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Großhirnrinde (Cortex cerebri)

Die Großhirnrinde ist eine dichte Schicht aus Nervenzellen, die die äußere Oberfläche der Großhirnhemisphären unmittelbar unter der Pia mater auskleidet und aus grauer Substanz besteht.

Sie hat ein gewundenes Aussehen, das durch viele Windungen (Gyri) und dazwischenliegende Furchen (Sulci) besteht. Diese strukturelle Anordnung ist ein wichtiges Charakteristikum, das zu einer Oberflächenvergrößerung und damit auch zu einer höheren Nervenzellanzahl führt, die wiederum eine bessere Verarbeitung und kognitive Fähigkeiten zulassen.

Die Großhirnrinde lässt sich in funktionell unterschiedliche spezialisierte Bereiche einteilen. Man findet sensorische, motorische und assoziative Bereiche. Sie erfüllt ein breites Spektrum an Funktionen, wie die Sinneswahrnehmung, das Bewusstsein, die Persönlichkeit und die Planung, sowie die Initiierung von willkürlichen Bewegungen.

Kurzfakten über den Cortex cerebri
Definition Äußere Schicht der beiden Großhirnhemisphären aus grauer Substanz
Lappen (Lobus) Lobus frontalis, Lous parietalis, Lobus temporalis, Lobus occipitalis, Lobus insularis, Lobus limbicus
Furchen (Sulci) Sulcus lateralis: trennt den Lobus temporalis vom Lobus frontalis und parietalis
Sulcus centralis:
Teilt den Lobus frontalis vom Lobus parietalis
Sulcus parietooccipitalis:
Grenzt den Lobus parietalis vom Lobus occipitalis ab
Sulcus calcarinus:
zwischen Gyrus lingualis und Cuneus. Wirft einen Wulst auf und bildet den Vogelsporn (Calcar avis)
Sulcus cinguli:
Separiert den Lobus limbicus vom Lobus frontalis und parietalis
Sulcus collateralis:
Liegt zwischen dem Lobus limbicus und dem Lobus temporalis
Windungen (Gyri) Lobus frontalis: Gyrus precentralis, Gyrus frontalis superior, Gyrus frontalis medius, Gyrus frontalis inferior
Lobus parietalis:
Gyrus postcentralis, Lobus parietalis superior, Lobus parietalis inferior (Gyrus supramarginalis, Gyrus angularis)
Lobus temporalis:
Gyrus temporalis superior, Gyrus temporalis medius, Gyrus temporalis inferior
Lobus occipitalis:
Gyrus occipitalis superior, Gyrus occipitalis medius, Gyrus occipitalis inferior, Cuneus, Gyrus lingualis
Insula:
Gyri breves, Gyrus longus
Lobus limbicus:
Gyrus subcallosus, Gyrus parahippocampalis, Gyrus Cinguli
Funktionelle Einteilung Lobus frontalis: präfrontaler Cortex, prämotorischer Cortex, primär motorischer Cortex (Brodmann-Areal 6), motorisches Sprachzentrum (Broca-Areal; Brodmann-Areal 44;45)
Lobus parietalis:
somatosensorischer Cortex
Lobus temporalis:
Primäre Hörrinde, Wernicke-Areal (Brodmann-Areal 22)
Lobus occipitalis:
Primäre Sehrinde (Area striata, Brodmann-Areal 17)
Blutversorgung Endäste der A. cerebri anterior, A. cerebri media, A. cerebri posterior
Funktion Kontrolle von Willkürbewegungen, Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis, Motivation, Planung, Entscheidungsfindung, Problemlösung, konzeptionelles Denken, Wahrnehmung von Sinneseizen, Sprachverarbeitung, visuelle Verarbeitung, Verständnis und Steuerung von Emotionen
Inhalt
  1. Phylogenetische Einteilung
  2. Lappen
  3. Sulci
  4. Gyri
    1. Lobus frontalis
    2. Lobus parietalis
    3. Lobus temporalis
    4. Lobus occipitalis
    5. Lobus insularis
    6. Lobus limbicus
  5. Funktionelle Gliederung
    1. Säulen (Columnae)
    2. Felder
    3. Brodmann-Areale
  6. Histologie
    1. Granulärer Kortex
    2. Agranulärer Kortex
  7. Blutversorgung
  8. Funktion
  9. Literaturquellen
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Phylogenetische Einteilung

Die Großhirnrinde kann aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte in mehrere Regionen unterteilt werden: Allocortex, Paleokortex, Mesokortex und Neokortex (Isocortex).

