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Radiokarpalgelenk (Art. radiocarpalis)

Das Radiokarpalgelenk (Art. radiocarpalis) verbindet den Radius (Speiche) mit den proximalen Handwurzelknochen (Os scaphoideum, Os lunatum, Os triquetrum) und wird auch als proximales Handgelenk bezeichnet.

Es ermöglicht die Bewegung der Hand in zwei Ebenen: Palmarflexion (Beugung) und Dorsalextension (Streckung) sowie Radialabduktion und Ulnarabduktion. 

Aufbau

Das Radiokarpalgelenk ist ein Eigelenk und besitzt als solches einen konvexen und einen konkaven Gelenkteil (Gelenkkopf und -pfanne).

Eigelenk / Articulatio ellipsoidea

Die proximal konvex geformten Ossa scaphoideum und lunatum artikulieren mit der konkav geformten Facies articularis carpalis des Radius. Das Ausmaß der Artikulation der einzelnen Knochen hängt von der Stellung der Hand bzw. der Handwurzelknochen zum Unterarm ab. 

Radiokarpalgelenk / Art. radiocarpalis - ventrale Ansicht

Da das Radiokarpalgelenk ca. 20° nach ulnar und ca. 10° nach palmar geneigt ist, weicht in anatomischer Neutral-Null-Stellung die Hand, im Vergleich zur Achse des Unterarms, leicht in diese Richtungen ab.

Bei Palmarflexion der Hand kann man am distalen Unterarm in der Regel drei Hautfalten beobachten. Die mittlere Falte (Linea restricta oder Restricta) liegt dabei fast direkt über dem radiokarpalen Gelenkspalt.

Direkt neben dem Radiokarpalgelenk befindet sich das Ulnokarpalgelenk, welches einen dicken Faserknorpel (Discus articularis) besitzt, um den großen Abstand zwischen Caput ulnae und Os triquetrum auszugleichen. 

Radius und Ulna sind unmittelbar proximal des Radiokarpalgelenks in dem distalen Radioulnargelenk (Art. radioulnaris distalis) miteinander verbunden. 

distales Radioulnargelenk / Articulatio radioulnaris distalis - ventrale Ansicht

Kapsel

Die Kapsel des Radiokarpalgelenks ist dicht an der Knorpel-Knochen-Grenze angeheftet und mit ihrer weiten und dünnen Form dem großen Bewegungsausmaß des Radiokarpalgelenks angepasst. Die Gelenkhöhle des proximalen Handgelenks kommuniziert in der Regel nicht mit der des distalen Handgelenks (Art. mediocarpalis), welches zwischen proximaler und distaler Reihe der Handwurzelknochen gebildet wird.

Bänder

Die am Radiokarpalgelenk beteiligten Knochen werden durch Bänder in ihrer Position fixiert, welche auch auf das distale Handgelenk wirken.

  • Lig. collaterale carpi radiale: Dieses Band zieht vom Proc. styloideus radii zu dem radialseitigen Os scaphoideum. Es begrenzt die Ulnarabduktion der Hand.

Ligamentum collaterale carpi radiale / speichenseitiges Handwurzelseitenband - ventrale Ansicht

  • Lig. collaterale carpi ulnare: Analog zum Lig. collaterale carpi radiale läuft dieses Band zwischen Proc. styloideus ulnae zum Os triquetrum und dem ihm aufliegenden Os pisiforme. Dies führt zu einer Begrenzung der Radialabduktion der Hand.

Ligamentum collaterale carpi ulnare / ellenseitiges Handwurzelseitenband - ventrale Ansicht

  • Ligg. radiocarpalia dorsale und palmare: Diese Bänder laufen von der dorsalen bzw. palmaren Knorpel-Knochen-Grenze des distalen Radius schräg zu ulnar gelegenen Handwurzelknochen. Die dorsalen Bandzüge sind meist am Os triquetrum befestigt, die palmar laufenden Bänder ziehen zu den Ossa triquetrum, capitatum und lunatum. Aufgrund ihres schrägen Verlaufs von proximal-radial nach distal-ulnar, hemmen diese Bänder die Radialabduktion der Hand. 

