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Leber (Hepar)

Inhalt

Einführung

Die Leber (Hepar) ist die größte Drüse des Körpers. Sie hat ein Gewicht von etwa 1,5 kg, dunkel-rotbraune Farbe und ist von weicher Konsistenz. Ihr kommen vielfältige Aufgaben im Bereich des Ernährungsstoffwechsels, der Immunfunktion sowie der Stoffspeicherung zu. Außerdem ist sie an der Verdauung beteiligt sowie alleiniger Produzent der Gallenflüssigkeit.

Leber in der ventralen Ansicht
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Strukturen in der anterioren Ansicht der isolierten Leber.

Aufbau

Der Aufbau der Leber erfolgt nach zwei Gesichtspunkten: klassisch-anatomisch und klinisch-funktional.

klassisch-anatomisch

Nach dieser Einteilung wird bei Betrachtung von ventral zwischen rechtem und linkem Leberlappen (Lobus hepatis dexter und sinister) unterschieden. Bei der dorsalen Betrachtung kommen die – nur von dieser Ansicht erkennbaren – Lobus caudatus und quadratus hinzu.

Die Lappen werden durch Bänder voneinander abgegrenzt: Rechter und linker Lappen werden ventral vom Lig. falciforme hepatis getrennt, welches jeweils nach rechts und links in das Lig. triangulare dextrum sowie sinistrum übergeht. Das Lig. teres hepatis (die obliterierte V. umbilicalis) trennt den linken Leberlappen und den Lobus quadratus. Das Lig. venosum (enthält den obliterierten Ductus venosus) trennt den linken Leberlappen und den Lobus caudatus.

Die klassisch-anatomische Einteilung ergibt sich durch die äußere Anatomie der Leber, für chirurgische Eingriffe ist sie jedoch weniger geeignet.

klinisch-funktional

Die klinisch-funktionale Einteilung ist zwar von außen nicht sichtbar, erweist sich jedoch in der operativen Medizin als nützlicher. Beispielsweise erlaubt sie die Entfernung einzelner Lebersegmente ohne die Gefahr schwerer Blutungen. 

Die Äste der zuführenden A. hepatica propria, der Gallengänge und der Portalvene (V. portae hepatis) bilden ein charakteristisches Verlaufssystem, wodurch die Leber in 8 Segmente unterteilt wird. Sieben von ihnen (Segmente II bis VIII) verlaufen im Uhrzeigersinn. Segment I entspricht weitgehend dem Lobus caudatus und ist nur von dorsal erkennbar.

Projektion und Topographie 

Projektion

Von außen projiziert die Leber auf die Regio hypochondriaca dextra, die Regio epigastrica sowie den medialen Anteil der Regio hypochondriaca sinistra. Der kaudale Abschnitt des lateralwärts gerichteten rechten Leberlappens berührt den kranialen Anteil der Regio abdominalis lateralis dextra. Rechts nimmt die Leber damit vollständig die Fläche zwischen Xiphosternalebene (Planum xiphosternale) und Subkostalebene (Planum subcostale) ein. Ventral wird sie rechts von der 6. bis 10. Rippe sowie links von den Knorpelanteilen der 8. bis 10.Rippe überdeckt. Die dorsale Projektion liegt an der Wirbelsäule auf Höhe des Th8 bis Th10.

Topographische Lage und Lagebeziehungen

Beim Menschen ist die Leber im rechten Oberbauch intraperitoneal lokalisiert. Nach kranial grenzt sie an die rechte Zwerchfellkuppel, mit welcher sie an einer Stelle verwachsen ist. Diese dreieckige Fläche der Verwachsung wird als Area nuda ("nackte Fläche") bezeichnet, da die Leber hier frei von Peritoneum ist. Sie wird von den Ligamenta triangularia dextra und sinistra begrenzt, die zusammen das Kronenband (Lig. coronarium hepatis) darstellen. Ein kleinerer Leberanteil grenzt auch an die linke Zwerchfellkuppel.

Das größte dorsal anliegende Organ ist der Magen, welches an der Rückseite des linken Leberlappens eine Abdruckstelle (Impressio gastrica) hinterlässt. Dem rechten Leberlappen liegen der Dickdarm (rechte Flexur), der Dünndarm (Pars superior), der obere Pol der rechten Niere sowie der rechten Nebenniere an. Ihre Abdruckstellen sind jeweils entsprechend benannt (Impressio colica, duodenalis, renalis und suprarenalis). Zwischen linkem und rechtem Leberlappen liegt dorsal die Gallenblase angehangen. Niere und Nebeniere berühren wegen ihrer retroperitonealen Lage die Leber nur mittelbar.

Topographisch findet sich rückseitig der Leber die Aorta mit dem Truncus coeliacus, die untere Hohlvene (Vena cava inferior) sowie die Bauchspeicheldrüse (Pancreas).