Der Allokortex ist der älteste Anteil und setzt sich aus dem Archicortex und dem Paleocortex zusammen. Er besteht aus drei Zellschichten: einer polymorphen, einer pyramidalen und einer molekularen Schicht und ist mit dem limbischen System verbunden.

Der Paleokortex enthält dagegen drei bis fünf Zellschichten und verarbeitet vor allem Geruch und Geschmack. 

Der Mesokortex ist eine Zwischenform aus dem Allocortex und dem Isocortex. Er besteht aus drei bis sechs Schichten und befindet sich in der Insula, dem Cingulum und dem Gyrus parahippocampalis. 

Der Neokortex (Isokortex) ist, wie sein Name bereits aussagt, die jüngste kortikale Region und macht bis zu 90% des menschlichen Kortex aus. Er beinhaltet alle Lappen (Frontallappen, Temporallappen, Parietallappen, Okzipitallappen) mit Ausnahme des Lobus limbicus und besteht aus sechs Zellschichten (Laminae). 

Lappen

Die Großhirnrinde lässt sich durch die Anordnung der großen Sulci in sechs Lappen aufteilen. 

Vier dieser Lappen, der Frontal-, Parietal-, Temporal- und Okzipitallappen tragen Ihre Namen auf Grund der darüber liegenden namensverwandten Schädelknochen. Die Insula befindet sich in der Tiefe des Sulcus lateralis, während der limbische Lappen auf der medialen Seite der Hemisphäre liegt.

Die Lappengrenzen werden durch große Sulci definiert, die die unterschiedlichen Regionen der Großhirnrinde voneinander trennt.

Sulci

Man kann verschiedene Arten von Sulci unterscheiden: Primärfurchen, Sekundärfurchen und Tertiärfurchen. Die Primärfurchen grenzen die Großhirnlappen voneinander ab und sind bei jedem Gehirn identisch. Dazu gehören der Sulcus centralis, Sulcus lateralis, Sulcus calcarinus und Sulcus parietooccipitalis.

Als Sekundärfurchen bezeichnet man die Sulci, die Abzweigungen von den Primärfurchen bilden und damit innerhalb der Großhirnlappen Unterteilungen bilden.

Tertiärfurchen sind Abzweigungen von Sekundärfurchen.

Zu den bedeutsamsten an der Seitenfläche des Gehirns verlaufenden Sulci gehört der Sulcus lateralis (auch als Sylvische Furche bezeichnet), der den Temporallappen von dem Frontal- und Parietallappen trennt und der Sulcus centralis, der den Frontal- von dem Parietallappen abgrenzt.

Zu den wichtigeren Sulci der medialen Gehirnoberfläche gehört der Sulcus parietooccipitalis, der wie der Name vermuten lässt, den Parietallappen und den Okzipitallappen separiert. Dazu kommt der Sulcus cinguli, der den Lobus limbicus von Frontal- und Parietallappen trennt und der Sulcus collateralis, der zwischen Lobus limbicus und Lobus temporalis verläuft.

Der Lobus insularis, der an der Basis der Sulcus lateralis liegt, ist durch den Sulcus cingularis von den angrenzenden Parietal-, Temporal und Frontallappen getrennt.

Gyri

Die Großhirnrinde verfügt in jedem Lobus über mehrere nennenswerte Gyri, welchen eine Vielzahl an Funktionen zugeteilt werden kann.

Lobus frontalis

Der Frontallappen ist der größte Lappen der Hirnrinde und beinhaltet vier Hauptgyri an seiner Seitenfläche: Gyrus precentralis, Gyrus frontalis superior, Gyrus frontalis medius und Gyrus frontalis inferior.

Der Gyrus precentralis liegt zwischen dem Sulcus centralis und precentralis. Er birgt den Primärmotorischen Cortex (Brodmann-Areal 4) und ist an Verarbeitung von Signalen aus unterschiedlichen Hirnregionen beteiligt, um die Willkürmotorik der kontralateralen Seite zu steuern.

Der Gyrus frontalis superior liegt vor dem Sulcus precentralis, während der Gyrus frontalis medius zwischen dem Sulcus frontalis superior und dem Sulcus frontalis inferior liegt.

Der Gyrus frontalis inferior liegt an der inferolateralen Fläche des Frontallappens, unter dem Sulcus frontalis inferior, welcher ihn vom Gyrus frontalis medius abgrenzt. Man kann ihn in drei Teile aufgliedern: eine Pars opercularis, eine Pars triangularis und eine Pars orbitalis. In der dominanten Gehirnhälfte enthalt diese Region das Broca Sprachzentrum (Brodmann-Areal 44 und 45 und ist wichtig für die motorische Komponente der Sprachproduktion.

