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Kehlkopfmuskulatur

Inhalt

Übersicht

Die Muskulatur des Kehlkopfes (Larynx) lässt sich in zwei Gruppen einteilen: die eigentliche Kehlkopfmuskulatur und die Zungenbeinmuskulatur. Erstere wirken auf die Kehlkopfknorpel und die Stimmbänder ein und werden in innere und äußere Kehlkopfmuskeln unterteilt. Ihre Benennung erfolgt nach der Kurzform der drei wichtigsten durch sie verbundenen Knorpel (crico-, ary- und thyro-) und sie werden über Äste des N. vagus innerviert. Die Zungenbeinmuskeln dagegen, bestehend aus den infrahyalen und suprahyalen Muskeln, bewegen über das Zungenbein (Os hyoideum) den Kehlkopf als Ganzes und werden über Äste des Plexus cervicalis, N. mandibularis und N. facialis versorgt.

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Infrahyale Muskulatur

Die infrahyale Muskulatur (Mm. infrahyoidei) gehört zur Halsmuskulatur im eigentlichen Sinne. Entsprechend ihrer Position kaudal des Zungenbeins besteht ihre Hauptaufgabe darin, das Zungenbein während des Schluckaktes zu senken. Die Innervation erfolgt über die sogenannte Ansa cervicalis profunda, einer Nervenschlinge aus den Segmenten C1-C3. Zu dieser Gruppe zählen folgende Muskeln, dessen Ansätze und Ursprünge vom jeweiligen Namen abgeleitet werden können:

  • M. sternohyoideus: Manubrium sterni und Sternoklavikulargelenk → Zungenbeinkörper
  • M. sternothyroideus: Manubrium sterni → Schildknorpel
  • M. thyrohyoideus: Schildknorpel → Zungenbeinkörper und Cornu majus
  • M. omohyoideus: Scapula → Zungenbeinkörper

Der M. omohyoideus stellt funktionell eine Besonderheit dar: Die Zwischensehne zwischen seinen zwei Bäuchen spannt die mittlere Halsfaszie (Lamina praetrachealis), die mit der Vagina carotica verwachsen ist. Somit wird das Lumen der V. jugularis interna offen gehalten und ein kontinuierlicher Blutabfluss aus dem Kopf gewährleistet.

Suprahyale Muskulatur

Die suprahyale Muskulatur (Mm. suprahyoidei) liegt kranial des Zungenbeins bildet beim Schluckakt durch das Anheben des Knochens den Gegenpart zur infrahyalen Muskulatur. Zusätzlich stellt sie die muskuläre Grundlage des Mundbodens dar. Folgende Muskeln zählen zu den suprahyalen Muskeln: 

  • M. geniohyoideus: entspringt an der Spina mentalis der Mandibula. (Innervation: Plexus cervicalis)
  • M. mylohyoideus: zieht von der Linea mylohyoidea der Mandibula und wird auch als Diaphragma oris bezeichnet. (Innervation: N. mylohyoideus des N. mandibularis)
  • M. digastricus: hat seinen Ursprung an der Fossa digastrica der Mandibula (Venter anterior) und Incisura mastoidea des Os temporale (Venter posterior). (Innervation: N. mylohyoideus des N. mandibularis [Venter anterior] und R. colli des N. facialis [Venter posterior])
  • M. stylohyoideus: entspringt am Processus styloideus des Os temporale. (Innervation: R. colli des N. facialis)

Kehlkopfmuskeln

Die Muskeln, die direkt am Kehlkopf entspringen oder ansetzen, werden zur eigentlichen Kehlkopfmuskulatur gezählt. Diese können mit umliegenden Strukturen verbunden sein (äußere oder extrinsische Kehlkopfmuskeln) oder nur innerhalb des Kehlkopfs verlaufen (innere oder intrinsische Kehlkopfmuskeln).

Äußere Kehlkopfmuskeln

Der M. cricothyroideus ist der einzige äußere Kehlkopfmuskel und der wichtigste Spanner der Stimmbänder und damit Regulator der Tonhöhe. Er entspringt von der Außenfläche des Ringknorpelbogens und inseriert am Unterrand und am Unterhorn des Schildknorpels. Er wird vom R. externus des N. laryngeus superior (Ast des N. vagus) innerviert.

