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Magen - Histologie

Der Magen (Gaster) ist ein epitheliales Hohlorgan. Makroskopisch lässt sich der Magen in Mageneingang (Kardia), Magenfundus (Fundus gastricus), Magenkörper (Corpus gastricum) und Pylorus (Pars pylorica) unterteilen.

Seine Histologie entspricht der typischen Schichtung des Verdauungstraktes. Bedeutsame mikroskopische Unterschiede gibt es hauptsächlich zwischen dem Corpus gastricum und der Pars pylorica.

Kurzfakten zur Histologie des Magens
Makroskopische Einteilung Kardia, Fundus gastricus, Corpus gastricum, Pars pylorica
Schichten

Tunica mucosa: Zylinderepithel mit einer Lamina propria und einer Lamina muscularis mucosae bildet Magengrübchen, Tela submucosa

Tunica muscularis: innere Ringmuskelschicht, äußere Längsmuskelschicht, Tela subserosa

Tunica serosa

Erkennungs-merkmale

Corpus gastricum: Nebenzellen, Belegzellen und Hauptzellen in den Magengrübchen

Pars pylorica: Lymphfollikel, ausgeprägte Ringmuskelschicht, muköse Drüsen

Innervation Plexus submucosus, Plexus myentericus

Aufbau

Bevor wir fortfahren, möchtest du vielleicht nochmal kurz die makrospkopische Anatomie des Magens wiederholen? Kein Problem! :-)

Die Wand des Magens setzt sich aus folgenden drei Schichten zusammen: Tunica mucosa, Tunica muscularis, Tunica serosa.

Hier bekommst du nochmal einen Überblick über das Verdauungssystem und die Muskulatur und Schleimhaut des Magens:

Tunica mucosa

Die lumenseitige Oberfläche des Magens ist, wie bei allen Hohlorganen des Verdauungstraktes, von einer Schleimhaut bedeckt. Sie besteht aus einem einschichtigen hochprismatischen Epithel (Zylinderepithel) mit seiner Lamina propria.

Gemeinsam mit einer schmalen Lamina muscularis mucosae bilden alle drei Schichten die Tunica mucosa, die eigentliche Schleimhaut. Diese ist im Magen eingesenkt und bildet trichterförmige Vertiefungen, die Foveolae gastricae (Magengrübchen).

Daran schließt sich eine schmale Tela submucosa an, die Fibrozyten und lockere kollagene Fasern enthält. Zudem befindet sich in ihr der Plexus submucosus (Meissner Plexus), welcher die glatte Muskulatur der Lamina muscularis mucosae innerviert, vegetative Fasern führt und die dazugehörigen Ganglienzellen beherbergt. Dadurch kann sowohl die Peristaltik, als auch die Aktivität der luminalen Drüsen reguliert werden.

Tunica muscularis

Auf die dünne Bindegewebsschicht folgt die Tunica muscularis, die aus einer inneren Ringmuskelschicht und einer äußeren Längsmuskelschicht besteht. Letztere ist in lockeren kollagenen Fasern eingebettet, welche die Ganglienzellen des Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) enthält.

Dieser Plexus durchzieht nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt und innerviert die glatte Muskulatur, wodurch es zu grobmotorischen peristaltischen Bewegungen kommt. Zudem ist er an der Sekretion von Enzymen in das Magenlumen beteiligt.

Außerdem sind im Plexus myentericus die interstitiellen Cajal-Zellen enthalten. Sie bilden ein dreidimensionales Netzwerk innerhalb der Tunica muscularis und sind als Schrittmacher für die Steuerung und Modulation der die Magen- und Darmbewegungen zuständig.

An die muskuläre Schicht schließt sich eine schmale Tela subserosa, aus lockeren kollagenen Fasern an, gefolgt von einer Tunica serosa.

Erkennungsmerkmale

Corpus gastricum (Magenkörper) und Pars pylorica (Pförtner des Magens) stellen zwei histologisch gut unterscheidbare Abschnitte des Magens dar. 

Corpus gastricum

Im Corpus gastricum befinden sich in der Tiefe der Foveolae gastricae drei Zelltypen, die in der Pars pylorica seltener vorkommen und maßgeblich an der Verdauung beteiligt sind:

  • Nebenzellen
  • Belegzellen (Parietalzellen)
  • Hauptzellen

Nebenzellen befinden sich überwiegend im Drüsenhals und produzieren Muzine (sauren Schleim), sie sind eher dunkel und besitzen einen abgeflachten Zellkern.