Lobus parietalis

Der Parietallappen enthält den Gyrus postcentralis, sowie den Lobus parietalis superior und inferior.

Der Gyrus postcentralis wird als somatosensoischer Kortex bezeichnet (Brodmann-Areal 3; 1; 2).

Er liegt zwischen dem Sulcus centralis und Sulcus postcentralis und ist die Region der Großhirnrinde, die sensorische Informationen empfängt, die mit Berührungen und der Wahrnehmung der Körperposition und -bewegung zusammenhängt.

Der Lobulus parietalis inferior (Brodmann-Areal 39; 40) besteht aus zwei Gyri: dem Gyrus supramarginalis und dem Gyrus angularis. Der Gyrus supramarginalis befindet sich oberhalb der Fossa lateralis cerebri. Der Gyrus angularis liegt direkt hinter dem Gyrus supramarginalis.

Beide Gyri sind an der Wahrnehmung auditiver und visueller Reize beteiligt und bilden einen Teil des Wernicke-Areals. Dieses Areal ist eine wichtige funktionelle Einheit der Großhirnrinde, die eine bedeutende Rolle beim Sprachverständnis spielt.

Der Lobus parietalis superior (Brodmann 5;7) wird durch den Sulcus intraparietalis vom Lobus parietalis inferior abgegrenzt. Diese Region ist an der Integration von sensorischen und motorischen Funktionen beteiligt und vermittelt Signale an den Prämotorischen Cortex.

Lobus temporalis

Der Temporallappen besteht aus dem Gyrus temporalis superior, medius und inferior, die durch den Sulcus temporalis superior und inferior getrennt werden.

Der Gyrus temporalis superior enthält eine spezialisierte Region, die Gyri temporales transversi (Heschl’sche Querwindungen), die auch als primärer auditorischer Cortex (Brodmann-Areal 41;42) bezeichnet werden. Diese Region ist vor allem für die Aufnahme auditiver Informationen verantwortlich.

Hinter dem primären auditorischen Cortex im Gyrus temporalis superior, liegt das sensorische Sprachzentrum. Dieser Bereich ist für die Interpretation von Geräuschen und für die Verknüpfung sensorischer Reize mit anderen Informationen zuständig. Der hintere Teil dieser Region der dominanten Gehirnhälfte (normalerweise links) bildet das Wernicke-Areal, das für das Sprachverständnis von Bedeutung ist.

Der Gyrus temporalis medius ist mitbeteiligt an der Bewegungswahrnehmung im Gesichtsfeld, während der Gyrus temporalis inferior eher eine Rolle in der Wiedererkennung von Gesichtern spielt.

Lobus occipitalis

Der Lobus occipitalis bildet den kaudalen Anteil des Gehirns. Seine laterale Oberfläche weist häufig eine ausgeprägte Variabilität in der Ausprägung der Sulci auf. Dementsprechend gibt es entweder zwei oder drei Gyri (superior, medius, inferior). Auf der Medialfläche des Okzipitallappens trennt der Sulcus calcarinus den darüberliegenden Cuneus von dem darunterliegenden Gyrus lingualis. Beide bilden zusammen den primären visuellen Cortex (Brodmann-Areal 17), der für die Integration und Wahrnehmung visueller Informationen zuständig ist.

Lobus insularis

Der Lobus insularis liegt in der Tiefe der Fissura temporalis lateralis. Er enthält eine Ansammlung an kurzen Gyri (Gyri breves) in der rostralen Region und einige längere Gyri (Gyri longi) in der kaudalen Region.

Diese Gyrigruppen sind durch den Sulcus centralis der Insula voneinander getrennt. Der Insellappen ist an  der Aufnahme und Verarbeitung, sowie Integration verschiedenster Informationen, darunter Geschmacksempfinden, viszerale Wahrnehmung, Schmerzempfinden und Gleichgewichtssinn.

Lobus limbicus

Dieser Lobus ist eine Art Ring, der auf der Medialseite beider Hemisphären das Corpus callosum umgibt. Er gehört zum limbischen System, das an Ausdruck von Emotionen und Verhalten beteiligt ist. Er setzt sich aus dem Gyrus subcallosus, Gyrus cinguli und dem Gyrus parahippocampalis zusammen. 