Versorgung und Lymphabfluss

Die Leber erhält – genau wie das Herz – Zufluss von arteriellem wie auch venösem Blut. Das arterielle Blut entstammt der Aorta und dient der Versorgung des Lebergewebes (Vasa privata), das nährstoffreiche, venöse Blut kommt dagegen aus den unpaaren Bauchorganen zur weiteren Verarbeitung im Lebergewebe an (Vasa publica).

Arterien

Die Versorgung der Leber erfolgt über die A. hepatica propria, einem Ast des Truncus coeliacus. Nach der Abzweigung der A. gastrica dextra teilt sie sich intrahepatisch in einen R. dexter und sinister, die entsprechend den rechten bzw. linken Leberlappen versorgen.

arterielle Variationen

Der arterielle Versorgung der Leber ist höchst variabel, der Normaltyp liegt nur bei ca. 75% aller Menschen vor. In der Regel haben solche Normabweichungen keinen pathologischen Wert, sie können jedoch bei operativen Eingriffen zu Schwierigkeiten führen. Es sind mindestens zehn verschiedene Varianten beschrieben worden, zu den häufigsten zählen dabei

  • der Abgang des R. sinister der A. hepatica propria aus der A. gastrica sinistra (~10%)
  • der Ursprung des R. dexter der A. hepatica propria aus der A. mesenterica superior (~11%)
  • das Vorliegen eines zusätzlichen R. sinister aus der A. gastrica sinistra (~8-12%)

venöser Zufluss

Das Blut aus den unpaaren Bauchorganen fließt in die V. portae hepatis. Diese entsteht aus dem Zusammenschluss der V. splenica (V. lienalis) und der V. mesenterica superior.

venöser Abfluss

Das venöse Blut aus den Vv. centrales fließt über die Vv. hepaticae in die V. cava inferior. Zudem gibt es kleinere Lebervenen, die direkt in der unteren Hohlvene enden.

Lymphabfluss

Die Leber verfügt über zwei Lymphsysteme: ein subperitoneales sowie ein intraparenchymatöses. Kaudal fließt die Lymphe hauptsächlich in die Nll. hepatici und Nll. coeliaci, von dort in die Trunci intestinales und weiter in die Cisterna chyli. Kranial dagegen geht sie durch das Zwerchfell in die Lymphknoten des Mediastinums. Zu einem kleinen Anteil erfolgt auch ein Abfluss in die axillären und inguinalen Lymphknoten.

Innervation

Die nervale Versorgung der Leber weist drei Qualitäten auf: sympathisch und parasympathisch (vegetativ) sowie sensibel.

Die sympathische Innervation erfolgt durch Fasern aus Ganglia coeliaca aus dem Plexus aorticus abdominalis. Diese Fasern vereinigen sich zum Plexus hepaticus, umgeben die A. hepatica propria und gelangen so in die Leber. Parasympathische Fasern werden mit dem N. vagus geliefert, welcher Rr. hepatici abgibt, die sich den sympathischen Fasern anlagern.

Sympathische Innervation führt zum Abbau von Glykogen in der Leber (Glykogenolyse), welche das größte Glykogenspeicherorgan darstellt. In Stresssituationen wird damit ohne großen Zeitverlust Energie frei und der Blutglucosespiegel steigt an. Parasympathische Aktivität führt u.a. zu gesteigertem Gallefluss, Produktion von Verdauungsenzymen und Glykogenbildung, insgesamt wird also der Verdauungsvorgang gefördert.

Lediglich die Leberkapsel wird sensibel über Äste des N. phrenicus versorgt, weshalb die Leber nur bei Schwellung schmerzempfindlich ist.

Histologie

Die Leber ist ein parenchymales Organ. Der überwiegende Teil besteht aus spezialisierten Leberzellen, den Hepatozyten. Sie haben epithelialen Charakter und üben die spezifischen Funktionen der Leber aus. Des Weiteren zeigt das Lebergewebe viele Gefäße und Bindegewebe.

Mikroskopisch besteht die Leber aus Läppchen, die sich an den Zentralvenen (Vv. centrales) orientieren. Hepatozyten umgeben eine Vene und verlaufen strahlenförmig zu ihr hin. Um die Zentralvene herum finden sich 6 Gefäßbündel, die jeweils aus einer Arterie, einer Vene und einem Gallengang bestehen (Glisson-Trias). Eine Trias enthält einen Ast der A. hepatica propria, einen Ausläufer der V. portae hepatis sowie einen Gallengangast des gemeinsamen Gallengangs (Ductus hepaticus). Das Blut der Arterien und Venen fließt in Richtung Zentralvene ab, die von den Hepatozyten produzierte Galle fließt dagegen in die entgegengesetzte Richtung.

Die Gliederung mit Hilfe der Zentralvene als zentrales Bauelement wird als Zentralvenen-Läppchen bezeichnet. Historisch begründet existieren noch zwei weitere Einteilungen: der Leber-Azinus bestehend aus zwei Zentralvenenläppchen mit den dazwischenliegenden Glisson-Trias (rautenförmig) sowie das Portalläppchen, einem Sechseck welches von drei Zentralvenen begrenzt wird.