Belegzellen produzieren Intrinsic Factor, besitzen eine Wasserstoffionenpumpe und liegen vorwiegend im Haupt- und Halsteil der Magendrüsen. Ihr Zytoplasma ist in der Hämatoxylin-Eosin-Färbung (HE-Färbung) rot und ihr Zellkern groß und rund.

Die Hauptzellen sezernieren Pepsinogen, sie liegen vornehmlich im Drüsengrund und ihr Zytoplasma ist in der HE-Färbung granuliert.

Pars pylorica

Die Pars pylorica des Magens enthält fast keine dieser Zelltypen.

Jedoch finden sich in diesem Abschnitt gehäuft Lymphfollikel. Diese sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine durchlebte Helicobacter pylori-Infektion zurückzuführen, die eine hohe Prävalenz besitzt, sodass die Ansammlungen von Lymphfollikeln häufig auch in anatomischen Präparaten zu finden sind.

In der Lamina propria sind sehr häufig muköse Drüsenpakete eingelagert, die in der HE-Färbung blass erscheinen.

Die Ringmuskelschicht ist in der Pars pylorica deutlich ausgeprägter als im Corpus gastricum.

Differentialdiagnose

Korpus und Pylorus des Magens können fast eindeutig voneinander abgegrenzt werden.

Das erste und etwas sicherere Kriterium ist die Unterscheidung der Drüsenformationen.

  • Finden sich nur muköse Drüsen, spricht dies für die Pars pylorica. Liegen zudem Lymphfollikel in der Lamina propria, ist dies Diagnose relativ sicher.
  • Fehlen hingegen muköse Drüsen und Lymphfollikel, spricht dies für den Korpus. Ein weiteres Indiz für den Korpus ist auch eine schwache Ringmuskelschicht.

Die Pars pylorica kann gelegentlich auch mit dem Duodenum verwechselt werden. Dort finden sich jedoch Zotten (und keine Einsenkungen) sowie die dort typischen Brunner-Drüsen unterhalb der Lamina muscularis mucosae.

Alle genannten Kriterien sind relativ sichere, aber keine absoluten Kriterien. Sie hängen vom Beobachter und vor allem aber von den Besonderheiten der Präparate ab.

Vertiefe dich mit unseren Lernmaterialien in die Histologie des Magens:

Die histologische Diffentialdiagnose der verschiedenen Abschnitte des Magen-Darm-Trakts kannst du mit folgendem Quiz testen.

Klinik

Bei Nichtanlage des Plexus myentericus (Aganglionose) kommt es zu einem Ausfall der longitudinalen und zirkulären Muskulatur. Eine angeborene segmentale Aganglionose, vom Darmausgang beginnend und nach oral ziehend, wird als Morbus Hirschsprung bezeichnet.

Ein Verlust an Parietalzellen, bspw. durch Autoantikörper, führt zu einem Mangel an Magensäure. Zudem sorgt die fehlende Bildung von Intrinsic Factor für eine mangelhafte Resorption von Vitamin B12, welches für die Blutzellbildung notwendig ist. In Folge dessen kommt es zu einer Störung der Hämatopoese mit konsekutivem Mangel an Erythrozyten, der perniziösen Anämie.

Interstitielle Cajal-Zellen des Verdauungstraktes sind nach neueren Erkenntnissen Ausgangspunkt gastrointestinaler Stromatumore (GIST). Diese Tumorart hat häufig eine schlechtere Prognose als lokale Tumore des mukösen Epithels, da sie nicht einfach chirurgisch entfernt werden können, sondern in der Regel bei Erstdiagnose bereits großflächig diffus im Bindegewebe verteilt sind und metastasiert haben.

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Quellen anzeigen

Quellen:

  • R. Lüllmann-Rauch: Taschenatlas Histologie, 3. Auflage, Thieme (2009), S. 373 ff.
  • A. Benninghoff, D. Drenckhahn: Anatomie Band 1, 16. Auflage, Urban & Fischer (2003), S. 656 ff.

Illustration:

  • Foveola gastrica - Histologie
  • Plexus nervosus submucosus - Histologie
  • Plexus myentericus - Histologie
  • Corpus gastricum - Histologie
  • Magenpförtner - Histologie
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