Der Gyrus subcallosus liegt unter dem Rostrum corporis callosi. Dieser Bereich entspricht den Brodmann-Arealen 24; 25; und 32 und ist vermutlich an Depressionen mitbeteiligt. 

Der Gyrus cinguli liegt direkt über dem Corpus callosum, setzt sich in das Genu des Corpus callosum fort und verschmilzt mit dem Gyrus subcallosus. Hinten umgibt der Gyrus cinguli das Splenium corporis callosi. Er ist durch den Sulcus callosus com Corpus callosum getrennt, während der Sulcus cinguli ihn von Frontal- und Parietallappen abgrenzt. Der Gyrus cinguli ist an der Regulierung von Emotionen und viszeromotorischen Prozessen beteiligt. 

Der Gyrus parahippocampalis liegt zwischen dem Sulcus parahippocampalis und dem Sulcus collateralis, der sich anterior als Sulcus rhinalis fortsetzt. Er ist Bestandteil der Hippocampusformation und erstreckt sich anteromedial in den Uncus, der die Amygdala enthält.

Der Gyrus parahippocampalis stellt einen Verbindungsweg zwischen dem Hippocampus und allen kortikalen Assoziationsgebieten dar, durch welchen afferente Signale in den Hippocampus gelangen.

Funktionelle Gliederung

Säulen (Columnae)

Man kann die Großhirnrinde auch funktionell in vertikale Einheiten, die als Säulen bezeichnet werden, untergliedern. Diese stellen die funktionellen Einheiten der Hirnrinde dar und sind in der Lage Zusammenhänge speichern und komplexere Prozesse auszuführen als ein einzelnes Neuron.

Jede Säule ist senkrecht zu den Großhirnrindenschichten ausgerichtet und enthält alle sechs Zellschichten. Die Nervenzellen sind innerhalb einer Säule eng miteinander verbunden, haben aber auch Verbindungen zu benachbarten und weiter entfernten Säulen, sowie zu den kortikalen Strukturen, insbesondere dem Thalamus.

Felder

Desweiteren kann man die Großhirnrinde in drei Funktionsbereiche unterteilen: Primärfelder, Sekundärfelder und Assoziationsfelder.

Zu den Primärfeldern gehören zum einen sensorische Zentren (Zum Beispiel Seh-/Hörrinde), die ihre Afferenzen direkt vom Thalamus beziehen. Die Informationen werden hier interpretationsfrei zum Bewusstsein gebracht. Zum anderen zählt als motorisches Primärfeld der Motorkortex (Gyrus precentralis) zu den Primärfeldern. Von diesem aus gelangen Efferenzen ins Rückenmark

Sekundärfelder umgeben die Primärfelder und erhalten afferente Projektionen von diesen und aus dem Thalamus. Sie sind für die Integration und Interpretation der unverarbeiteten Signale aus den Primärfedern und aus dem Thalamus zuständig und verfeinern diese.

Assoziationsfelder sind afferent und efferent mit Primär- und Sekundärfeldern verbunden. Ihre Aufgabe ist es verschiedene Reize, die das Gehirn erreichen zu integrieren, zu verarbeiten und zu analysieren und sind an der Übertragung höherer Denkprozesse beteiligt.

Sekundärfelder liegen neben den ihnen zugeordneten Primärfeldern. Sie dienen der Interpretation der Sinnesinformation, die im Primärfeld verschaltet wurde.

Brodmann-Areale

Die Großhirnrinde wird auf Grund der histologischen Struktur und der zellulären Organisation durch Sulci in kleinere Regionen unterteilt. Diese kleineren Regionen werden als Brodmann-Areale bezeichnet. Insgesamt gibt es 52 Areale, die erwiesenermaßen einen unterschiedlichen neuronalen Aufbau haben und außerdem mit verschiedenen Funktionen korrelieren.

Wichtige Brodmann-Areale
Lobus frontalis Primärmotorischer Cortex (Areal 4), Prämotorischer Cortex und Supplementärmotorischer Cortex (Areal 6), Frontales Augenfeld (Areal 8), Präfrontaler Cortex (Areal 9; 10)
Lobus parietalis Primärer Somatosensorischer Cortex (Areal 1;2;3), Lobus temporalis: Primäre Hörrinde (Areal 41), Sekundäre Hörrinde (Areal 42)
Lobus occipitalis Primäre Sehrinde (Areal 17), Sekundäre Sehrinde (Areal 18)
Spezielle Brodmann-Areale Wernicke-Zentrum (Areal 22; 39; 40) - sensorisches Sprachzentrum, Sprachverständnis
Broca-Areal
(Aleal 44; 45) - motorisches Sprachzentrum

Die Brodmann-Areale im Gedächtnis zu behalten, fällt oft schwer. Nutze die Videos, Artikel, Abbildungen und Quizfragen, die in dieser Lerneinheit enthalten sind, um die Thematik mit verschiedenen Methoden zu erlernen.

