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Ileum (Krummdarm)

Inhalt

Überblick

Das Ileum (Krummdarm) ist ein muskuläres Hohlorgan und der letzte der drei Dünndarmabschnitte. Zu seinen Aufgaben zählen die Aufnahme und Sekretion verschiedener Nährstoffe, Elektrolyte, Vitamine und Spurenelemente und von Wasser sowie die lokale wie auch systemische Immunabwehr. Über 90% der Gallensäuren werden im Ileum resorbiert, zudem erfolgt hier die ausschließliche Aufnahme von Vitamin B12.

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Aufbau

Das Jejunum geht ohne scharfe Begrenzung in das Ileum über. Gemeinsam bilden sie das bis zu 5 m lange Dünndarmkonvolut, wobei das Ileum etwa 3/5 der Gesamtlänge einnimmt. Analwärts endet es an der Ileozökalklappe (Ostium ileale), auch Bauhin-Klappe genannt, und mündet durch diese in das Caecum (Blinddarm). Bei dieser Klappe handelt es sich um einen funktionellen Sphinkter, der durch die Ringmuskelschichten des Ileums und Caecums geformt wird. Wie das Jejunum ist das Ileum über ein Mesenterium mit der hinteren Bauchwand verbunden und liegt somit flexibel in der Bauchhöhle.

Projektion und Topographie

Projektion

Als Teil des Dünndarmkonvoluts projiziert das Ileum auf die untere Hälfte der Regio umbilicalis sowie den kranialen Anteil der Regio pubica. Die Bauhin-Klappe projiziert auf den Übergang von der Regio umbilicalis auf die Regio abdominalis lateralis dextra, recht exakt auf der Hälfte zwischen Planum supracristale und Planum interspinale (McBurney-Punkt). Dorsal erfolgt die Projektion des Dünndarmkonvolutes auf den lumbalen Anteil der Regio vertebralis sowie das jeweils benachbarte Trigonum lumbale (medialer Anteil).

Topographie

Es gibt einen fixen und einen variablen Anteil des Ileums. Der variable Anteil ist die Fortsetzung des Jejunums, woraus sich die intraperitoneale Lage ergibt. Da das Ileum in das Caecum mündet, welches wiederum in das retroperitoneale und damit festsitzende Colon ascendens übergeht, gilt der aborale Abschnitt mit dem ileozäkalen Übergang als fixer Anteil.

Dorsal des Dünndarmkonvoluts befindet sich die Aorta sowie der Retroperitonalraum, Colon ascendens und Colon descendens bilden eine seitliche Begrenzung. Zwar liegen diese retroperitoneal, jedoch reichen sie auf Grund ihres Durchmessers und ihrer Form ausreichend stark nach ventral in den Bauchraum. Kaudal kommt es zur Berührung mit der von Peritoneum überzogenen Fläche der Harnblase (Überdachung des Subperitonealraumes).

Versorgung und Lymphabfluss

Arterien

Das Ileum wird durch ca. 12 Aa. ileales versorgt, die das zweite Gefäßbündel der A. mesenterica superior darstellen, die in der Radix mesenteri verläuft. Darüber hinaus erhält das ileale Ileum einen inkonstanten Ast (R. ilealis) der A. ileocolica, ebenfalls eine Abzweigung der A. mesenterica superior. Im Mesenterium bilden die Aa. ileales übereinanderliegende Gefäßarkaden mit den Aa. jejunales, dem ersten Gefäßbündel der A. mesenteria superior. Zusammen gewährleisten sie die kontinuierliche Durchblutung für alle Dünndarmabschnitte. Auf Grund der Tatsache, dass Jejunum und Ileum von unterschiedlichen Arterien versorgt werden, können sie makroskopisch indirekt voneinander abgegrenzt werden.

Venen

Das nährstoffreiche venöse Blut des Ileums fließt über die Vv. ileales sowie die V. ileocolica ab. Von dort gelangt es über die V. mesenterica superior in die Pfortader (V. portae hepatis) und somit zur Leber.

