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Vagina - Histologie

Die Vagina ist ein fibromuskuläres Organ mit mukösem Charakter. Sie besteht aus einer für Schleimhautgewebe typischen Dreischichtung und ist frei von Drüsen. Genau wie der Uterus unterliegt sie periodischen Schwankungen, die dem Ovarialzyklus folgen.

Aufbau

Die Wand der Vagina ist in Schleimhaut (Tunica mucosa), Muskelschicht (Tunica muscularis) und Bindegewebe (Tunica adventitia) gegliedert.

Tunica mucosa

Luminal befindet sich die Tunica mucosa, bestehend aus einer Lamina epithelialis mit mehrschichtig unverhornendem Plattenepithel und einer Lamina propria mit lockerem kollagenem Bindegewebe.

Das Plattenepithel besteht aus Basalzellen (Stratum basale), Parabasalzellen (Stratum parabasale), tiefen und oberflächlichen polygonalen Intermediärzellen (Stratum polygonale) sowie Superfizialzellen (Stratum superficiale) mit pyknotischen Kernen und Keratohyalingranula. Das Stratum parabasale ist eine Besonderheit des vaginalen Plattenepithels und dient der Regeneration.

Mikro- und makroskopisch bildet das Epithel Querfalten, die Rugae vaginales.

Vagina - anterior

Das Epithel unterliegt den Schwankungen des Ovarialzyklus. In der Proliferationsphase ist es höher, nach der Ovulation werden die mit Glykogen beladenen oberflächlichen Epithelzellen abgestoßen. Das Glykogen aus den abgeschilferten Zellen wird von Bakterien der Gattung Lactobacillus, den Döderlein-Stäbchen, zu 2-Hydroxypropansäure (Milchsäure) abgebaut. Dadurch kommt es zu einer Verringerung des pH-Wertes. Glykogenreiche Zellen sind in der Hämatoxylin-Eosin-Färbung blass.

In der Lamina propria befinden sich zahlreiche elastische Fasern sowie eine Vielzahl von Gefäßen. Letztere sind in der Regel nur in einem Querschnitt angeschnitten, dies spiegelt jedoch nicht die topographische Situation wider. Der vaginale Muskelschlauch ist von einem dichten Venennetz umschlungen, das in der Lamina propria ein Netzwerk bildet.

Das Vaginalepithel ist frei von Drüsen. Die Oberfläche des Epithels wird von Zervixschleim sowie Gewebsflüssigkeit, die durch das Epithel ausgepresst wird (Transsudat), befeuchtet. Bei sexueller Erregung befeuchtet ein muköses Sekret aus den Bartholin-Drüsen (Glandula vestibularis major) den äußeren Abschnitt der Vagina (Lubrikation). Dieses wird durch die Ein- und Auswärtsbewegung des Penis über die gesamte Fläche des Vaginalepithels verteilt; zudem wird die Transsudationsrate des Epithels deutlich gesteigert.

Vagina mit Rugae vaginales

Der Zustand des Hormonstatus lässt sich im histologischen Präparat in der Regel nicht erkennen. Jedoch kann mit Hilfe eines Ausstrichpräparates nach Papanicolaou, dessen Material durch Abstrich aus der Portio und der Cervix uteri gewonnen wird, der Östrogenspiegel indirekt bestimmt werden.

Eine erhöhte Anzahl von Zellen mit kleinen pyknotischen Kernen (Karyopyknose-Index) sowie ein erhöhter Prozentsatz eosinophiler Zellen (Eosinophilie-Index) spricht dabei für einen erhöhten Östrogenspiegel.

Tunica muscularis und adventitia

Auf die Lamina propria folgt die Tunica muscularis, eine Schicht scherengitterartig angeordneter glatter Muskelzellen. Außen liegt eine longitudinal verlaufende Schicht, innen eine zirkuläre Schicht. Die Tunica muscularis ist aufgelockert und von Bindegewebe und Venenanschnitten durchzogen.

Parakolpium - coronal

Der Tunica muscularis folgt die Tunica adventitia, die aus lockerem kollagenem Bindegewebe besteht. Sie verbindet die Vagina mit dem umliegenden Beckenraum und -organen (z.B. Urethra). In ihr verlaufen Nervenfasern, die die Blutversorgung und glatten Muskelzellen der Tunica muscularis regulieren. Dicht gefolgt an der Tunica adventitia folgt das Parakolpium, welches die Vagina im Becken einbettet und schützt.

Histologische Differentialdiagnose

Eine Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Ösophagus, welches ähnlich dreischichtig aufgebaut ist. Dort finden sich jedoch Drüsen in der Lamina propria, während das vaginale Epithel drüsenfrei ist.

Klinik

Eine häufige Erkrankung der Vagina ist die Entzündung (Kolpitis); der Begriff "Vaginitis" ist klinisch eher wenig gebräuchlich. In der Regel handelt es sich um eine unspezifische Entzündung, vor allem durch Trichomonas vaginalis, Gardnerella vaginalis und Candida albicans.

Histopathologisch kommt es zu einer eitrig-exsudativen Entzündung der Schleimhaut. Bei Trichomonaden-Infektionen sind zusätzlich häufig die Zellkerne der Epithelzellen vergrößert.

Deutlich seltener sind Tumoren und tumorähnliche Läsionen der Vagina, wobei maligne häufiger als benigne sind. Zu den malignen Tumoren zählen das Plattenepithelkarzinom, das etwa 95% aller primären vaginalen Karzinome ausmachen; seltener sind Adenokarzinome und embryonale Rhabdomyosarkome.

Unter den gutartigen Läsionen finden sich Plattenepithelpapillome, Hämangiome, Fibrome und andere Entitäten. Häufiger noch als primäre maligne oder benigne Tumoren sind jedoch Metastasen anderer Primärtumore, vor allem von Uterus-, Blasen- und Rektumkarzinomen.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • R. Lüllmann-Rauch: Taschenatlas Histologie, 3. Auflage, Thieme (2009), S. 511 f.
  • A. Benninghoff, D. Drenckhahn: Anatomie Band 1, 16. Auflage, Urban & Fischer (2003), S. 841 ff.
  • W. Böcker, H. Denk, U. Heitz et al.: Pathologie, 5. Auflage, Urban & Fischer (2012), S. 782 f.

Text, Review, Layout:

  • Andreas Rheinländer
  • Marie Hohensee

Illustration:

  • Vagina - anterior - Samantha Zimmerman
  • Vagina - posterior - Samantha Zimmerman
  • Parakolpium - coronal - Samantha Zimmerman
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