Histologie

Mikroskopisch betrachtet, besteht die Großhirnrinde aus den Zellkörpern von abermillionen Nervenzellen, ihren Dendriten, myelinisierten und nicht-myelinisierten Axonen, die alle zusammen eine eine außergewöhnliche mehrschichtige Anordnung haben.

Darüber hinaus enthält sie einen reichen Gliazellbestand, zu welchen Oligodendrozyten, Astrozyten, Mikroglia und Ependymzellen gehören, sowie Blutgefäße. 

Die Nervenzellen der Hirnrinde bestehen aus sechs Hauptzelltypen:

  • Pyramidenzellen (die wichtigsten Efferenzen der Großhirnrinde)
  • fusiformen Zellen (auch Spindelzellen)
  • Körnerzellen
  • Korbzellen
  • Horizontalzellen (bestehend aus Cajal-Horizontalzellen und Martinotti-Zellen)

Mikroskopisch lässt sich die Großhirnrinde in den Allo- und den Isocortex einteilen.

Während der Allocortex entwicklungsgeschichtlich älter ist und nur einen geringen Anteil bildet, ist der Isocortex phylogenetisch jünger und macht die Mehrheit der Großhirnrinde aus.

Auch in der Ausprägung der Schichtung gibt es Unterschiede: Der Isocortex hat einen typischen Aufbau aus sechs Schichten, der Allocortex besteht im Gegensatz dazu nur aus drei bis fünf Schichten.

Die Einteilung der sechs Schichten des Isocortex (horizontale Laminae) richtet sich nach der Größe und Form der Nervenzellkörper. Man unterscheidet histologisch Pyramidenzellen (85%) von Nicht-Pyramidenzellen. Pyramidenzellen bilden die Efferenzen der Großhirnrinde. Sie sind Projektionsneurone, das heißt sie übermitteln Informationen in weiter entfernte Hirnareale, sogar bis in die andere Hemisphäre. Sie benutzen dafür den exzitatorischen Transmitter Glutamat. Eine Besonderheit sind die Betz-Riesenpyramidenzellen, da sie die Efferenz der Pyramidenbahn darstellen.

Nicht-Pyramidenzellen sind Interneurone und umfassen verschiedene Zelltypen, wie Korbzellen oder Martinotti-Zellen und wirken überwiegend hemmend über den Transmitter GABA.

Man gibt den einzelnen Laminae römische Ziffern und ordnet sie von außen (direkt unter der Pia mater encephali) bis in die Tiefe in folgender Reihenfolge:

  • Lamina molecularis (I) = Molekularschicht: Sie besteht vor allem aus den Axonen tieferliegender Neurone. Zusätzlich finden sich vereinzelt Nicht-Pyramidenzellen und gelegentlich Cajal-Retzius-Zellen. Diese Schicht weist im Allgemeinen eine sehr geringe Zelldichte auf
  • Lamina granularis externa (II) = äußere Körnerschicht: Besteht aus vielen kleinen Pyramidenzellen, die den Eindruck einer Körneransammlung vermitteln und daher namensgebend sind (granular = körnig). Hier liegt eine hohe Zelldichte vor.
  • Lamina pyramidalis externa (III) = äußere Pyramidenschicht: Enthält überwiegend große Pyramidenzellen. Die axonalen Fortsätze bilden in der Mehrzahl Assoziations- und Kommissurenfasern aus
  • Lamina granularis interna (IV) = innere Körnerschicht: umfasst modifizierte Pyramidenzellen (Sternzellen) und Nicht-Pyramidenzellen. Diese Schicht erhält Afferenzen aus dem Thalamus und empfängt somit somatosensible Informationen. In sensiblen Bereichen der Großhirnrinde ist diese Schicht stark ausgeprägt (Seh-/ Hörrinde).
  • Lamina pyramidalis interna (V) = innere Pyramidenschicht: Beinhaltet vor allem mittelgroße bis große Pyramidenzellen  Beinhaltet vor allem Betz-Riesenpyramidenzellen, die Efferenzen in die Pyramidenbahn abgeben. Diese Schicht ist besonder in motorischen Arealen, wie dem Gyrus praecentralis, stark ausgebildet.
  • Lamina multiformis (VI) = multiforme Schicht: Besteht aus verschiedenen Nervenzellen, vorwiegend aus fusiformen Zellen und wenigen kleinen Pyramidenzellen und Nicht-Pyramidenzellen. Die axonalen Fortsätze bilden Efferenzen zum Thalamus.

