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Magen (Gaster)

Inhalt

Überblick

Der Magen (Gaster) ist ein muskuläres Hohlorgan. Zu seinen Aufgaben zählen die Speicherung, mechanische und chemische Zerkleinerung und schubweise Weiterleitung des Speisebreis in den Dünndarm sowie die Freisetzung und Regulation lokal endokrin wirksamer Stoffe. Seine Größe ist abhängig von der Körpergröße des Individuums und seinem Füllungszustand. Das Fassungsvermögen beträgt etwa 1500 cm³.

Magen in situ (en)
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Magen in situ aus der anterioren Ansicht des Abdomens mit zurückgezogener Leber.

Aufbau

Der Magen besteht aus dem

  • Mageneingang (Kardia)
  • Magenfundus (Fundus gastricus)
  • Magenkörper (Corpus gastricum)
  • Pylorusvorhof (Antrum pyloricum)
  • Pförtnerkanal (Canalis pyloricus)

Der Ösophagus mündet in die Kardia, die sich im oberen Abschnitt des Magens befindet. Der Übergang wird als Magenmund (Ostium cardiacum) bezeichnet. Kranial wird die Kardia vom unteren Ösophagussphinkter begrenzt, kaudal geht sie in den Corpus über.

Der Fundus bildet die Kuppel des Magens, welcher auf etwa gleicher Höhe mit der horizontalen Begrenzung der Leber verläuft. Auf Grund der deutlich geringeren Dichte sammelt sich bei Nahrungsaufnahme die eingeatmete und mittransportierte Luft im Fundus. Im konventionellen Röntgenbild ist dies als „Magenblase“ sichtbar.

Ohne besonderen Übergang schließt sich das Corpus gastricum an. Bei Nahrungsaufnahme landet der Speisebrei im untersten Abschnitt des Corpus.

Das Antrum pyloricum schließt sich ohne besonderen Übergang an den Corpus an. Es sammelt den Speisebreis, bevor er durch den Pylorussphinkter in den Dünndarm abgegeben wird.

Der Pförtnerkanal geht in den Dünndarm über. Den Übergang bildet der M. sphincter pylori, ein Sphinktermuskel, welcher aus glatter Muskulatur besteht und auf Grund verschiedener nervaler und endokriner Einflüsse kontrahiert. Er ist anatomisch Teil der Muskelschicht des Magens (siehe Histologie), funktionell jedoch eigenständig.

Das Innenrelief des Magens zeigt charakteristische, nur in diesem Organ vorzufindende Schleimhautfalten (Plicae gastricae), welche eine enorme Oberflächenvergrößerung bewirken. Diese Falten ziehen sich häufig über den gesamten Bereich des Corpus, verlaufen in Richtung Antrum und werden zum Pylorus hin wieder kleiner.

Der medio-kraniale Bereich des Magens bildet in der Außendarstellung die kleine Kurvatur (Curvatura minor). Der laterale Bereich bildet die große Kurvatur (Curvatura major). Im Bereich der Curvatura major sind die Pliace gastricae am stärksten ausgeprägt.

Projektion und Topographie

Projektion

Der Magenfundus und der Großteil des Magencorpus projizieren auf den medialen Anteil der Regio hypochondriaca sinistra. Ein kleiner Teil des Magencorpus, das Magenantrum sowie der Pyloruskanal projizieren auf die Regio epigastrica.

Über den Rippen projizieren Magenfundus und -corpus zwischen VI. und X. Rippe auf der Fläche zwischen Linea mediana anterior und Linea medioclavicularis. Die kraniale Spitze des Magenfundus liegt dabei auf Höhe der horizontalen oberen Begrenzung der Leber, eine Rippenbreite oberhalb des Planum xiphosternale (= Xiphosternalebene).

Der kaudalste Teil des Magens liegt auf Höhe des tiefsten Punktes des rechten Leberlappens, letzterer liegt zwei Rippenbreiten unterhalb der X. Rippe. Dorsal projiziert der Magen auf der linken Körperhälfte auf der Fläche zwischen der Linea mediana posterior und der Linea scapularis von Th 8 bis L 1.