Mechanik

Funktionell bilden das Radiokarpalgelenk und das distale Handgelenk eine Einheit, dennoch erfolgen die Handbewegungen Flexion, Extension, Radial- und Ulnarabduktion in den beiden Gelenken unterschiedlich stark. Das Radiokarpalgelenk hat dabei einen wesentlichen größeren Bewegungsspielraum als das verzahnte, distale Handgelenk. Die Angaben zur Größe der möglichen Bewegung beziehen sich auf den rechtwinklig flektierten Unterarm mit Pronationsstellung der Hand.

Handgelenk / Articulatio manus - ventrale Ansicht

  • Die Palmarflexion bzw. Dorsalextension findet in einer Achse statt, die senkrecht zur Längsachse des Unterarms von radial nach ulnar verläuft. Palmarflexion und Dorsalextension sind zu ca. 80° bzw. 60° möglich. Die Palmarflexion ist stärker möglich als die Dorsalextension, da  der dorsale Bandapparat etwas schwächer ist als die palmaren Bänder. Zudem sind die proximalen Handwurzelknochen gegenüber dem Radius um ca. 10° nach palmar geneigt.

Die Palmarflexion ist zum größten Teil Leistung des Radiokarpalgelenks. Bei der Dorsalextension sind die Verhältnisse genau umgekehrt.

  • Die Achse von Radial- bzw. Ulnarabduktion (20°/0°/40°) läuft dorsopalmar, senkrecht durch die Handfläche durch das Os capitatum. Bei der Radialabduktion bewegen sich die distal gelegenen Ossa trapezium und trapezoideum nach proximal. Das proximal gelegene Os scaphoideum führt eine Ausweichbewegung nach palmar durch, wodurch eine leichte Flexion der Hand entsteht. Die  Ossa trapezium und trapezoideum gleichen die Palmarbewegung des Os scaphoideum mit einer leichten Bewegung nach dorsal aus. Bei der Ulnarabduktion finden wegen des großen Abstands zum Proc. styloideus ulnae diese Bewegungen kaum statt. Die Bewegung des Os scaphoideum nach palmar ist bei Radialabduktion gut zu tasten.

Radialabduktion / Radial flexion - ventrale Ansicht

Ulnarabduktion / Ulnoflexio - ventrale Ansicht

  • Die Bewegungen Radiokarpalgelenk und dem distalen Handgelenk werden durch die Pro- und Supinationsbewegungen der Artt. radioulnares ergänzt, wodurch die Hand die Freiheitsgrade eines Kugelgelenks besitzt. 

Muskulatur

Die Lage der Unterarmmuskeln gibt wichtige Informationen über die Bewegungsmöglichkeiten im Handgelenk. Die dorsalen Muskeln fungieren als Extensoren im Handgelenk, die ventral gelegenen Muskeln als Flexoren. Des Weiteren können Muskeln, welche an den Fingergliedern ansetzen, fast immer auch eine Bewegung im Radiokarpalgelenk und dem distalen Handgelenk hervorrufen. Ob ein Muskel eine Radial- oder Ulnarabduktion bewirkt, ergibt sich aus seiner Verlaufsachse zwischen Ursprung und Ansatz.

Flexion

  • Die Mm. flexor digitorum superficialis und profundus sind die wichtigsten Muskeln der Flexionsbewegungen.

oberflächlicher Fingerbeuger / Musculus flexor digitorum superficialis - ventrale Ansicht

  • Sie werden von den Mm. palmaris longus und flexor carpi ulnaris bzw. radialis unterstützt.

langer Hohlhandmuskel / Musculus palmaris longus - ventrale Ansicht

Extension

Extensionsbewegungen hingegen werden hauptsächlich durch die

  • Mm. extensor digitorum sowie

Fingerstrecker / Musculus extensor digitorum - dorsale Ansicht

  • extensor carpi radialis longus und brevis durchgeführt. 

langer speichenseitiger Handstrecker / Musculus extensor carpi radialis longus - dorsale Ansicht

Ulnarabduktion

Die Ulnarabduktion beschreibt die Bewegung der Hand Richtung Ulna. Sie wird durch den ventral gelegene

  • M. flexor carpi ulnaris als auch den

ellenseitiger Handbeuger / Musculus flexor carpi ulnaris - ventrale Ansicht

  • dorsalen M. extensor carpi ulnaris gewährleistet.

