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Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales)

Inhalt

Einführung

Die mit Schleimhaut ausgekleideten Nasennebenhöhlen zählen zu den sogenannten lufthaltigen Knochen, den Ossa pneumatia, die beim Menschen ausschließlich am Schädel zu finden sind. Sie stehen mit der Haupthöhle der Nase in Verbindung und dienen so der Befeuchtung und Anwärmung der Atemluft, sowie als Resonanz- und Klangkörper zur Sprachbildung. Ihr Aufbau entspricht der Leichtbauweise des Schädels. Während einige Nasennebenhöhlen bereits bei der Geburt angelegt sind, entstehen andere erst postnatal. Ihre endgültige Größe erreichen sie erst im Jugendalter und können dann in ihrer Form und Größe sehr variabel sein. Aufgrund der Verbindung der Nasennebenhöhlen mit der Nasenhöhle sind sie in Physiologie und Pathologie schwer getrennt voneinander zu betrachten.

Sagittale Ansicht des Schädels
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Strukturen des Schädels im Sagittalschnitt.

Aufbau

Kieferhöhle (Sinus maxillaris dexter et sinister)

Die Kieferhöhle liegt im Corpus der Maxilla und füllt diesen weitgehend aus. Mit einem Volumen von etwa 12-15 cm³ ist sie die größte der Nasennebenhöhlen. Beim Erwachsenen wird sie als liegende, vierseitige Pyramide beschrieben. Sie grenzt kranial an den Orbitaboden und kaudal an den Zahnbogen der Maxilla sowie an den seitlichen Gaumen. Dadurch kann es durch Nervenreizungen bei Kieferhöhlenentzündungen zu Zahnschmerzen kommen. Vorne und seitlich wird sie durch die Processus frontalis und zygomaticus begrenzt, die vom Oberkieferbogen seitlich der Orbitae zum Neurokranium hochziehen. Nach hinten läuft die Kieferhöhle in das Tuber maxillae aus, eine knöcherne Erhebung gleich hinter dem letzten oberen Backenzahn. Ihre Mündung befindet sich im Hiatus semilunaris.

Siebbeinzellen (Cellulae ethmoideales) im rechten und linken Siebbeinlabyrinth (Labyrinthus ethmoidalis)

Unter dem Begriff Siebbeinlabyrinth werden alle 8 bis 15 Siebbeinzellen zusammengefasst, die zwischen oberer Nasenhöhle und Orbita liegen. Dazu zählen 2 bis 10 größere Cellulae ethmoidales anteriores und 2 bis 6 kleinere Cellulae ethmoidales posteriores. Die vorderen und mittleren Siebbeinzellen münden unter der Concha nasalis media (mittlere Nasenmuschel) über den Hiatus semilunaris in den mittleren Nasengang. Die hinteren Siebbeinzellen münden unterhalb der Concha nasalis superior. Die größte Siebbeinzelle ist die Bulla ethmoidalis. Sie befindet sich oberhalb des Hiatus semilunaris. Weitere Zellen sind die Onodi-Grünwald-Zelle, die dorsal in der Nähe des Canalis opticus liegt, und die Haller-Zelle, die sich bis in das Dach der Kieferhöhle erstrecken kann und einen Teil des Orbitabodens bildet.

Stirnhöhlen (Sinus frontalis dext. et sin.)

Die Stirnhöhle liegt in der Pars nasalis des Os frontale über der Nasenwurzel und oberhalb der Augenbrauen. Aufgrund ihrer Variabilität in Form und Ausdehnung kommt sie im europäischen Raum gleich in vier Formvarianten vor: Blattform, Bohnenform, Mitralform (am häufigsten) und Pyramidenform. Ihr Boden grenzt an die Orbita und entspricht Teilen des Orbitadachs. Als Vorderwand dienen die supraorbitalen Stirnpartien zwischen den seitlich angrenzenden Arcus superciliares (Augenbrauensülste). Mittig liegt die als Glabella bezeichnete, meist haarlose Hautregion zwischen den Augenbrauen. In manchen Fällen kann die Stirnhöhle scheitelwärts auch bis zu 5 cm weit über den Augenhöhlenrand hinausragen. Ihre Ausbreitung nach medial ist sehr variabel und durch die dort liegenden Siebbeinzellen begrenzt. Durch ein Septum ist sie in eine rechte und linke Höhle aufgeteilt. Aufgrund der paramedianen Lage des Septums sind diese meist ungleichmäßig ausgebildet. Ihre Mündung liegt im vorderen Ende des Hiatus semilunaris, von wo aus ein kurzer Kanal in die Pars nasalis des Stirnbeins zieht.

Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis dext. et sin.)

Die paarig ausgebildete Keilbeinhöhle liegt im Os sphenoidale und damit von allen Nasennebenhöhlen am weitesten dorsal. Ein Septum intersphenoidale teilt sie in eine rechte und linke Höhle. Da dieses Septum meist schräg angelegt ist, erscheinen die beiden Höhlen asymmetrisch. Die Keilbeinhöhle füllt den Keilbeinkörper aus und grenzt nach oben an die Sella turcica (Türkensattel) und an die vordere und mittlere Schädelgrube. Dadurch liegt sie in unmittelbarer Nähe zur Hypophyse und zum Sinus cavernosus, sowie zum Canalis opticus und zum Chiasma opticum. Ihr Boden bildet das Dach des Nasopharynx und die Hinterwand den Clivus, dem die Pons cerebri aufliegt. Sie mündet in den Recessus sphenoethmoidalis oberhalb der Concha nasalis superior.

Die Keilbeinhöhle bietet einen geeigneten operativen Zugangspunkt von der Nasenhöhle zur Hypophyse, bspw. zur Entfernung von Hypophysentumoren.

Embryologie

Die Kieferhöhle sowie die Ethmoidalzellen sind bereits bei der Geburt vorhanden. Etwa ab dem zweiten Lebensjahr entwickelt sich dann die Stirnhöhle, und erst zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr beginnt die Ausbildung der Keilbeinhöhle. Auf Röntgenbildern ist sie sogar erst ab dem achten Lebensjahr erkennbar. Mit Ausnahme der Keilbeinhöhle, die durch Pneumatisation des Keilbeinkörpers entsteht, werden die Nasennebenhöhlen in der Embryonalentwicklung als Schleimhautausstülpungen an der Stelle angelegt, wo später die jeweilige Mündung zur Nasenhöhle liegt. Von diesem Punkt aus entwickeln sie sich in den Knochen hinein, nach dem sie benannt werden. Auslöser dieser Entwicklung ist die Ausbildung des Dauergebisses, während der der Kieferbogen einem starken Wachstum unterliegt.

Leitungsbahnen

Die vorderen und mittleren Siebbeinzellen sowie die Stirnhöhle werden von der A. ethmoidalis anterior versorgt. Die hinteren Siebbeinzellen und die Kieferhöhle hingegen erhalten ihr Blut über die A. ethmoidalis posterior. Beide Arterien entspringen der A. ophthalmica, einem Gefäßast der Arteria carotis interna. Die Kieferhöhle wird zusätzlich noch über die A. infraorbitalis und die A. alveolaris superior posterior der Arteria maxillaris versorgt.

Die Venen der Nasennebenhöhlen bilden ein Geflecht, das mit dem Plexus pterygoideus, den Gesichtsvenen und bei Kindern über ein Emissarium mit dem Sinus sagittalis superior in Verbindung steht.

Die sensorische Innervation erfolgt hauptsächlich über Äste des N. ophtalmicus (V1). Der N. ethmoidalis posterior innerviert die Keilbeinhöhle und die hinteren Siebbeinzellen und der N. ethmoidalis anterior die restlichen Sinus. Die Kieferhöhle wird zusätzlich von den Nn. alveolares superiores aus dem N. maxillaris (V2) innerviert.

Histologie

Die Nasennebenhöhlen werden von respiratorischem Flimmerepithel ausgekleidet, das allerdings weniger hoch ist und weniger Becherzellen enthält als das der Nasenschleimhaut. Die hier vorwiegend mukösen Drüsen sind spärlich und die Lamina propria ist dünn ausgebildet. Gelegentlich wird die Schleimhautauskleidung der Nasennebenhöhlen auch als Mukoperiost bezeichnet, da die Lamina propria direkt in das Periost des Knochens übergeht. Da die Venenplexus der Nasenhöhle nur bis an die Öffnungen zu den Sinus heranreichen, können sie zum Beispiel im Rahmen einer Erkältung zuschwellen.

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Quellen:

  • G. Aumüller, G. Aust, A. Doll et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2010) S. 944-950
  • D. Drenckhahn, J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008) S. 220- 221
  • R. Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie, 3. Vollständig überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2009) S. 331
  • Benninghoff, Drenckhahn: Anatomie Band 1, 17. Auflage, Urban & Fischer Verlag (2008), S. 546/547
  • M. Reiß: Facharztwissen HNO-Heilkunde, Springer Verlag (2009), S. 324 – 326, S. 399

Autor: Laura Jung

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