Diese Angaben gelten für den liegenden Patienten. Beim stehenden Patienten ist die Projektion kranial durch die Magenbefestigung unverändert, kaudal jedoch eine Wirbelkörperhöhe tiefer liegend. Daher grenzen beim liegenden Patienten ein kleiner, beim stehenden jedoch ein größerer Bereich von Magencorpus und Magenantrum direkt an die Körperwand direkt an. Dieser Bauchdeckenbereich, an dem die Magenanteile direkt anliegen, wird als Magenfeld bezeichnet.

Der größte Teil des Korpus sowie der Fundus sind beim gesunden Menschen nicht palpabel, da sie hinter dem Rippenbogen liegen. Lediglich die unteren Abschnitte des Antrums und der großen Kurvatur lassen sich beim stehenden Menschen erstasten. Für die körperliche Untersuchung ist zudem zu berücksichtigen, dass bei tiefer Inspiration (Zwerchfellatmung) des liegenden Patienten der Leberunterrand das Magenantrum und den -pylorus überlappt.

Topographische Lage, Lagebeziehungen und Peritonealverhältnisse

Der Magen ist intraperitoneal gelegen und liegt verschiedenen Organen direkt an.

Nach ventral grenzt er an die Rückseite des linken (Facies hepatica) und zu einem kleinen Teil des rechten Leberlappens sowie an das Zwerchfell (Facies phrenica). Dorsal grenzt der Magen mit dem lateralen Anteil des Fundus und einem Teil des Corpus an die Milz (Facies splenica). Ein kleiner Teil des Corpus liegt mittelbar (durch das Peritoneum getrennt) der linken Niere und Nebenniere an. Zwei größere streifenförmige dorsale Flächen (eine kraniale und eine kaudale), welche sich vom lateralen Corpus bis zum Antrum herabziehen, bilden Grenzflächen mit der Bauchspeicheldrüse (Facies pancreatica) sowie dem Colon transversum (Facies colomesocolica). Letztere geht direkt in den Bereich über, welcher die kaudale Organgrenze bildet. Kranial grenzen an den Fundus das Zwerchfell sowie im Bereich der kleinen Kurvatur das Omentum minus.

Versorgung und Lymphabfluss

Die Blutversorgung des Magens ist überreichlich. Bereits eine einzige der großen zuführenden Äste würde ausreichen, um den gesamten Blut-, Nährstoff- und Sauerstoffbedarf zu decken. Die arterielle Versorgung des Magens ist daher redundant angelegt. Aus diesem Grund kommen Mageninfarkte sehr selten vor.

Arterien

Normotypisch erfolgt die arterielle Versorgung aus dem Truncus coeliacus. Dieser gibt mehrere Äste ab, die untereinander Anastomosen bilden, wodurch sich eine Art arterieller Kreis um den Magen herum bildet.

Der erste Ast ist die A. gastrica sinistra. Der zweite Ast ist die A. hepatica communis, aus der sich die A. gastrica dextra abzweigt. Beide geben jeweils sehr feine anteriore und posteriore Äste ab, die jeweils an der Vorder- und Rückseite der kleinen Kurvatur miteinander anastomisieren. Der dritte Ast des Truncus coeliacus ist die A. splenica, aus der die A. gastroomentalis sinistra (auch: A. gastroepiploica sinistra) entspringt. Aus der A. hepatica communis entspringt die A. gastroduodenalis, die die A. gastroomentalis dextra (auch: A. gastroepiploica dextra) abgibt. Beide Aa. gastroomentales anastomisieren miteinander.

Die vier genannten Arterien sind die Hauptäste, von denen bereits einer die Versorgung des Magens vollständig sichern könnte. Zu diesen großen Ästen kommen noch einige kleine Äste, die ebenfalls auch andere Organe versorgen, jedoch vorher Kollateralgefäße zum Magen abgeben. Diese Kollateralen können aber auch fehlen, was allerdings keinen pathologischen Wert hat. Dazu zählen die A. pancreatica major sowie die A. caudae pancreatis. Des Weiteren gibt die A. splenica eine A. gastrica posterior zur dorsalen Magenfläche ab, die jedoch nur bei 60% aller Menschen nachzuweisen ist. Ebenfalls aus der A. splenica austretend sind die Aa. gastricae breves.

arterielle Variationen

A. gastrica dextra

Im Normalfall entspringt sie aus der A. hepatis communis. Dies liegt so jedoch bei gerade einmal 50% der Menschen vor. In weiteren 20% der Fälle entspringt sie aus einer von zwei unterschiedlichen Ästen: entweder aus einer Bifurkationsarterie an der Aufteilungsstelle der A. hepatis communis in die A. hepatica propria und die A. gastroduodenalis oder aus einem mittleren akzessorischen Ast der A. hepatica propria. Bei 15% der Menschen entspringt sie aus dem R. sinister der A. hepatica propria, bei 5% aus dem R. dexter.

