimmt Jodid aus dem Blut auf und baut es in ihre Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (Thyroxin = T4) ein. Die Hormone werden in der Drüse extrazellulär in Follikeln an das Protein Thyreoglobulin gebunden und gespeichert. Bei Bedarf werden sie wieder aus den Follikeln gewonnen und in den Blutkreislauf abgegeben. T4 hat eine deutlich höhere Konzentration im Blut als T3, dafür ist T3 ca. dreimal wirksamer als T4. Durch eine Dejodase kann T4 in der Leber und der Niere in T3 umgewandelt werden.

Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse

Die Schilddrüse steht unter dem Einfluss des Hypophysenhormons TSH (thyroid stimulating hormone), das die die Aufnahme von Jodid in die Schilddrüsenzellen fördert und die Hormonbildung und -freisetzung stimuliert. Die Ausschüttung des TSH wird seinerseits durch das TRH (thyroid releasing hormone) reguliert, welches im Hypothalamus produziert wird. Über negative Rückkopplung hemmt ein hoher Spiegel von T3 und T4 wiederum die Ausschüttung von TSH und TRH.

Calcitonin

Die C-Zellen der Schilddrüse bilden das Peptidhormon Calcitonin. Es hemmt die Freisetzung des Kalziums aus den Knochen durch Osteoklasten und vermindert die Wiederaufnahme in der Niere. Insgesamt führt dies zur Senkung des Blutkalziumspiegel, sodass Calcitonin als natürlicher Gegenspieler des Parathormons gilt.

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Quellen:

  • G. Aumüller, G. Aust, A. Doll et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2010), S. 842-847
  • D. Drenckhahn, J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008), S. 367-368
  • M. Königshoff, T. Brandenburger: Kurzlehrbuch Biochemie, Georg Thieme Verlag KG, 3. überarbeitete Auflage (2012), S. 190-193
  • M. Schünke, E.Schulte, U. Schumacher et al.: Prometheus LernAtlas der Anatomie- Kopf, Hals und Neuroanatomie, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Georg Thieme Verlag (2012), S. 212-213
  • N. Ulfig: Kurzlehrbuch Embryologie, 2. überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2009), S. 76
  • G. Schmidt: Differential diagnosis in ultrasound imaging, Thieme (2006), S. 415

Autor:

  • Laura Jung

Illustratoren: 

  • Schilddrüse (ventrale Ansicht) - Yousun Koh 
  • Schilddrüse (dorsale Ansicht) - Yousun Koh 
  • Arteria thyroidea inferior (dorsale Ansicht) - Yousun Koh 
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