Lymphabfluss

Im Bereich der Zotten bilden sich feine Lymphkapillaren, die sich zu zahlreichen Lymphgefäßen vereinigen. Gemeinsam mit den Blutgefäßen ziehen diese durch das Mesenterium. Auf Höhe der primären Arkaden werden dadurch mehrere hundert z.T. sehr feine Lymphknoten gespeist, die Nll. juxtaintestinales. Von dort aus erfolgt der weitere Abfluss über die Nll. mesenterici superiores zu den Trunci intestinales und von dort über die Cisterna chyli schlussendlich in den Ductus thoracicus.

Innervation

Wie alle Teile des Magen-Darm-Traktes arbeitet das Ileum im Wesentlichen vegetativ autonom. Der Verdauungsvorgang wird dabei durch lokal endokrin wirksame Stoffe und lokale Reflexe moduliert. Darüber hinaus spielt das enterische Nervensystem (ENS) eine wichtige Rolle für die Peristaltik.

Die parasympathischen Fasern entstammen dem Truncus vagalis posterior. Sympathische Fasern gelangen über den N. splanchnicus minor zum Ganglion mesentericum superius, werden dort umgeschaltet und gelangen über kleinere Äste zum Ileum. Parasympathische Aktivität führt zur Förderung der Verdauungsvorgänge, die Aktivität des Symphaticus hemmt diese.

Histologie

Das Ileum ist ein epitheliales Organ mit lymphatischen Anteilen. Der Aufbau entspricht dem Grunde nach dem des Magen-Darm-Traktes: drei voneinander abgrenzbare Schichten, bestehend aus einer Tunica mucosa, einer Tunica muscularis und einer Tunica serosa.

Tunica mucosa

Die Tunica mucosa, die eigentliche Schleimhaut, besteht aus einer Lamina epithelialis, einer schmalen Lamina propria und einer schmalen Lamina muscularis mucosae.
Die Lamina epithelialis wird durch ein einschichtiges hochprismatisches Epithel mit Bürstensaum gebildet, deren Epithelzellen, auch Enterozyten genannt, der Basalmembran aufsitzen. Zwischen diesen finden sich Becherzellen, die Schleim sezernieren. Die Basalmembran bildet die Begrenzung der Lamina propria, einer schmalen Schicht lockeren kollagenen Bindegewebes, an diese schließt sich die Lamina muscularis mucosae mit glatter Muskulatur an.

Zwischen Tunica mucosa und Tunica muscularis liegt die Tela submucosa, die aus lockerem kollagenen Bindegewebe besteht, dort finden sich die Ganglienzellen des Plexus submucosus (Meissner-Plexus).

Die Lamina epithelialis erhebt sich leicht in Form von kleinen Zotten, die vor allem mikroskopisch sichtbar sind, außerdem enthält das Epithel starke tubulöse Einsenkungen (Krypten). Die im Duodenum sehr hoch stehenden Zotten werden in Richtung Ileum immer kleiner und sind dort teilweise kaum noch vorhanden, während die vor allem im Colon sehr tiefen Krypten bereits eine recht tiefe Ausprägung haben.

Ein charakteristisches Merkmal des Ileums sind die in der Lamina propria und Tela submucosa liegenden Peyer-Plaques, die ein wichtiger Bestandteil des GALT (Darm-assoziertes lymphatisches Gewebe) sind. Eine Plaque ist durchschnittlich ca. 2-5 cm groß und besteht aus ca. 300 aggregierten Lymphfollikeln und dem parafollikulärem lymphatischen Gewebe. Die kuppelförmige Vorwölbung oberhalb eines Follikels wird als Dom bezeichnet. Im Domepithel befinden sich M-Zellen (microfold cells), die zu den FAE-Zellen (Follikel-assoziierte Epithelzellen) zählen. Ihre Aufgabe ist es, Antigene aus dem Darmlumen aufzunehmen und zu den Antigen-präsentierenden Zellen (APC) zu transportieren.

Tunica muscularis

Die muskuläre Schicht des Ileums besteht aus einer inneren Ring- und einer äußeren Längsmuskelschicht aus glatten Muskelzellen. Zwischen diesen liegt eine schmale Zone lockeren kollagenen Bindegewebes, welche die Ganglienzellen des Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) enthält.

An die Tunica muscularis schließt sich die Tela subserosa an. Diese besteht aus lockerem kollagenen Bindegewebe und bildet den Übergang zur Tunica serosa.