Es ist zu beobachten, dass in den drei letztgenannten Fällen die A. hepatica propria deutlich früher aufzweigt. Dies ist vor allem bei der chirurgischen Entnahme von Lebersegmenten zu berücksichtigen, da die eintretenden Gefäße dann zierlicher ausgeprägt sind als die ansonsten normalerweise gut erkennbare und kräftig ausgeprägte A. hepatica propria. Sie können gelegentlich mit Teilen des Gallengangsystems verwechselt werden.

A. gastrica sinistra

In 90% der Fälle entspringt das Gefäß aus dem Truncus coeliacus, normalerweise als erster Ast. Bei 4% der Menschen ist dieser jedoch nicht vorhanden, sondern es liegen zwei Trunci vor: ein hepatogastrischer sowie ein splenogastrischer Truncus. Aus letzterem entspringt das Gefäß dann.

Bei 3% der Fälle entspringt sie direkt aus der Aorta. In einem solchen Fall ist Vorsicht geboten, da diese bei flüchtigem Blick mit einer schwach ausgeprägten A. splenica verwechselt werden kann. 2% der Personen zeigen die Besonderheit, dass das Gefäß aus dem hepatogastrischen Truncus entspringt (s.o.). Unabhängig von diesen Variationen zeigt das Gefäß eine weitere Besonderheit. In etwa jedem vierten Menschen ist die A. gastrica sinistra zusätzlich an der Blutversorgung der Leber beteiligt. In der einen Hälfte dieser Fälle geschieht dies durch eine akzessorische Arterie (A. hepatica accessoria), in der anderen Hälfte ersetzt dieser akzessorische Ast die A. hepatica communis.
 

Aa. gastroomentales

Für die beiden an der großen Kurvatur befindlichen Arterien sind zahlreiche Variationen beschrieben worden. Die höchste Variabilität zeigt sich für die A. gastroomentales sinistra. Alleine für ihren Ursprung sind mindestens vier Variationen beschrieben worden. Zwar entspringt sie zumeist aus der A. splenica, dort jedoch können sich verschiedene Arten von Kollateralen bilden. Die wichtigste Abweichung ist ein direktes Entspringen aus Gefäßen, die bereits in die Milz eingetreten sind. Von klinisch hoher Relevanz ist das Entspringen aus der A. mesenterica superior.

Die in Lehrbüchern beschriebene Anastomose zwischen beiden Arterien, die sich von links und rechts nähern, liegt nur in 65% der Fälle tatsächlich so vor. In den restlichen Fällen kann sie schwach oder gar nicht ausgeprägt sein. Beim Gesunden hat diese Abweichung keine funktionelle Bedeutung oder pathologischen Wert.

Venen

Die Bezeichnungen der Venen entsprechen denen der Arterien. Die Vv. gastrica dextra und sinistra laufen in die V. portae hepatis ein. Das Blut ist relativ sauerstoffreich, aber vor allem nährstoffreich. Die V. gastroomentalis dextra läuft in die V. mesenterica superior, während die V. gastroomentalis sinistra in die V. splenica mündet, welche zusammen mit der V. mesenterica superior die V. portae hepatis bildet. Die V. splenica nimmt ebenfalls die Vv. gastricae breves auf.

Venenäste und Kollateralen im Bereich der Pars cardiaca anastomisieren mit den Vv. oesophageales, welche das Blut der Speiseröhre aufnehmen. Somit geben die Ösophagusvenen ihr Blut sowohl in die Pfortader als auch in die V. cava superior (über die V. azygos und V. hemiazygos) ab. Zwischen ihnen liegt ein Umgehungskreislauf vor (portokavale Anastomosen). Bei Pfortaderhochdruck (portale Hypertension) kann es damit zur knotigen Erweiterungen der Venen kommen (Ösophagusvarizen).

Lymphabfluss

Der Abfluss der Lymphe geschieht über Lymphknotenstationen entlang der versorgenden Arterien. Ihre Größe schwankt stark interindividuell.