Embryologie

Embryologisch ist die Leber ein Teil des Mitteldarms. In der Mitte der 3. Woche bildet sich die Leberknospe als Ausbuchtung des Entoderms, die sich wiederum in zwei Abschnitte teilt: Aus dem unteren Abschnitt entstehen die Gallenblase, der Ductus cysticus und die übrigen extrahepatischen Gallenwege, aus dem oberen Abschnitt bildet sich das Leberparenchym sowie das intrahepatische Gallenwegssystem.

Die embryonale Leber ist mit dem Bauchraum über Mesos verbunden: Mesohepaticum ventrale und dorsale. Ersteres bildet beim Erwachsenen das Lig. falciforme hepatis, letzteres das Omentum minus. Funktionell entspricht das Mesohepaticum dorsale dem Mesogastricum ventrale.

Funktion

Die Leber übernimmt zahlreiche Funktionen, u.a.:

  • Gallenproduktion - Sekretion der Galle im Parenchym, Abgabe über den Ductus hepaticus
  • Entgiftung - chemische Modifikation zur Verbesserung der Löslichkeit auszuscheidender Stoffe (Biotransformation)
  • Proteinbiosynthese - u.a. Gerinnungsfaktoren und Akute-Phase-Proteine (C-reaktives Protein, α-1-Antitrypsin etc.)
  • Regulation der Glucosehomöostase - Auf- und Abbau von Glykogen, Gluconeogenese im Hungerzustand
  • Lipidstoffwechsel - Biosynthese und regulierter Abbau von Triacylglyceriden, Phosphoglyceriden, Sphingolipiden, Lipoproteinen und Steran-Derivaten (v.a. Cholesterin)
  • Steuerung der Energiebilanz im Hungerfall - Ketonkörpersynthese und Aminosäureverwertung
  • Speicherung verschiedener Stoffe - Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente
  • Immunabwehr - zelluläre Immunabwehr über Kupffer-Zellen, Regulation von systemisch-entzündlichen Reaktionen
  • Blutbildung - Hauptproduktionsort von Blutzellen während der embryonalen und fetalen Entwicklung
  • Produktion von Hormonen bzw. von Hormonvorstufen - z.B. Vitamin D3, IGF-1, Squalen
  • Beteiligung an der Homöostase des Säure-Base-Haushaltes - Regulation der Leber-Glutaminase und des Verhältnisses zwischen Ammoniak und Bikarbonat

Ankommende Nährstoffe, Synthesevorprodukte, Xenobiotika und Toxine gelangen über die V. portae hepatis oder über die A. hepatica propria in das Leberparenchym. Von den Glisson-Trias ausgehend fließt das Blut in Richtung V. centralis in die V. cava inferior. Im Zuge dieses Passierens der Hepatozyten werden die o.g. Funktionen ausgeübt.

Bildgebende Darstellung

Sonographie

Die Sonographie ist in der Regel die erste bildgebende Maßnahme. Das Lebergewebe ist arm an reflektierenden Grenzflächen. Die Echostruktur des Parenchyms ist homogen und fein. Die Echogenität ist mittelstark ausgeprägt. Das Organ zeigt scharfe Grenzen und eine glatte Oberfläche. Zur Feststellung der Integrität des Leberparenchyms wird sonographisch die Oberfläche von Leber und Niere verglichen: ein Normalbefund zeigt eine nur geringe Abweichung des Reflektionsverhaltens beider Organe im Vergleich.

Schnittbildverfahren (CT, MRT)

Je nach Indikation, z.B. bei der Diagnostik von Raumforderungen oder Abklärung von Leberparenchymveränderungen, kommen Röntgenschnittbilder (CT) bzw. MRT-Aufnahmen in Betracht.

Röntgen

Konventionelle Röntgenaufnahmen spielen bei der Darstellung des Leber-Gallengang-Systems eine untergeordnete Rolle. Sie kommen im Rahmen der Klärung sehr spezieller Probleme in Frage.

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Quellen anzeigen

Quellen:

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  • M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher: Prometheus - Innere Organe, 3. Auflage, Thieme (2012)
  • T. B. Möller: Röntgennormalbefunde, 4. Auflage (aktualisiert), Thieme (2003)
  • T. B. Möller, E. Reif: CT- und MRT-Normalbefunde, Thieme (1998)
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  • B. Kolster, M. M. Voll: Lehmanns FACTs! - Anatomie, 5. Auflage, Lehmanns Media (2010)
  • D. Pickuth: Sonographie systematisch, 2. Auflage, UNI-MED (2004)
  • R. Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 3. Auflage, Thieme (2009)

Autor: 

  • Andreas Rheinländer

Illustratoren: 

  • Margo hepatis inferior - Irina Münstermann
  • Facies diaphragmatica hepatis - Irina Münstermann
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