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Granulärer Kortex

In sensibel-sensorischen Bereichen, wie dem Gyrus postcentralis und der Seh- oder der Hörrinde ist eine starke Ausprägung der Körnerschichten vorhanden (Laminae II und IV), weswegen man auch von einem granulären Kortex spricht.

Hier sind die Pyramidenschichten nur sehr leicht ausgebildet angelegt. Es dominieren inhibitorische GABAerge Nicht-Pyramidenzellen. Nicht-Pyramidenzellen sind immer Interneurone, die der Informationsverarbeitung innerhalb des Kortex dienen und diesen in der Regel nicht verlassen.

Agranulärer Kortex

In motorischen Kortexarealen fällt auf, dass die Pyramidenschichten (III und V) sehr stark ausgebildet sind und die Körnerschichten kaum entwickelt sind oder sogar zu fehlen scheinen. Hier findet man vor allem die efferenten Pyramidenzellen, die glutamerg sind und die Form einer Pyramide annehmen.

Blutversorgung

Die Großhirnrinde wird von den kortikalen Ästen der vorderen, mittleren und hinteren Hirnarterien mit Blut versorgt.

Die vordere und mittlere Hirnarterie entspringen als Endäste aus der Arteria carotis interna, während die hintere Hirnarterie einen Endast der Arteria basilaris darstellt.

Die Arteria cerebri media versorgt vor allem die Seitenflächen der Großhirnhemisphären. Der Okzipitallappen und der Gyrus temporalis inferior wird von der Arteria cerebri posterior durchblutet. Äste aller drei Arterien versorgen die mediale und die inferiore Hemisphärenoberfläche.

Funktion

Die Großhirnrinde ist in verschieden funktionelle Regionen gegliedert, welche verschiedene Stimuli verarbeiten und jeweils für spezifische Hirnfunktionen, wie sensorische, motorische und höhere intellektuelle Funktionen, verantwortlich sind.

Die Nervenzellen der Großhirnrinde empfangen Afferenzen von verschiedenen subkortikalen Strukturen, die vom Thalamus ausgehen, sowie über Assoziationsfasern von anderen kortikalen Regionen. Nervenbahnen aus der Großhirnrinde selbst projizieren in verschiedene Strukturen des zentralen Nervensystems, wie den Thalamus, Basalkerne, Hirnstammkerne, pontine Kerne, Kleinhirn und Rückenmark und andere kortikale Bereiche. 

  • Der Frontallappen enthält den präfrontalen Kortex, den prämotorischen Kortex, den primären motorischen Kortex (Brodmann-Areal 6)  und das Broca-Areal ( Brodmann-Areal 44; 45). Dieser Lobus ist für die Kontrolle der Willkürmotorik, Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnisaufgaben, Motivation und Planung beteiligt und trägt auch zur Ausbildung von Persönlichkeitsmerkmalen bei.
  • Der Parietallappen ist für die Verarbeitung propriozeptiver und mechanozeptiver Reize zuständig und spielt auch bei der Sprachverarbeitung eine Rolle. Er enthält den primären somatosensorischen Kortex (Brodmann-Areal 3; 2; 1), dem somatosensorischen Assoziationskortex (Brodmann-Areal 5;7) und den inferioren Parietallappen, der einen Teil des Wernicke-Areals bildet. 
  • Der Okzipitallappen enthält den primären visuellen Kortex (Brodmann-Areal 17) und ist das Zentrum der visuellen Verarbeitung. 
  • Der Temporallappen ist an der Deutung sensorischen Inputs beteiligt, entsprechend des visuellen Gedächtnisses und des Sprachverständnisses. Er enthält den primären auditorischen Kortex und das Wernicke-Areal.
  • Die Insula spielt eine Rolle bei der Verarbeitung und Integration von Geschmacksempfindung, viszeralen Empfinden und Schmerzempfinden, sowie vestibulärer Funktionen.
  • Der Lobus limbicus enthält Regionen, die mit der Steuerung von Emotionen, viszeralen und autonomen Funktionen, Lernen und Gedächtnis in Verbindung stehen. 

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