Innere Kehlkopfmuskeln

Ein charakteristisches Merkmal der inneren Kehlkopfmuskeln ist, dass sie alle über den N. laryngeus recurrens innerviert werden, ebenfalls ein Ast des N. vagus.

M. cricoarytenoideus posterior

Er entspringt an der Hinterseite der Ringmuskelplatte und inseriert am Processus muscularis des gleichseitigen Aryknorpels. Er ist der einzige Öffner der Stimmritze, weshalb es bei beidseitigem Ausfall (z.B. durch Schädigung des N. laryngeus recurrens im Rahmen einer Schilddrüsen-OP) zu schwerwiegenden Atemstörungen kommt. Die klinische Bezeichnung für diesen Muskel lautet "Postikus".

M. cricoarytenoideus lateralis

Er zieht lateral vom oberen Rand des Ringknorpels zum Processus muscularis des gleichseitigen Aryknorpels. Er schließt den vorderen Teil der Stimmritze (Pars intermembranacea) und entspannt dabei die Stimmbänder. Die klinische Bezeichnung für diesen Muskel lautet "Lateralis".

M. arytenoideus transversus

Dieser unpaarer Muskel verbindet die dorsalen Flächen der beiden Aryknorpel miteinander. Somit verschließt er den hinteren Teil der Stimmritze (Pars intercartilaginea) und spannt dabei die Stimmbänder.

M. arytenoideus obliquus

Er entspringt vom Processus muscularis des Aryknorpels und inseriert an der Spitze des kontralateralen Aryknorpels. Seine Fasern werfen zwischen Epiglottis und Aryknorpel eine Schleimhautfalte auf, die aryepiglottische Falte (Plica aryepiglottica), die bei Kontraktion zu einer Verengung des Kehlkopfeingangs (Aditus laryngis) führt.

M. aryepiglotticus

Dieser ist eine sphinkterartige Fortsetzung des M. arytenoideus obliquus, der am unteren Seitenrand der Epiglottis ansetzt. Er spannt die Plica aryepiglottica und verengt so den Aditus laryngis, was als Schutzfunktion beim Schluckakt dient.

M. thyroarytenoideus

Er entspringt an der Innenfläche des Schildknorpels und setzt an der lateralen Fläche des Aryknorpels an. Er zieht die Aryknorpel nach vorne, wodurch er die Stimmfalten verkürzt und somit die Glottis verschließt. Funktionell ist der M. thyroarytenoideus also der Gegenspieler des Postikus.

M. vocalis (M. thyroarytenoideus, Pars interna)

Der M. vocalis strahlt lateral in den M. thyroarytenoideus ein und stellt streng genommen seine Pars interna dar. Er inseriert am Processus vocalis des Aryknorpels und lagert sich dem Stimmband von lateral an. Durch seine Kontraktion erlaubt er die Feinregulierung der Stimmritze und ist somit für die Stimmcharakteristik verantwortlich.

M. thyroepiglotticus

Dieser Muskel entspringt an der Innenfläche des Schildknorpels und setzt an der Membrana quadrangularis und am Seitenrand der Epiglottis an. Früher wurde er als Teil des M. thyroarytenoideus gesehen (Pars thyroepiglottica), doch heutzutage zählt er als eigenständiger Muskel. Anatomisch hebt er die Epiglottis, seine genaue Funktion ist jedoch nicht bekannt.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • G. Aumüller, G. Aust, A. Doll et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag KG (2010), S. 808, 838
  • D. Drenckhahn, J. Waschke: Taschenbuch Anatomie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2008), S. 221-226
  • J. Kirsch, C. A. May, D. Lorke et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Thieme (2010), S. 862-863

Autor:

  • Laura Jung

Illustratoren: 

  • Infrahyale Muskulatur / Musculi infrahyoidei (ventrale Ansicht) - Yousun Koh 
  • Suprahyale Muskulatur / Musculi suprahyoidei (ventrale Ansicht) - Yousun Koh 
  • Musculus cricothyroideus (grün) - Yousun Koh 
  • Musculus cricoarytenoideus lateralis (grün) - Yousun Koh 
  • Musculus vocalis / M. thyroarytenoideus, Pars interna - Yousun Koh 
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