Die Nll. gastrici dextri et sinistri geben die Lymphe in die Nll. coeliaci ab. Die Lymphe entlang der Gastroomentalgefäße fließt entweder in die Milzlymphknoten sowie pylorusnahe Lymphstationen (Nll. pylorici) und von dort in die Nll. coeliaci oder direkt in letztere ein. Von den Nll. coeliaci fließt die Lymphe weiter in die Trunci intestinales und von dort in die Cisterna chyli und weiter in den Ductus thoracicus, welcher in den linken Venenwinkel einmündet.

Des Weiteren ist zu beobachten, dass die gastroomentalen Lymphknoten direkt in die Trunci intestinales einmünden. Zudem bestehen enge, aber mitunter diffuse Verbindungen zu paraaortalen, mesenterialen und mediastinalen Lymphknotenstationen sowie zu denen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Dünndarms und in seltenen Fällen denen des Zwerchfells.

Innervation

afferente und efferente Innervation

Als Teil des Magen-Darm-Traktes arbeitet der Magen im wesentlichen vegetativ-autonom. Dies bezieht sich auf den Verdauungsvorgang, der durch eine Vielzahl lokaler endokrin wirksamer Stoffe, autonomer Ganglien und lokaler Reflexe gesteuert bzw. aus diesen zusammengesetzt ist. Seine Aktivität wird jedoch durch sympathische und parasympathische Einflüsse moduliert. Während der Parasymphatikus die Motilität und Verdauungsvorgänge fördert, werden diese durch den Symphatikus gehemmt.

Parasympathische Fasern entstammen den beidseitigen Nervi vagi. Diese bilden bereits an der Speiseröhre die Trunci vagales. Daraus gehen der Plexus gastricus anterior und posterior hervor, welche die Vorder- und Hinterwand des Magens versorgen. Sympathische Fasern entstammen dem Plexus coeliacus sowie dem Nervus splanchnicus major. Erstere sind postganglionär, letztere sind präganglionär.

Schmerzprojektion

Der Magen zählt zu den Bauchorganen mit einer besonders starken nozizeptiven Innervation. Die Fasern verlaufen vermutlich mit sympathischen Fasern, möglich ist jedoch auch ein Verlauf mit vagalen Faserbündeln. In beiden Fällen kommt es jedoch nicht zu einem Faseraustausch. Segmental projizieren Schmerzen des Magens auf die Dermatome Th5 bis Th9.

Nozizeptive Reize auf Magenbestandteile projizieren auf verschiedene Hautregionen. Bei über 90% aller Menschen findet eine Projektion auf die Regio epigastrica statt. Unterhalb des Proc. xyphoideus, etwas linksseitig der Linea mediana anterior findet sich häufig ein Schmerzmaximum. Bei einem geringen Anteil der Menschen kann eine Projektion jedoch bis in die Regiones inframammaria et pectoralis lateralis stattfinden. Da es hier zur Überlappung mit Schmerzprojektionen des Herzens kommen kann, ist bei entsprechenden Schmerzen in dieser Region immer differentialdiagnostisch sowohl eine Gastritis, als auch ein akuter Myokardinfarkt in Betracht zu ziehen und abzuklären. Beobachtet werden jedoch auch Projektionen in die linke Schulter, welche über den linken N. phrenicus dorthin gelangen. Solche Schmerzen können mit Belastungsschmerzen der oberen Extremität verwechselt werden, daher ist bei linksseitigen Schulterschmerzen anamnestisch die Differentialdiagnose Gastritis zu stellen und abzuklären.

Histologie

Der Magen ist ein epitheliales Hohlorgan. Sein Aufbau entspricht dem typischen Aufbau des Magen-Darm-Traktes, der sich aus folgenden drei Schichten zusammensetzt:

  • Tunica mucosa
  • Tunica muscularis
  • Tunica serosa

Die Tunica mucosa besteht aus der Lamina epithelialis, einem einschichtigen hochpristmatischen Epithel, gefolgt von einer sehr schmalen Lamina propria und Lamina muscularis. Sie stellt die eigentliche Schleimhaut dar. Makroskopisch zeigt der Magen ein wellig-flächiges Oberflächenrelief. Dieses ist in einzelne Felder, Areae gastricae (Magenfelder), unterteilt. Diese sind von trichterförmigen Vertiefungen, Foveolae gastricae (Magengrübchen), durchsetzt, die die Mündungsstellen der jeweiligen Magendrüsen (Glandulae gastricae) darstellen. Diese Konfiguration bildet durch Aufwerfen des Oberflächenreliefes die Pliace gastricae. In den Foveolae gastricae befinden sich die eigentlichen Epithelzellen, die sich je nach Magenabschnitt unterscheiden. Die Gl. gastricae liegen in der Lamina propria und unterscheiden sich ebenso je nach Abschnitt. Die verschiedenen Typen von Epithelzellen sind lichtmikroskopisch in der Regel nur schwer voneinander unterscheidbar.