Tunica serosa

Das Ileum ist nach außen hin komplett von Serosa überzogen. Diese setzt sich aus einschichtigem Plattenepithel und der darunter liegenden Bindegewebsschicht (Lamina propria serosae) zusammen.

Embryologie

Wie das Jejunum geht das Ileum aus der Nabelschleife hervor, die durch den Mitteldarm gebildet werden. Dabei entsteht der größte Teil durch den kranialen Schenkel, während sich das terminale Ileum hauptsächlich aus dem kaudalen Schenkel der Nabelschleife entwickelt. Eine Besonderheit ist der Dottergang (Ductus vitellinus), der während der embryonalen Entwicklung den Mitteldarm mit dem Dottersack verbindet. Normalerweise obliteriert er zwischen Ileum und der vorderen Rumpfwand, doch bei ca. 2% aller Menschen bildet er sich nicht oder nur teilweise zurück. Dies kann zu einer blinden Aussackung des Ileums (Meckel-Divertikel), einer Fistel zwischen Ileum und Nabel (Dottergangfistel) oder eine Zyste führen.

Funktion

Das Ileum ist, ebenso wie das Jejunum, stark an der Resorption von Wasser beteiligt. Des Weiteren werden hier große Mengen an Natrium- und Chloridionen, kleinere Mengen an Fett, Phosphaten und Eisen aus dem Lumen aufgenommen. Gleichzeitig werden Bikarbonat- und Kaliumionen sezerniert. Zudem findet hier die ausschließliche Aufnahme von Vitamin B12 (Cobalamin) statt. Für die spezifischen Transporter muss dieses am Intrinsic Factor gebunden sein, welches von den Parietalzellen des Magens produziert werden. Des Weiteren werden über 90% der Gallensäuren im ilealen Lumen aufgenommen und wieder dem enterohepatischen Kreislauf zugeführt.

Der eigentliche Ort der Resorption ist das Epithel, welches durch Mikrovilli, Krypten und in geringem Maße durch Zotten in seiner Oberfläche um ein Vielfaches vergrößert wird. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen finden gehäuft ihren Anfang im terminalen Ileum. Im Rahmen solcher Erkrankungen kann es durch die Schädigung des Epithels zu einer unzureichenden Wasserresorption kommen, sodass wässrige Durchfälle die Folge sind. Des Weiteren kann es trotz ausreichender Vitamin-B12-Zufuhr zu einem relativen Mangel kommen, da es nicht ausreichend aus dem Lumen aufgenommen werden kann.

Bildgebende Darstellung

Endoskopie

Im Rahmen der Einführung eines Endoskopes über das Colon wird dieses bis zum Caecum vorangeschoben und passiert dann die Bauhin-Klappe, das terminale Ileum wird so sichtbar. Es gilt als häufiger Startpunkt für entzündliche Erkrankungen des Dünndarmes. Der endoskopische Normalbefund zeigt eine leicht spiegelnde Oberfläche. Zotten sind kaum noch erkennbar, die Krypten zeigen sich als punktförmig aussehende Verwerfungen, die Vaskularisierung ist mäßig ausgeprägt.

Röntgen

Im Röntgen erfolgt die Darstellung mit Hilfe von Kontrastmittel. Im Normalbefund zeigt sich das terminale Ileum auf Grund seiner topographischen Lage mit Beginn der Bauhin-Klappe, der jejunoileale Übergang hingegen ist nicht scharf.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Im Rahmen der Suche nach Raumforderungen oder Flüssigkeitsansammlungen kann eine Darstellung im MRT erfolgen, meist in der Tumordiagnostik.

Sonographie

Die Darstellung des Ileums in der Sonographie erfolgt im Rahmen spezieller Fragestellungen. Der Normalbefund zeigt einfache Konturen sowie eine homogene äußere Oberflächenstruktur.

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Quellen anzeigen

Quellen:

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  • T. Sadler: Medizinische Embryologie, 11. Auflage, Thieme (2008), S. 295
  • T. Möller: Röntgennormalbefunde, 4. Auflage (aktualisiert), Thieme (2003), S. 158 ff., 176 ff.
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  • M. W. Rana: Human embryology made easy, CRC Press (1998), S. 210

Autor:

  • Andreas Rheinländer

Illustratoren: 

  • Ileum - Irina Münstermann
  • Pars terminalis ilei - Begoña Rodriguez
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