Radialabduktion

Die Radialabduktion ist die Bewegung der Hand nach radial. Die wichtigsten Muskeln für diese Bewegung sind

  • der M. flexor carpi radialis (ventral) und

Speichenseitiger Handbeuger / Musculus flexor carpi radialis - ventrale Ansicht

  • die Mm. extensor carpi radialis longus und brevis (dorsal).

Muskeln mit Ansatz am Daumen

  • z.B. der M. abductor pollicis longus wirken oft aufgrund ihrer radialen Lage auch an der Radialabduktion der Hand mit.

langer Daumenspreizer / Musculus abductor pollicis longus - dorsale Ansicht

Klinik

Die distale Radiusfraktur ist die häufigste Fraktur des Menschen. Meist findet sich ein Sturz mit dorsalextendierter Hand als Ursache, was auch Colles-Fraktur genannt wird. Nicht selten führt der Aufprall der Hand zur Dislokation des distalen Radiussegments nach dorsal, was zu einer gabelförmigen Stellung des Unterarms führt (Fourchette-Stellung). 

Diagnostisch sollte neben der Anfertigung von Röntgenbildern des Unterarms in zwei Ebenen an Bandverletzungen und Frakturen von Handwurzelknochen gedacht werden. Die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität muss ebenso überprüft werden. 

Bei wenig dislozierten Frakturen wird die Reposition durch entgegengesetzte Traktion an den Fingern (“Mädchenfänger”) und Unterarm (Gewichte) sowie durch Druck auf das dislozierte Segment durchgeführt. Die Ruhigstellung erfolgt im Unterarmgipsverband. Stark dislozierte Frakturen und Trümmerfrakturen werden mit Spickdraht- oder Plattenosteosynthese versorgt. 
 

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Quellen anzeigen

Quellen

  • G. Aumüller, G. Aust, A. Doll et al.: Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag (2010), S.432-436, 441-445
  • F. U. Niethard, J. Pfeil, P. Biberthaler: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag (2009), S. 488-490
  • F. Paulsen, J. Waschke: Sobotta. Allgemeine Anatomie und Bewegungsapparat, 23. Auflage, Elsevier (2010), S. 152-154
  • M. Schünke, E. Schulte, U. Schumacher et al.: Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 3. Auflage, Georg Thieme Verlag (2011), S. 286-288

Artikel, Review, Layout

  • Tobias Schreiber

  • Marie Hohensee

  • Dr. med. Charlotte Barthe

Illustrationen

  • Eigelenk / Articulatio ellipsoidea - Paul Kim
  • Radiokarpalgelenk / Art. radiocarpalis - ventrale Ansicht - Irina Münstermann
  • distales Radioulnargelenk / Articulatio radioulnaris distalis - ventrale Ansicht - Irina Münstermann
  • Ligamentum collaterale carpi radiale / speichenseitiges Handwurzelseitenband - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • Ligamentum collaterale carpi ulnare / ellenseitiges Handwurzelseitenband - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • Handgelenk / Articulatio manus - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • Radialabduktion / Radial flexion - ventrale Ansicht - Paul Kim
  • Ulnarabduktion / Ulnoflexio - ventrale Ansicht - Paul Kim
  • oberflächlicher Fingerbeuger / Musculus flexor digitorum superficialis - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • langer Hohlhandmuskel / Musculus palmaris longus - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • ellenseitiger Handbeuger / Musculus flexor carpi ulnaris - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • Fingerstrecker / Musculus extensor digitorum - dorsale Ansicht - Yousun Koh
  • langer speichenseitiger Handstrecker / Musculus extensor carpi radialis longus - dorsale Ansicht - Yousun Koh
  • Speichenseitiger Handbeuger / Musculus flexor carpi radialis - ventrale Ansicht - Yousun Koh
  • langer Daumenspreizer / Musculus abductor pollicis longus - dorsale Ansicht - Yousun Koh

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