Die Muskelschicht des Magens, Tunica muscularis, besteht aus drei Schichten: einer äußeren Längs-, einer mittleren Ring- und einer Schrägmuskelschicht. Diese werden als Stratum longitudinale, Stratum circulare und Fibrae obliquae bezeichnet. Je nach Magenabschnitt ist die Ausprägung unterschiedlich stark: die Längsfasern sind vor allem entlang der Kurvaturen ausgeprägt. Die Ringfasern bilden vor allem in der Pars pylorica den M. sphincter pylori (s.o.). Fundus und Corpus sind besonders reich an schrägen Fasern.

An die Tunica muscularis schließt sich die Tela subserosa an, gefolgt von der Tunica serosa. Letztere ist vorhanden, weil das Organ intraperitoneal liegt.

Embryologie

In der 5. Embryonalwoche wird die Magenanlage als spindelförmige Erweiterung des Vorderdarms sichtbar. In den folgenden Wochen bildet diese Anlage eine dorsale Aussackung. Diese zeigt bereits eine große und kleine Kurvatur. Im Weiteren Verlauf kommt es zur Magendrehung: die Anlage bewegt sich von dorsal um 90° nach linksseitig und nimmt teilweise Nerven und Gefäße mit. Daher liegt der ursprünglich linke N. vagus nach der Drehung ventral, der rechte N. vagus dorsal.

Im Bauchraum ist der Magen vor der Drehung ventral über ein Mesogastrium ventrale und dorsal über ein Mesogastrium dorsale mit der Bauchraumwand verbunden, die sich mitdreht. Das ventrale Mesogastrium wird zum späteren Omentum minus, das dorsale zum Lig. gastrosplenicum (auch: Lig. gastrolienale).

Funktion und Struktur-Funktions-Beziehungen

Die Aufgabe des Magens ist die Sammlung des Speisebreis, dessen mechanische und chemische Zerkleinerung und die schubweise Beförderung in das Duodenum. Um dies zu gewährleisten setzt der Magen - so wie der gesamte Magen-Darm-Trakt - eine Vielzahl lokal wirksamer endokriner Stoffe frei. Diese wirken sowohl rückkoppelnd auf die eigenen Funktionen als auch stimulierend auf die restlichen Anteile des Magen-Darm-Traktes sowie Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Des Weiteren befindet sich in der Magenwand ein Netzwerk autonomer Ganglien.

Zunächst gelangt der Speisebrei aus der Speiseröhre über die Kardia in den Corpus. Die durch Füllung erhöhte Wandspannung sorgt für die Freisetzung lokal wirksamer endokriner Stoffe sowie die Aktivierung autonomer Ganglien. In Folge dessen kommt es zu gerichteten Kontraktionen der Muskelschichten der Magenwand. Auf Grund der Struktur der Magenstraßen mit Ausrichtung in Richtung Pylorus wird so der zerkleinerte Speisebreis dorthin bewegt, während die Luft im Fundus verbleibt.

Funktionell ist die Dehnungssteuerung bedingt durch den Aufbau aus Längs-, Ring- und Schrägmuskelschicht. Diese macht den Magen gut dehnbar bei gleichzeitig wohlausgeprägter elastischer Rückstellkraft. Rückkopplungsmechanismen aus dem Dünndarm sorgen für die Steuerung der Magenmotilität. Bei ausreichender Füllung des Dünndarms wird der Speisebrei im Magen zurückgehalten und abermals durchmischt. Des Weiteren wird ein verstärktes Sättigungsgefühl vermittelt, wodurch die weitere Füllung verhindert werden soll. Die chemische Zerkleinerung erfolgt vor allem durch Enzyme, welche ebenfalls durch Erhöhung der Wandspannung und nervale Einflüsse freigesetzt werden.

Bildgebende Darstellung

Der Magen ist durch zahlreiche bildgebende Verfahren darstellbar. Die Art der Darstellung hängt vom benötigten Befund ab. Im Folgenden werden die vier wichtigsten Verfahren dargestellt.

Endoskopie

Die Endoskopie ist die häufigste bildgebende Maßnahme zur Beurteilung des Zustandes des Magens. Das Endoskop wird über den Mund durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt. Der Normalbefund zeigt einen deutlichen und sauberen Übergang zwischen Speiseröhre und Magen. Im Magen ist normotypisch eine glänzende Oberfläche zu erkennen. Sie ist – abgesehen von der Verteilung des Oberflächenreliefs – überall gleich ausprägt. Blutgefäße zeichnen sich leicht unter der Schleimhaut ab, treten jedoch nicht übermäßig deutlich hervor. Sie erzeugen eine leichte, aber nicht aufdringliche gesunde Hellrotfärbung (ähnlich dem Lippenrot).

Röntgen

Die Darstellung des Magens im konventionellen Röntgen erfolgt in der Regel mit Hilfe von Kontrastmittel. Nur so ist eine Darstellung überhaupt möglich, da im konventionellen Röntgen der Magen praktisch nicht erkennbar ist. In der Kontrastmitteluntersuchung zeigt der Normalbefund glatte Außenkonturen und ein regelmäßiges, feinmaschiges und durchgängiges Falten- und Feinrelief. Eine Darstellung in der Computertomographie (CT = Schichtröntgen) ist unüblich und sehr speziellen Fragestellungen vorbehalten.

Magnetresonanztomographie

Im Rahmen von Untersuchungen in der Tumordiagnostik erfolgt gelegentlich eine Untersuchung des Magens im MRT. Diese ist allerdings keine native Untersuchung des Magens, sondern dient vor allem der Beurteilung von Raumforderungen oder Entzündungsprozessen.

Sonographie

Im Rahmen verschiedener Erkrankungen kann eine sonographische Beurteilung des Magen-Darm-Traktes notwendig sein. Im Sonogramm zeigt der Normalbefund eine gleichmäßige Wandstärke sowie eine homogene Oberfläche der Muskulatur.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • Aumüller et al: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage, Thieme (2010)
  • Kolster, Voll: Lehmanns FACTs! Anatomie, 5. Auflage, Lehmanns Media (2010)
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  • Schünke, Schulte, Schumacher: Prometheus - Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. Auflage (überarbeitet), Thieme (2007)
  • Schünke, Schulte, Schumacher: Prometheus - Innere Organe, 3. Auflage, Thieme (2012)
  • Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 3. Auflage, Thieme (2009)
  • Möller: Röntgennormalbefunde, 4. Auflage (aktualisiert), Thieme (2003)
  • Möller, Reif: CT- und MRT-Normalbefunde, Erstauflage, Thieme (1998)
  • Pickuth: Sonographie systematisch, 2. Auflage, UNI-MED (2004)
  • Sadler: Medizinische Embryologie, 11. Auflage, Thieme (2008)
  • Loeweneck: Diagnostische Anatomie, Erstauflage, Springer Verlag (1981)
  • Lippert, Pabst: Arterial Variations in Man, Erstauflage, J.F. Bergmann Verlag München (1985)
  • Kauffmann, Moser, Sauer: Radiologie, 3. Auflage, Urban & Fischer (2006)
  • Schumacher, Aumüller: Topographische Anatomie des Menschen, 7. Auflage, Urban & Fischer (2004)
  • Bickley: Bates' großes Untersuchungsbuch, Erstauflage, Thieme (2000)
  • Zetkin / Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical (1999)
  • Kahle, Frotscher: Taschenatlas Anatomie - Nervensystem und Sinnesorgane, 10. Auflage, Thieme (2009)
  • Schmidt, Lang, Heckmann: Physiologie des Menschen, 31. Auflage, Springer Verlag (2010)
  • Gahl, Holldack: Auskultation und Perkussion, 15.Auflage, Thieme (2009)

Autor:

  • Andreas Rheinländer

Illustratoren: 

  • Arteria hepatica communis - Yousun Koh 
  • Arteria gastrica sinistra (Normaltyp) - Yousun Koh 
  • Plexus gastricus - anterior view - Yousun Koh 
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